al-Idrisi

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Dieser Artikel behandelt den Forscher des 12. Jahrhunderts. Für den untermeerischen Vulkan siehe Al Idrisi (Schlammvulkan)
Weltkarte des al-Idrisi (12. Jhd., Süden ist oben)
Al-Idrisi beschreibt Finnland
Die Tabula Rogeriana, von Al-Idrisi für Roger II. von Sizilien, 1154

Abu Abd Allah Muhammad ibn Muhammad ibn Abd Allah ibn Idris al-Idrisi, arabisch ‏أبو عبد الله محمد بن محمد بن عبد الله بن إدريس الإدريسي‎, DMG Abū ʿAbd Allāh Muḥammad b. Muḥammad b. ʿAbd Allāh b. Idrīs al-Idrīsī, latinisiert Dreses (* um 1100 in Ceuta; † 1166 in Sizilien) war ein muslimischer Kartograf, Geograph und Botaniker.

Er studierte an der Universität von Córdoba und lebte in Sizilien am Hofe des Normannenkönigs Roger II. Seine Reisen führten ihn unter anderem nach Spanien, Nordafrika und Vorderasien.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Muhammad al-Idrisi entstammt einer langen Reihe von Prinzen, Kalifen und Sufis. Als direkter Nachfahre der Hammudiden (1016–1058), die ihrerseits einen Nebenzweig der Idrisiden (789–985) bilden, kann er seinen Stammbaum bis zum Propheten Muhammad zurückverfolgen.

Al-Idrisi wurde um 1100 n. Chr. in Ceuta geboren, wohin 40 Jahre zuvor seine Familie nach dem Fall von Málaga geflohen war. Schon in jungen Jahren bereiste er weite Teile von Spanien und Nordafrika bis nach Anatolien. Er studierte an der Universität von Córdoba und lehrte danach in Constantine (Algerien). Seine Feldforschungen führten ihn quer durch Europa, von Portugal über die Pyrenäen, die französische Atlantikküste entlang bis ins Königreich Jórvík, aber auch nach Ungarn und in die muslimische Welt.

Aufgrund der instabilen politischen Lage in Andalusien suchte Al-Idrisi wie viele seiner Zeitgenossen Zuflucht in Sizilien, wo die regierenden Normannen (laut Ibn Dschubair) „einige wenige arabische Familien tolerierten und förderten, um im Gegenzug von deren Wissen zu profitieren“

Al-Idrisi, der Geograph[Bearbeiten]

Nachhaltigen Ruhm erlangte al-Idrisi durch seine geographischen Studien. Er verwendete Angaben des Claudius Ptolemäus und früher islamischer Gelehrter, aber auch selbst Erfahrenes ohne die in den mittelalterlichen Mappae mundi damals üblichen christologischen Themen. Seine Karten behandeln auch Erdteile, die seit der späten Antike der Christenheit in Europa zur Erforschung und zum Wissenserwerb nicht mehr zugänglich waren. Als muslimisch-arabischer Bewohner eines Großreiches hatte al-Idrisi Zugang zu Gebieten wie Westafrika, die arabische Halbinsel, Indien, China und Zentralasien. Entsprechend dem geographischen Schwerpunkt ist in seinen Schriften Nordeuropa vergleichsweise wenig detailliert dargestellt.

Seine Arbeiten inspirierten und beeinflussten muslimische Geographen wie Ibn Battuta, Ibn Khaldun und Piri Reis ebenso wie die christlichen Seefahrer Christoph Columbus und Vasco da Gama.

Tabula Rogeriana[Bearbeiten]

Sein Hauptwerk / نزهة المشتاق في اختراق الآفاق‎ / nuzhatu ʾl-muštāq fī-ʾḫtirāqi ʾl-āfāq /‚Reise des Sehnsüchtigen um die Horizonte zu durchqueren‘ verfasste al-Idrisi von 1138–1154 für Roger II. von Sizilien. Darin unterteilt er die Welt in sieben Klimazonen und liefert neben genauen Karten detaillierte Beschreibungen der kulturellen, politischen und sozioökonomischen Bedingungen der jeweiligen Regionen. Ergänzt wird das Buch von einer Karte der damals bekannten Welt eingraviert in eine massive Silberscheibe von 2 m Durchmesser.

Darin verknüpfte al-Idrisi das Wissen, welches über die Jahrhunderte von islamischen Kaufleuten und Forschern über Afrika, den Indischen Ozean und den Fernen Osten gesammelt worden war mit den Informationen der normannischen Seefahrer über die nördliche Welt zur akkuratesten Landkarte der Vormoderne. Während allerdings der eurasische Kontinent in seiner Gesamtheit dargestellt war, wurde vom afrikanischen Kontinent nur der nördliche Teil abgebildet. Außerdem fehlen Details des Horn von Afrika und Südostasiens.

Die Identifizierung der dokumentierten Orts- und Landschaftsnamen wird allerdings dadurch erschwert, dass sie überwiegend auf mündliche Auskünfte zurückgehen, die al-Idrisi mit arabischen Buchstaben festhielt. Das Werk liegt nunmehr in der sorgfältig bestellten Edition der Istituto Italiano per il Medio e l'Estremo Oriente at Rome unter der Mitwirkung mehrerer Wissenschaftler vor: Opus Geographicum sive liber ad eorum delectationem qui terras peragrare studeant.[1] Deutsch ist das Kartenwerk zugänglich durch die "Mappae Arabicae" von Miller. Der zugehörige Text kann auf Französisch einer neueren Ausgabe bei Flammarion entnommen werden.

Mit dem Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq schuf al-Idrisi ein Kompendium, das über drei Jahrhunderte das Standardwerk der Kartographie blieb. Die originale Silberplatte wurde im Zuge eines Aufstandes zerstört. Die Teilkarten blieben dagegen erhalten und erlauben eine Rekonstruktion der zerstörten Weltkarte.

Al-Idrisi, der Biologe[Bearbeiten]

Al-Idrisi studierte daneben auch sämtliche damals bekannte Heilpflanzen. Da in seinen Augen die Wissenschaft seit dem Altertum kaum Fortschritte gemacht hatte, begann er selbst Pflanzen zu sammeln, zu katalogisieren und ihre Wirkung zu erforschen. Die Ergebnisse seiner Arbeit fasste er in diversen Büchern zusammen. Das Bedeutendste davon ist das Kitab al-Dschami-li-Ashtat al-Nabat / كتاب الجامع لأشتات النبات ‎ / kitāb al-ǧāmiʿ li-aštāti ʾn-nabāt / ‚Das Sammelwerk für die Pflanzenarten‘, dessen Handschrift der deutsche Orientalist Hellmut Ritter 1928 in der Istanbuler Fatih Handschriftenbibliothek entdeckt hat.

Rezeption[Bearbeiten]

  • Der Roman Der Sultan von Palermo des britischen Autors Tariq Ali zeichnet al-Idrisis Leben am Hof Rogers II. zwischen Wissenschaft und Politik nach. Wiewohl Fiktion gibt der Plot faktentreu und detailreich Einblick in das mittelalterliche Europa zwischen Orient und von den Päpsten geprägtem Christentum, sowie in das Schaffen al-Idrisis'.
  • Al Idrisi ist der Titelheld von Jon Fasmans Buch “Die Bibliothek des Alchimisten”
  • Das Werk des Mohammed al-Idrisi hatte starken Einfluss auf andere europäische Schriftsteller wie Marino Sanudo der Ältere , Antonio Malfante, Jaume Ferrer und Alonso Fernández de Lugo.
  • Das Geo-Informations-System IDRISI, welches von der Clark University entwickelt wurde, trägt seinen Namen zu Ehren von Mohammed al-Idrisi. Die damit erforschten Daten unterstützen bei Umweltmanagement und nachhaltiger Ressourcenbewirtschaftung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Konrad Miller: Mappae Arabicae. Nachdr. 1994 d. Ausg. Stuttgart 1926-1931. Universität Frankfurt Inst. f. Gesch. d. Arabisch-Islamischen Wiss. ISBN 978-3-8298-1218-4.
  • Idrîsî, La Première Géographie de l'Occident, GF Flammarion. Paris. 1999. ISBN 2-08-071069-9
  • Wilhelm Hoenerbach: Deutschland und seine Nachbarländer nach der großen Geographie des Idrisi (1162, Sektionen 5, 2 u. 6, 2). Stuttgart, Kohlhammer, 1938
  • G. Oman: Notizie bibliografiche sul geografo arabo al-Idrisi (XII secolo) e sulle sue opere. In: Annali dell' Istituto Universitario Orientale di Napoli (AIUON), Neue Serie XI (1961), 25-61, XII 193-4
  • J. H. Kramers: La Littérature géographique classique des musulmans. in: Analecta Orientalia, 2 (1956), 172-204
  • M. Amari: Dal Kitab Nuzhat al-mushtâq ecc. (Sollazzo per chi si diletta di girare il mondo) per Abû 'Abd Allâh Muhammad Ibn 'Abd Allâh Ibn Idrîs. In: Biblioteca Arabo-Sicula. Turin-Rom 1880, I. 33-133
  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S.1038
  • Tariq Ali: Der Sultan von Palermo, 2005, ISBN 3-7205-2637-2
  • Ducène, Jean-Charles: Le delta du Nil dans les cartes du Nuzhat al-mustaq d'al-Idrisi In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen gesellschaft (ZDMG), Band 154 (2004), S. 58-71

Quellen[Bearbeiten]

  1. Hrsg. F. Cerulli, G.Gabrieli, Lévi Della Vida u.a., Neapel, Rom 1970ff

Weblinks[Bearbeiten]