Alain Resnais

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Alain Resnais mit Juliette Binoche auf der 23. César-Verleihung 1998

Alain Resnais (* 3. Juni 1922 in Vannes; † 1. März 2014 in Paris[1]) war ein französischer Filmregisseur.

Leben[Bearbeiten]

Resnais − Sohn eines Apothekers − besuchte das Collège St.-François-Xavier in Vannes. Er hatte mit dreizehn Jahren seine erste Kamera[2], experimentierte bereits als Jugendlicher mit Schmalfilm und schwärmte für das Theater. Als er wegen seiner schwachen Gesundheit vom Militärdienst befreit worden war, ging er 1939 nach Paris, um Pädagogik zu studieren. Von 1940 bis 1942 nahm er Schauspielunterricht bei René Simon und ließ sich auch als Cutter am Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC) ausbilden. Später schloss er sich der klassischen Theatergruppe Les Arlequins an und gastierte in der Provinz.[3] Nach dem Zweiten Weltkrieg realisierte er eine Reihe von Kurzfilmen über berühmte Künstler wie Vincent van Gogh oder Paul Gauguin.

Nach Arbeiten als Cutter für andere Regisseure und etlichen Dokumentarfilmen drehte er 1959 mit Emmanuelle Riva und Eiji Okada seinen ersten Spielfilm Hiroshima, mon amour, der die Zerstörung Hiroshimas durch eine US-Atombombe ebenso thematisiert wie die deutsche Besetzung Frankreichs.[4] Das literarisch höchst anspruchsvolle Drehbuch, verfasst von der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras, erhielt eine Oscar-Nominierung. Hiroshima, mon amour nahm 1959 am Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes teil. Das Werk zählt heute zu den Klassikern der Nouvelle Vague, ebenso wie das Nachfolgeprojekt Letztes Jahr in Marienbad aus dem Jahr 1961, dem ein Drehbuch des Schriftstellers und Regisseurs Alain Robbe-Grillet zugrunde liegt. 1963 widmete er sich in Muriel oder Die Zeit der Wiederkehr den „Nachbeben des Algerienkrieges“.[5]

Resnais erhielt in Anerkennung für seine Verdienste um die Filmkunst 1995 den Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig und 1998 den Silbernen Bären der Berlinale für sein Lebenswerk. 2007 erhielt Resnais im Rahmen des Europäischen Filmpreises für Herzen den Europäischen FIPRESCI-Preis. Zwischen 1936 und 2006 drehte er insgesamt 47 Filme. 2009 erhielt er für Vorsicht Sehnsucht eine Einladung in den Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele von Cannes, in dem er 1980 mit Mein Onkel aus Amerika davor zuletzt vertreten war. Eine weitere Einladung in den Wettbewerb von Cannes erhielt Resnais 2012 für den Spielfilm Vous n’avez encore rien vu, der lose auf dem Theaterstück Eurydice von Jean Anouilh basieren soll. Erzählt wird von einer Gruppe von Schauspielern (dargestellt von u. a. Lambert Wilson, Sabine Azéma und Anne Consigny), die sich zur Testamentseröffnung eines Dramatikers in dessen Haus einfindet.[6]

Alain Resnais heiratete 1969 Florence Malraux, die Tochter des französischen Schriftstellers André Malraux. Aus der Beziehung ging eine Tochter hervor.[3] Ab 1998 war Resnais mit der Schauspielerin Sabine Azéma verheiratet, die er ab den 1980er Jahren in vielen seiner Filme mit Hauptrollen betraut hatte.[7]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Kurzfilme

  • 1948: Van Gogh – Dokumentarfilm
  • 1950: Guernica – Dokumentarfilm
  • 1954: Les statues meurent aussi – Dokumentarfilm
  • 1955: Nacht und Nebel (Nuit et brouillard) – Dokumentarfilm
  • 1992: Gershwin – Dokumentarfilm

Langfilme

Literatur[Bearbeiten]

  • Didier Deschamps (Hrsg.) & François Thomas (Hrsg.) & Françoise Castello: Das Atelier von Alain Resnais. Hrsg.: CICIM Centre d’Information Cinématographique Munich & Filmtage Tübingen, übersetzt von Karola Bartsch. Institut français, München 1992 (Reihe: Revue CICIM No. 35/36). Mit Bibliographie, ISBN 3-920727-06-1 (deutsch; in der DNB nicht unter Resnais gelistet!)
  • James Monaco: Alain Resnais. 1978
  • Christoph Müller: „Je t’aime je t’aime“. In: Filmstellen VSETH & VSU, Hrsg.: Science Fiction. − Andrzej Wajda. Dokumentation. Verband Studierender an der Universität VSU, Zürich 1990, ohne ISBN, S. 107–114 (mit Bio-Filmografie)
  • Mirjam Schmid: Darstellbarkeit der Shoah in Roman und Film. Kulturgeschichtliche Reihe, 12. Sonnenberg, Annweiler 2012, ISBN 978-3-933264-70-1[8]
  • François Thomas: „I want to go home“. Interviews mit Laura Benson Schauspielerin, Catherine Leterrier (Kostüme), Charlie van Dumme (Kamera) und Jean-Claude Laureux (Ton). In: ebd. Heft 29, 1990 ISSN 0938-233x S. 104–118
  • Scarlett Winter: Robbe-Grillet, Resnais und der neue Blick. Winter, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8253-5271-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alain Resnais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachruf auf Alain Resnais in: Süddeutsche
  2. Marie-Noëlle Tranchant: Alain Resnais, prodige du cinema français, est mort. (Nachruf) lefigaro.fr, 2. März 2014 (abgerufen am 3. März 2014)
  3. a b Alain Resnais. In: Internationales Biographisches Archiv 19/2002 vom 29. April 2002, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 15/2010 (abgerufen via Munzinger Online)
  4. Dave Kehr: Alain Resnais, Acclaimed French Filmmaker, Is Dead at 91. (Nachruf) nytimes.com, 2. März 2014 (abgerufen am 3. März 2014)
  5. Patrick Straumann: Atomare Gewissheiten, mentale Labyrinthe. (Nachruf) nzz.ch, 3. März 2014 (abgerufen am 3. März 2014)
  6. Beschreibung bei timeout.com (abgerufen am 26. April 2012)
  7. Alain Resnais. In: World who’s who: Europa biographical reference. Routledge, London 2002
  8. Schwerpunkte: Resnais und André Schwarz-Bart