Albert Eulenburg

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Albert Eulenburg

Albert Eulenburg (* 10. August 1840 in Berlin; † 3. Juli 1917 ebenda) war ein deutscher Arzt und Sexualforscher.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde als Sohn des jüdischen Arztes Michael Moritz Eulenburg und dessen zweiter Frau Auguste geboren. Sein jüngerer Bruder Ernst wurde später ein bekannter Musikverleger. Nach dem Tod des Großvaters konvertierte die Familie 1847 zum evangelischen Glauben.

Albert Eulenburg studierte in Berlin, Bern und Zürich. Zu seinen Lehrern zählten Johannes Peter Müller, Ludwig Traube und Albrecht von Graefe. Nach seiner Promotion am 31. Mai 1861 wurde Eulenburg Assistenzarzt. Er nahm als Arzt am Deutschen Krieg 1866 und am Deutsch-Französischen Krieg 1870–71 teil. Nach seiner Habilitation gründete er mit Paul Guttmann eine Privatklinik für Innere Medizin. 1863 berief ihn die Universität Greifswald zum ordentlichen Professor der Pharmakologie. Eulenburg gab die Stelle 1882 auf und kehrte als außerordentlicher Professor der Neurologie nach Berlin zurück. Er errichtete hier eine Poliklinik für Nervenkrankheiten.

Seine letzte Ruhestätte fand er nach Umbettung auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Werk[Bearbeiten]

Eulenburg publizierte eine Reihe bedeutender Arbeiten auf dem Gebiet der Physiologie der Nervenkrankheiten und der ärztlichen Sexualwissenschaft, als deren Mitbegründer er gilt. Sein mit Guttmann herausgegebenes Werk Die Pathologie des Sympathicus auf physiologischer Grundlage gewann 1877 den Astley-Cooper-Preis. Wegen eines Formfehlers (zwei Autoren) wurde das Preisgeld aber niemals ausgezahlt.

Eulenburgs Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde – die 3. Auflage erschien zwischen 1894 und 1901 in 26 Bänden – gilt als eines der medizinischen Standardwerke seiner Zeit und gibt heute noch Aufschluss über den Stand der damaligen Medizin.

Eulenburg war zudem Erstbeschreiber einer seltenen angeborenen Muskelerkrankung. Sein Name ist als Eponym mit dieser Erkrankung verbunden (Paramyotonia congenita Eulenburg).

Wissenschaftlich beschäftigte sich Eulenburg unter anderem, teilweise unter Bezug auf Richard von Krafft-Ebing, mit den Themen Sadismus und Masochismus.

1913 gründete Eulenburg gemeinsam mit Magnus Hirschfeld und Iwan Bloch die Ärztliche Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik und wurde deren erster Präsident. Seit 1914 gab er zusammen mit Iwan Bloch die Zeitschrift für Sexualwissenschaft neu heraus. Eine Zeitschrift dieses Namens war bereits im Jahr 1908 von Magnus Hirschfeld publiziert worden, zunächst allerdings nur mit 12 Ausgaben erschienen und dann in der Zeitschrift Sexual-Probleme des Arztes und Sexualforschers Max Marcuse aufgegangen.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Pathologie des Sympathicus auf physiologischer Grundlage (mit P. Guttmann). A. Hirschfeld, Berlin 1873
  • Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde. Urban und Schwarzenberg, Wien 1880–1883. 15 Bände
  • Über eine familiäre, durch sechs Generationen verfolgbare Form congenitaler Paramyotonie. Neurologisches Centralblatt 12, 1886, S. 265 – 272
  • Sexuale Neuropathie. Genitale Neurosen und Neuropsychosen der Männer und Frauen. Vogel, Leipzig 1895
  • Der Marquis de Sade. Vortrag, gehalten im Psychologischen Verein in Berlin. H. R. Dohrn, Dresden 1901 (zuerst in der Zs. Zukunft am 25. März 1899)
  • Iwan Bloch: Beiträge zur Aetiologie der Psychopathia sexualis. 2 Teile. Vorrede von Albert Eulenburg. H. R. Dohrn, Dresden 1902; Reprint Kessinger Publishing, Whitefish (Montana) 2010 ISBN 9781160044509
  • Sadismus und Masochismus. J. F. Bergmann, Wiesbaden 1902 (= Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens, 19)
  • Kinder- und Jugendselbstmorde. Marhold, Halle (Saale) 1914 (= Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Nerven- und Geisteskrankheiten, 10.6)
  • Moralität und Sexualität. Sexualethische Streifzüge im Gebiete der neueren Philosophie und Ethik. Marcus & Weber, Bonn 1916

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]