Alain Finkielkraut

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Alain Finkielkraut (2013)

Alain Finkielkraut (* 30. Juni 1949 in Paris) ist ein französischer Philosoph und Autor. Er ist Mitglied der Académie française.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Finkielkraut ist der Sohn eines polnischen jüdischen Lederwarenhändlers, der das KZ Auschwitz überlebte. Er besuchte das Pariser Lycée Henri IV und studierte an der École normale supérieure. Finkielkraut lehrt Philosophie an der École polytechnique und moderiert eine Sendung des französischen Radiosenders France Culture.

In Deutschland wurde Finkielkraut zuerst durch Le nouveau désordre amoureux (1977; deutsch 1979 u.d.T. Die neue Liebesunordnung) bekannt, verfasst zusammen mit Pascal Bruckner. Mit der Niederlage des Denkens (1987) beginnt seine Kritik „der Barbarei der modernen Welt”, die sich im Umkreis des Denkens Hannah Arendts entfaltet. Vehement wendet er sich gegen jeden Kulturrelativismus: So zerstöre etwa die Kritik an der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in islamischen Ländern nicht deren Gemeinschaft. Wer sich gegen eine solche Kritik mit dem Anspruch der Toleranz gegenüber fremden Kulturen ausspricht, setze ein überkommenes Denken in Begriffen der kulturellen Identität voraus. Auch kulturelle bzw. religiöse Minderheiten seien ohne eine kulturrelativistische Haltung durchaus geschützt, unter der Bedingung nämlich, dass sie Bräuche, die die Grundrechte der Person verhöhnen, als ungesetzlich erachten.

2007 verlieh ihm die Universität Tel Aviv die Ehrendoktorwürde.[1]

Am 10. April 2014 wurde Finkielkraut in die Académie française gewählt,[2] wo er den Platz von Félicien Marceau übernahm. Finkielkrauts Wahl war eine Debatte vorangegangen, die sich an seinen konservativen, von manchen als reaktionär empfundenen Positionen entzündet hatte[3][4], besonders an jenen, die in seinem wenige Monate zuvor erschienenen Buch L’identité malheureuse vertreten werden.

L’identité malheureuse (2013)[Bearbeiten]

In seinem Werk L’identité malheureuse (2013) geht Finkielkraut davon aus, dass Frankreich im Begriff sei, sich unter dem Einfluss einer massiven und unkontrollierten Einwanderung in eine „postnationale und multikulturelle Gesellschaft“ umzuwandeln. Finkielkraut postuliert, dass die Einwanderer sich nicht nur der Integration verweigerten, sondern Frankreich offen verachteten, dass die Französischstämmigen sich mittlerweile als Fremde im eigenen Land fühlten: „Sie haben nicht etwa Angst vor den Anderen, sie haben Angst davor, selber zu den Anderen zu werden.“[5]

Der Finkielkraut-Experte Jean Birnbaum urteilte über dieses Buch: „Ob er sich selbst dessen bewusst ist oder nicht – sein Buch ist Ausdruck eines politischen Umbruchs. So wie Antonio Gramsci früher als Symbol einer scheinbar undogmatischen KP in Italien herhalten musste, so ist Alain Finkielkraut heute der Vorzeige-Intellektuelle eines scheinbar akzeptabel gewordenen Front National in Frankreich.“ Finkielkraut ist überzeugt davon, der Front National sei „die einzige Partei, die die Franzosen mit ihrer verunsicherten Identität ernst nehme“.[6]

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste der Ehrendoktoren der Universität Tel Aviv
  2. Élection de M. Alain Finkielkraut (F21). Académie française, 10. April 2014, abgerufen am 10. April 2014 (französisch).
  3. David Caviglioli: Alain Finkielkraut, un guerrier à l'Académie française. Le Nouvel Observateur, 10. April 2014, abgerufen am 10. April 2014 (französisch).
  4. Jürg Altwegg: Kein Grund zur Empörung! Alain Finkielkraut in die Académie française gewählt. FAZ.net, 11. April 2014, abgerufen am 12. April 2014.
  5. Übersetzung nach: Kampf um die französische Identität
  6. "Nationaler Zerfall"
  7.  Eike Geisel: Eike Geisel über Alain Finkielkraut: Der eingebildete Jude. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1982, S. 228 (online).