Alban Berg Quartett

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Alban Berg Quartett
Allgemeine Informationen
Herkunft Wien, Austria
Genre(s) Classical
Gründung 1971
Auflösung 2008

Das Alban Berg Quartett (abgekürzt: ABQ; benannt nach dem Komponisten Alban Berg) war eines der weltweit führenden Streichquartette.[1]

Gründung[Bearbeiten]

Das Alban Berg Quartet wurde 1970 gegründet. Der Name wurde dem Quartett von Helene Berg, der Witwe des Komponisten Alban Berg, verliehen. Das Repertoire des Quartetts war aus Überzeugung weit gespannt, von der frühen Klassik über die Romantik, die Wiener Schule und Bartók bis hin zu den zeitgenössischen Komponisten.

Künstlerisches Wirken[Bearbeiten]

Nach einem einige Monate dauernden intensiven Studium in den USA auf Einladung von Walter Levin (La-Salle-Quartett) begann eine kometenhafte Karriere. Bereits für seine ersten Einspielungen erhielt es den Grand Prix du Disque, im Laufe der Zeit häuften sich die Auszeichnungen auf mehr als 30 renommierte Schallplattenpreise. Allein der Beethoven-Zyklus des Alban Berg Quartetts wurde über eine Million mal verkauft, selbst bei Béla Bartók wurden höchste Verkaufszahlen erreicht (über 500.000). In den letzten ca. 20 Jahren seines Bestehens ging das Quartett dazu über, fast ausschließlich Live-Mitschnitte von Konzerten zu veröffentlichen (hauptsächlich aus dem Wiener Konzerthaus, aber auch aus der Queen Elizabeth Hall in London, der Opéra-Comique in Paris und der Carnegie Hall in New York). Regelmäßig trat das ABQ bei den großen Festivals auf, so unter anderem bei den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival, dem Edinburgh Festival, in Wien, Berlin, beim Maggio Musicale Fiorentino etc..

Das Repertoire des Quartetts umfasste nahezu alle Werke der klassischen und romantischen Streichquartettliteratur sowie zahlreiche Werke des 20. Jahrhunderts, darunter auch Uraufführungen von Erich Urbanner, Gottfried von Einem (1. Streichquartett), Roman Haubenstock-Ramati, Wolfgang Rihm (Quartett Nr.4 und Requiem für Thomas), Alfred Schnittke (Quartett Nr. 4) und Luciano Berio (Notturno). Das Alban Berg Quartett spielte über Jahrzehnte hindurch einen eigenen Zyklus im Wiener Konzerthaus, über viele Jahre hinweg auch eigene Zyklen in Zürich (Opernhaus), Paris (Théâtre des Champs-Élysées), London (Queen Elizabeth Hall), Madrid (Auditorio Nacional), Köln (Philharmonie), Amsterdam (Concertgebouw), Mailand (La Scala), Tokyo (Suntory Hall) und Frankfurt (Alte Oper). Das ABQ ist Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft und Associate Artist der Royal Festival Hall London.

Das Alban Berg Quartett pflegte auch die Zusammenarbeit mit Solisten wie Alfred Brendel, Rudolf Buchbinder, Philippe Entremont, Elisabeth Leonskaja, Boris Pergamenschikow, Maurizio Pollini, András Schiff, Heinrich Schiff und Christian Zacharias.

2007 gab das Quartett bekannt, sich zum Ende der Konzertsaison 2007/2008 aufzulösen. Das Abschiedskonzert sollte ursprünglich nach einer Serie von weltweiten Konzerten im Juli 2008 im Teatro Colón in Buenos Aires stattfinden, doch folgten spontan noch weitere Einladungen nach Taiwan und an das neue Chinesische Nationaltheater in Peking, wo die letzten Konzerte der Abschiedstournee gegeben wurden.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

Unter den Quartetten, die mit dem Alban Berg Quartet studierten, finden sich unter anderem das Casals Quartet, das Schumann Quartett, das Fauré Quartett, das aron quartet,[2] das Amaryllis Quartet und insbesondere das Belcea Quartet sowie das Artemis Quartett.[3]

Karriereende[Bearbeiten]

Im Juli 2005 starb der Bratschist des Alban Berg Quartetts, Thomas Kakuska. Seinem Wunsch folgend setzte das ABQ seine Konzerttätigkeit mit Isabel Charisius, einer ehemaligen Schülerin von Thomas Kakuska, fort. Der Verlust war aber zu groß, wie Cellist Valentin Erben meinte („There was a big rupture in our hearts“)[4]. In Memoriam Thomas Kakuska spielten die Mitglieder des Alban Berg Quartetts mit einem Orchester bestehend aus Freunden des Quartetts, ehemaligen Studenten und Freunden bei den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado im Großen Saal des Wiener Konzerthauses im Oktober 2006. Dabei partizipierten unter anderem Angelika Kirchschlager, Elisabeth Leonskaja, Erwin Arditti, Magdalena Kozena, Thomas Quasthoff, Helmut Deutsch, Alois Posch, Heinrich Schiff und Sir Simon Rattle. Nach einer weltweiten Tournee 2008 beendete das Alban Berg Quartett schliesslich seine Konzerttätigkeit.[5][6]

Mitglieder[Bearbeiten]

Period violine violine viola violoncello
1971–1978 Günter Pichler Klaus Maetzl Hatto Beyerle Valentin Erben
1978–1981 Gerhard Schulz
1981–2005 Thomas Kakuska † 2005
2005–2008 Isabel Charisius

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kritiken der Zeit zeugen von dem: „One of the greatest ensembles of our time“ (San Francisco Chronicle). „Sicherlich eines der großartigsten Ensembles der Kammermusik“ (France Soir, Paris). „Few if any quartets can match their strength and assurance in the Viennese classics and romantics“ (The Times, London), „Das Alban Berg Quartett hat legendäre Standards in der Kammermusik gesetzt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). „[Das] Wunder names Alban Berg Quartett“ (Die Presse, Wien).
  2. Aron quartett (on the Danish Wikipedia)
  3. artemis quartett
  4. Anushka Asthana: Arts and Entertainment. In: The Sunday Times (login required). 
  5. Rory Williams: Calling it Quits. For the Alban Berg Quartet. www.stringsmagazine.com. Abgerufen am 15. September 2014.
  6. Beijing Today. Weekend. 5. Juni 2008. Abgerufen am 17. Juni 2008.