al-Hajjarah

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Al-Hajjarah
Al-Hajjarah (Jemen)
Al-Hajjarah
Al-Hajjarah
Koordinaten 16° 11′ N, 43° 42′ O16.18361111111143.704722222222Koordinaten: 16° 11′ N, 43° 42′ O
Basisdaten
Staat Jemen

Gouvernement

Sanaa
Höhe 2000 m
Einwohner 35.189 (2003[1])
Al-Hajjarah liegt wie ein Trutzburg an der Hangkante
Al-Hajjarah liegt wie ein Trutzburg an der Hangkante
Al-Hajjarah mit den typischen jemenitischen Fassadenanstrichen
Draufsicht
Die Haraz-Berglandschaft

Al-Hajjarah ist eine jemenitische Stadt im Gouvernement Sanaa und Mittelpunkt einer gleichnamigen Verwaltungseinheit.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt liegt 5 km westlich der Distrikts-Hauptstadt Manacha. Von Manacha aus windet sich eine Piste entlang der Bergflanken des Harazgebirges[2] (Jabal Haraz) zur auf 2600 Meter gelegenen Ortschaft al-Hajjarah. Sinngemäß übersetzt heißt die Stadt: „die Steinerne“. Al-Hajjarah liegt im Nordwesten des Landes auf einem Bergkegel und wurde im 11. Jahrhundert gegründet. Ganz ähnlich wie das benachbarte Manacha, erlangte der Ort aufgrund seiner geografischen Exposition eine größere Bedeutung, als es den Osmanen galt, die Straßen von Sanaa zur Küste in Schach zu halten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Stadtbild ist durch jahrhundertealte steinerne Turmhäuser, die unten fensterlos und in einzelnen Fällen bis zu sechsstöckig sind, geprägt. Die Häuser sind ohne jeden Bauwich dicht an dicht aneinander gebaut, sodass sie im Zusammenhang mit dem steilen Felsen den Gesamteindruck eines geschlossenen Sperrriegels hervorrufen. Weiße Umrandungen um die Fenster sollten vor dem „bösen Blick“ schützen. Ähnlich wie Thula und Schibam Kaukaban verfügt die Stadt über Zisternen und Getreidesilos, um längeren Belagerungen standhalten zu können. Durch diese Infrastruktur vermochte die Stadt denn auch alle Angriffe in seiner Geschichte zu überstehen. Al-Hajjarah weist mindestens dreiundzwanzig Zisternen auf, die auch im Belagerungszustand die Wasserversorgung sicherzustellen vermochten.

Wie in vielen jemenitischen Städten waren hier früher jüdische Handwerker wohnhaft. Der Zugang zum Ort ist sehr schmal und mit einer schweren Holztür verschließbar.[3] Al Hajjarah gilt als Aushängeschild jemenitischer Bergarchitektur. Trotzdem geht seine Bevölkerung zurück. Eine Vielzahl von Häusern steht heute leer, da Manacha mittlerweile als annehmlicherer Wohnort gilt. Dazu trug auch bei, dass der Ort in den 1960er Jahren Zerstörungen ausgesetzt war, die aus Luftangriffen republikanischer Truppen auf die im Ort verschanzten Royalisten resultierten.

Umland[Bearbeiten]

al-Hajjarah liegt am Ostrand des Westlichen Gebirgshangs. Die Region gilt als spektakulärste Landschaft des Jemen. Tief eingeschnittene Täler trennen die steilen Bergstöcke und vermitteln das Bild extremer Vertikalen. Charakteristisch für diesen Naturraum sind die Kleinkammerung und Unzugänglichkeit der Bergwelt. Oft fehlt es an Wegsamkeit. Das westliche Bergland bildete damit eine natürliche kulturräumliche Grenze zwischen dem Berg- und dem Tiefland, was Schutz gebot gegen eindringende Feinde. Diesen Umständen ist zu verdanken, dass dich die Stammesgesellschaft im Hochland über Jahrhunderte hinweg autochthon entwickelte.

Um den raren fruchtbaren Böden Landwirtschaftserzeugnisse abgewinnen zu können, ist die Bevölkerung seit je her auf den Terrassenfeldbau angewiesen. Große Teile der umgebenden Berghänge sind terrassiert. Die Terrassen der Region zählen zu den schönsten des Jemen. Vornehmlich werden auf ihnen Hirse, die Alltagsdroge Qat und zudem Kaffee angebaut. Dazu wurden seit der Antike artenreiche Trockenwälder gerodet. Als natürliche Vegetation haben sich sukkulente Euphorbien (beispielsweise die Euphorbia ammak) etabliert. Dort, wo sich die Täler sich aufspreizen, ist Kaffeeanbau möglich.[4]

Neben den Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet die Region ein beliebtes Wandergebiet.

Tierwelt[Bearbeiten]

Um die Stadt herum findet man diverse Vogelarten, so den Jemengirlitz (S. menachensis), den Südarabischen Steinschmätzer und das Schwarzgesicht-Steinhuhn. Außerdem lassen sich der Jemen-Hänfling und der Araberspecht finden.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Becker, Volker Höhfeld, Horst Kopp: Kaffee aus Arabien. der Bedeutungswandel eines Weltwirtschaftsgutes und seine siedlungsgeographische Konsequenz an der Trockengrenze der Ökumene, Wiesbaden (= Erdkundliches Wissen 46), 1979.
  • Edmund Jacoby: Die visuelle Weltgeschichte des Mittelalters, Gerstenberg, 2005 - 361 Seiten, ISBN 978-3-8067-4594-8.
  • Aviva Klein-Franke: Die Juden im Jemen in Werner Daum Jemen, Umschau-Verlag, Frankfurt/Main, ISBN 3-7016-2251-5.
  • Aviva Klein-Franke: Tradition und Neuerung in der Schmuckherstellung im Jemen im 20. Jahrhundert, in: Simurgh 1, S. 19-29, 2005.
  • Horst Kopp (Herausgeber): Länderkunde Jemen, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, 2005, ISBN 3-89500-500-2.
  • Ester Muchawsky-Schnapper: The Yeminites: Two Thousand Years of Jewish Culture, Jerusalem 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Kopp (Herausgeber), Länderkunde Jemen (2005), Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, S. 91 (Einwohnerzahlen jemenitischer Provinzhauptstädte 2003, Berechnung von World Gezatteer)
  2. atg jemen.com Kurzdarstellung
  3. Al Hajjarah
  4. Kopp, S. 36-37 (s. Lit.)