Alain Manesson Mallet

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Alain Manesson Mallet

Alain [Allain] Manesson Mallet (* 1630 in Paris; † 1706 ebenda) war ein französischer Kartograph und Ingenieur.

Titelkupfer der anonymen zweiten deutschsprachigen Edition durch Johann Gottfried Gregorii bei Johann Adam Jung, Frankfurt 1719, sc. Johann Jacob Vogel
Kupferstichdarstellung des Dalai Lama bzw. Groß Lama aus der Beschreibung des gantzen Welt-Kreises 1719

Manesson Mallet war zunächst Soldat und Ingenieur in der portugiesischen Armee und machte nach seiner Rückkehr nach Frankreich Karriere in der Armee Ludwig XIV. Er wurde „Maître de Mathématiques“ und Inspekteur der Festungsanlagen. Als Ingenieur und Festungsbaumeister veröffentlichte er Les Travaux de Mars ou l'Art de la Guerre, Paris 1671; deutsch Kriegsarbeit Oder Neuer Festungsbau, Amsterdam 1672.

Sein Hauptwerk Description de L'Univers erschien 1683 in fünf Bänden in Paris, die erste deutsche Ausgabe der Kosmografie Beschreibung des gantzen Welt-Kreysses in Frankfurt 1684–1685 beim bedeutenden Verleger Johann David Zunner. Der Pagen-Hofmeister und Mathematiklehrer am Hofe des Sonnenkönigs hatte mehr als zehn Jahre daran gearbeitet. Das monumentale Werk enthält eine Zusammenstellung des astronomischen und geographischen Wissens seiner Zeit, das Manesson Mallet in seinen selbst gefertigten Stichen in einzigartiger Weise mit Alltags- und Genre-Szenen verband.

Zwischen 1716 und 1719 [1] überarbeitete der deutsche Geograph und Universalgelehrte Johann Gottfried Gregorii [2] diese große Weltbeschreibung umfassend und gab die Kosmographie von Manesson Mallet als zweite deutsche Edition anonym beim Verlag Johann Adam Jung (Zunners Erben) in Frankfurt heraus. Die 650 nachgestochenen und um aktuelle Herrscherporträts (z.B. Karl VI. und Georg I.) ergänzten Kupferstiche spiegeln mit Weltbildern, Landkarten, Städte- und Genreansichten, Nationalitätendarstellungen und Sehenswürdigkeiten das geographische Wissen der Zeit wider. Gregorii nutzte einige Abbildungen Manesson Mallets als Vorlagen für seinen ATLAS PORTATILIS (1717) und die politisch-geographische Zeitschrift Remarquable Curiosa (1715–1727). [3]

1702 erschien in Paris sein letztes großes Werk, die Géométrie pratique in vier Bänden: geometrische Elemente, Trigonometrie, Planimetrie und Stereometrie sowie ihre Nutzanwendungen, u.a. für Architektur und Garten-Architektur.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Émilie d’Orgeix: Alain Manesson Mallet (1630-1706). Portrait d’un ingénieur militaire dans le sillage de Vauban, Comité Français de Cartographie, CFC 195, März 2008 (Online; PDF; 5,3 MB)
  • Michael Hübner: Architectura von Vestungen: Frühneuzeitliche Fortifikationsliteratur im Bestand der Franckeschen Stiftungen Halle 2010

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [Gregorii, Johann Gottfried] anonymer Editor, Des berühmten Königlichen Geographi HERRN Allain Manesson Mallets Beschreibung Des gantzen Welt-Kreises …, Frankfurt 1719, Verl. Jung, Johann Adam, Vorrede
  2. MELISSANTES, GEOGRAPHIA NOVISSIMA …, 5. Aufl. Frankfurt und Leipzig 1729, Teil 2, Vorrede
  3. Carsten Berndt, MELISSANTES - Ein Thüringer Polyhistor und seine Berufsbeschreibungen im 18. Jahrhundert; Leben und Wirken des Johann Gottfried Gregorii (1685 - 1770) als Beitrag zur Geschichte von Geographie, Kartographie, Genealogie, Psychologie, Pädagogik und Berufskunde in Deutschland; [Ein Thüringer Geograph und Universalgelehrter (1685 - 1770)], 2. Auflage, Rockstuhl, Bad Langensalza 2014, ISBN 978-3-86777-166-5. S. 53-57, S. 145-147
  4. Volker R. Remmert: Antiquity, nobility, and utility: picturing the Early Modern mathematical sciences, in: Eleanor Robson, Jacqueline Stedall (Hrsg.): The Oxford Handbook of the History of Mathematics, Oxford University Press, 2008, ISBN 0191607444, S. 555 f. (GoogleBooks)