Alasdair MacIntyre

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Alasdair MacIntyre

Alasdair Chalmers MacIntyre (* 12. Januar 1929 in Glasgow) ist ein schottisch-amerikanischer Philosoph und gilt als einer der Hauptvertreter des Kommunitarismus.

Leben[Bearbeiten]

MacIntyre studierte in London und Manchester und lehrt seit 1969 in den Vereinigten Staaten. Seit 1988 ist er Professor für Philosophie an der University of Notre Dame in Indiana.

Lehre[Bearbeiten]

MacIntyre beschäftigte sich mit Themen der Ideologiekritik, Psychoanalyse und Moralgeschichte, bevor sich seine Philosophie zu einer zeitkritischen Moralphilosophie entwickelte. In seinem Hauptwerk „After Virtue. A Study in Moral Theory“ kritisiert er die „rationalistische“ Moral der Aufklärung seit Kant, die dem Menschen keine Wurzeln gegeben habe. Anknüpfend an die Nikomachische Ethik des Aristoteles will er die Tradition der Tugendethiken wiederbeleben.

Moralisches Handeln ist für MacIntyre nur innerhalb einer Gemeinschaft möglich. In Gemeinschaften spielen Traditionen eine entscheidende Rolle. Traditionen sind einer andauernden Entwicklung unterworfen. Sie beginnen mit einem autoritären Stadium, in dem bestimmte Überzeugungen, Texte und Äußerungen von Autoritäten fraglos übernommen werden. Im Verlauf der Geschichte kann es zu Konflikten und Krisen kommen, die dazu führen, dass diese Autoritäten in Frage gestellt und ihre Vorgaben neu formuliert werden. So werden die bestehenden Traditionen kontinuierlich weiterentwickelt, bis eventuell ein Punkt erreicht ist, an dem innerhalb einer bestehenden Tradition kein Fortschritt mehr möglich ist. Kommt es in einer Tradition zu Konflikten, die innerhalb ihrer nicht mehr bewältigt werden können, haben diese eine „epistemologische Krise“ zur Folge. Diese Krise kann überwunden werden, indem man eine konkurrierende Tradition verstehen lernt. Solange es nicht zu einer „epistemologischen Krise“ kommt, können unterschiedliche Traditionen nebeneinander bestehen. Bei Konflikten zwischen Traditionen gibt es keine Möglichkeit, sie rational zu lösen, da es keine traditionsunabhängigen Rationalitätskriterien gibt.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • A Short History of Ethics. A History of Moral Philosophy from the Homeric Age to the Twentieth Century. Routledge, London 1967, ISBN 0-415-04027-2.
  • Dependent Rational Animals. Why Human Beings Need the Virtues. Duckworth, London 1999, ISBN 0-7156-2902-6.
  • Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-518-28793-1 (Original: After Virtue. University of Notre Dame Press 1981, ISBN 0-268-00594-X; second edition 1984, mit einem Postscript; third edition 2007, mit einem neuen Vorwort: "After Virtue after a Quarter of a Century").
  • Three Rival Versions of Moral Enquiry: Encyclopedia, Genealogy, and Tradition. UND Press, Notre Dame 1990, ISBN 0-268-01877-4.
  • Whose Justice? Which Rationality? UND Press, Notre Dame 1988, ISBN 0-268-01944-4.
  • Die Anerkennung der Abhängigkeit. Über menschliche Tugenden. Rotbuch, Hamburg 2001, ISBN 3-434-53088-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Goldstein: Perspektiven des politischen Denkens: Sechs Portraits. Hannah Arendt, Dolf Sternberger, John Rawls, Jürgen Habermas, Alasdair MacIntyre, Charles Taylor. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2012, ISBN 978-3-942393-30-0.

Weblinks[Bearbeiten]