Albert Kahn

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Dieser Artikel behandelt den Bankier, für den gleichnamigen Architekten siehe Albert Kahn (Architekt)

Albert Kahn (* 3. März 1860 in Marmoutier; † 14. November 1940 in Boulogne-Billancourt) war ein französischer Bankier und einer der reichsten Männer Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er war ein Pionier der Farbfotografie.

Leben[Bearbeiten]

Albert Kahn wurde als Sohn eines jüdischen Viehhändlers im Elsass geboren und war eines von fünf Geschwistern. Mit neunzehn Jahren ging er nach Paris, wo er eine Arbeit als Bankangestellter fand. Gleichzeitig studierte er Literaturwissenschaft und Jura. Im Jahr 1884 bestand er das juristische Staatsexamen.

Schon während seines Studiums freundete er sich mit Henri Bergson an, der ein lebenslanger Freund wurde. Kahn wurde 1892 Direktor und Teilhaber des bedeutenden Bankhaus Goudchaux in Paris. Der Erwerb seines Besitzes in Boulogne-Billancourt nahe Paris fiel in das Jahr 1893. Hier ließ er in den Jahren 1894–1910 von dem Landschaftsarchitekten Achille Duchêne einen weitläufigen Garten gestalten, der die Gartenkultur verschiedener Länder widerspiegelt. Der Garten und die dazugehörenden Gebäude dienten Kahn dazu, die Kontakte mit seinen Freunden zu pflegen, zu denen unter anderen Albert Einstein, Austen Chamberlain, Raymond Barrès, Paul Valéry, Anatole France und Auguste Rodin zählten.

Im Jahr 1898 gründete er die Stiftung Bourses Autour du Monde, die es jungen Akademikern erlauben sollte, für ein Jahr die Welt zu bereisen. Daraus ging im Jahr 1906 der Gesprächskreis Autour du Monde hervor, in dem Eindrücke und Erfahrungen dieser Reisen diskutiert wurden. 1916 folgte die Gründung des Comité national d'Etudes sociales et politiques, in dem von einflussreichen Persönlichkeiten aktuelle Fragen diskutiert wurden. Das Komitee, an dessen Sitzungen auch deutsche Politiker teilnahmen, traf sich 1931 zum letzten Mal.

Sein Buch Des droits et des devoirs des gouvernments (Rechte und Pflichten von Regierungen) erschien 1918.

In der Folge der Börsen- und Weltwirtschaftskrise 1929 verlor Kahn sein gesamtes Vermögen und starb 1940 nach der deutschen Besetzung Frankreichs vollkommen verarmt.

Les Archives de la Planète[Bearbeiten]

Albert Kahn nutzte sein Vermögen, um zwischen 1908 und 1930 das damals größte ethnologische Foto- und Filmprojekt aufzubauen – „Les Archives de la Planète“ (Die Archive des Planeten). Dieses umfasst mehr als hundert Stunden Film und über 72.000 Farbfotografien aus der ganzen Welt. Seine Idee war, durch die visuelle Darstellung des alltäglichen Lebens aus allen Teilen der Welt ein Verständnis für andere Menschen und deren Kultur und damit eine friedliche Welt zu schaffen. Gleichzeitig hielt sein Archiv aber auch viele seitdem untergegangene Kulturen in Europa, Afrika, Amerika und Asien im Bild fest, Lebensweisen, die durch die aufkommende technische Revolution in den nächsten Jahren verschwanden.

Kahn machte sich dabei das 1903 von den Brüdern Lumière erfundene Autochromverfahren zu Nutze, das als erstes fotografisches Verfahren Bilder mit Echt-Farben ermöglichte.

Albert Kahns Archiv wird heute im Musée Albert-Kahn in Paris aufbewahrt. Eine BBC-Serie „The Wonderful World of Albert Kahn“ (Die wunderbare Welt des Albert Kahn) und ein Buch zur Serie versuchen, den Schatz, den dieses Archiv darstellt, für die heutige Welt zu heben. Die erste Ausstellung dieser Bilder nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1981 im Rahmen der Ausstellung „Farbe im Photo“ in der Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln statt. Das Stadtmuseum Düsseldorf organisierte 2010 die erste Einzel-Ausstellung über Albert Kahn und die „Archive des Planeten“ in Deutschland.[1] 2014 werden fast 200 Bilder des Archives im Rahmen der Ausstellung „Die Welt um 1914 - Farbfotografie vor dem Großen Krieg“ im LVR-LandesMuseum Bonn und dem Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt.

Literatur[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Albert Kahn: Des droits et des devoirs des gouvernements. Imprimerie de Vaugirad, Paris 1918.
  • Sophie Cœuré, Frédéric Worms (Hg.): Albert Kahn – Henri Bergson. Correspondances, Edition Desmaret, Paris 2003

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Paula Amad: Cinema's sanctuary: From pre-documentary to documentary film in Albert Kahn's Archives de la planète (1908–1931), in: Film History, Band 13, 2001, S. 138–159.
  • Paula Amad: Albert Kahns „Archives de la planète“ (1908–1931). Zwischen kinematographischer Ansicht und Dokumentarfilm, in: Grüße aus Viktoria. Film-Ansichten aus der Ferne (=KINtop Schriften 7), Filmmuseum Düsseldorf (Hg.), Stroemfeld/Roter Stern, Basel und Frankfurt am Main 2002, S. 206–233 (gekürzte deutsche Fassung).
  • Jeanne Beausoleil (Hg.): Albert Kahn, réalités d'une utopie : 1860–1940 (zur Ausstellung vom 28. November 1995 – 15. September 1996). Musée Albert-Kahn, Boulogne-Billancourt 1995, ISBN 2-906599-17-4
  • Chine. Catalogue des photographies et des séquences filmées du Musée Albert-Kahn, Musée Albert-Kahn, Boulogne-Billancourt 2001
  • Christoph Danelzik-Brüggemann (Hg.): Städte der Welt. Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert-Kahn im Dialog mit der Fotografischen Sammlung, Ausstellungskatalog Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf anlässlich der Ausstellung vom 29. Mai – 5. September 2010, Droste, Düsseldorf 2013, ISBN 978-3-7700-1459-0
  • Markus Köster (Hg.): Der Ruhrkampf, La Bataille de la Ruhr – Französische Filmaufnahmen aus Westfalen und dem Rheinland 1921–1925. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2006, S. 21–24, ISBN 3-923432-51-8. Online verfügbar (PDF, 350 KB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albert Kahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Film[Bearbeiten]

  • Albert Kahn, Banker und Pazifist (Le voyage d'Albert Kahn), Dokumentarfilm von Mehdi Lallaoui, F 2006
  • The Wonderful World of Albert Kahn, fünfteilige Fernsehserie der BBC, Regie David Okuefuna und Rosie Schellenberg, GB 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Städte der Welt – Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert-Kahn im Dialog mit der fotografischen Sammlung. Duesseldorf.de. Abgerufen am 14. September 2010.