Albani-Psalter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Albani-Psalter: Die Hl. Drei Könige folgen dem Stern
Versuchung Christi

Der Albani-Psalter oder St. Albans Psalter, auch Psalter der Christina von Markyate, ist ein Hauptwerk englischer romanischer Buchmalerei. Er entstand im 12. Jahrhundert in der Abtei St. Alban in Hertfordshire. Heute befindet er sich in der Dombibliothek Hildesheim und stellt einen ihrer kostbarsten Schätze dar.

Kathedrale von St. Albans, 16. August 2011: Bischof Norbert Trelle von Hildesheim übergibt ein Faksimile des Albani-Psalters an Bischof Alan Smith von St. Albans
Maria Magdalena verkündet den Jüngern die Auferstehung Christi

Beschreibung[Bearbeiten]

Das über vierhundertseitige Werk gehört zur Gattung der mittelalterlichen Psalter, die zur häuslichen Andacht oder für das liturgische Gebet bestimmt waren. Literarischer Hauptinhalt sind die Psalmen der Vulgata, dazu das altfranzösische Alexiuslied und zu Beginn ein liturgischer Kalender. Das Bildprogramm umfasst mehr als vierzig ganzseitige Miniaturen aus dem Evangelium, verschiedene Heiligendarstellungen sowie kunstvolle Schmuckmalerei, darunter über 200 goldverzierte Initialen.

Der Albani-Psalter steht an äußerem Aufwand und Ikonographie nahezu ohne Vorbild da und hat seinerseits die spätere Bildtradition nachhaltig beeinflusst.

Geschichte[Bearbeiten]

Christus öffnet das Totenreich

Vermutlich wurde der Albani-Psalter zwischen etwa 1120 und 1145 während des Abbatiats Geoffrey von Gorhams geschaffen. Nach Ansicht mancher Forscher war das Werk für die Eremitin Christina von Markyate bestimmt, zu der Geoffrey in einer engen geistlichen Freundschaft gestanden haben soll. Mit größerer Wahrscheinlichkeit war das Buch für den Chordienst des Mönchskonvents in der Abtei bestimmt. Während des Bürgerkriegs von 1642 bis 1649 brachten englische Benediktiner den Psalter mit anderen Kostbarkeiten in ihre neue Zuflucht, das Kloster Lamspringe bei Hildesheim. Vermutlich bei dessen Auflösung 1803 kam er in den Besitz der Basilika St. Godehard in Hildesheim, deren Bücherbestand seit 1908 in der Dombibliothek verwahrt wird.

Vom 12. September 2009 bis 24. Januar 2010 wurden im Dommuseum Hildesheim alle Blätter des Psalters nebeneinander gezeigt, nachdem die Handschrift zur Restaurierung zerlegt werden musste. Im Herbst 2013 ist eine ähnliche Ausstellung im Getty Museum geplant.

Literarische Bearbeitung[Bearbeiten]

Der Historische Roman von Peter Dyckhoff Albani. Das unerhörte Abenteuer, dessen Hintergrund die Geschichte des Psalters ist, erschien 1998 (Steinkopf Verlag, Stuttgart).

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Gallistl Der St. Albans Psalter und seine liturgische Verwendung , in: Concilium medii aevi 15, 2012, S. 213–548, online als pdf-Datei abrufbar: cma.gbv.de (PDF; 1,1 MB) abgerufen am 28. November 2012
  • Jane Geddes Der Albani-Psalter. Eine englische Prachthandschrift des 12. Jahrhunderts für Christina von Markyate, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 978-3-7954-1751-2
  • Nicolaus Strube, Ein Weg zu mystischen Quellen. Meditationen zum Albani-Psalter, Verlag Monika Fuchs, Hildesheim 2006, ISBN 978-3-940078-01-8
  • Adolph Goldschmidt Der Albanipsalter in Hildesheim und seine Beziehung zur symbolischen Kirchensculptur des XII. Jahrhunderts, Siemens, Berlin 1895

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Albans Psalter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien