Albert Christoph Reindel

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Albert (auch: Albrecht)[1] Christoph Reindel (* 23. Juli 1784 in Nürnberg; † 23. Februar 1853 ebenda) war ein deutscher Kupferstecher, Zeichner, Professor, Restaurator, Konservator und Übersetzer.[2]

Bedeutung des Reproduktionsstechers[Bearbeiten]

So sahen nur Besucher der Neuen Pinakothek vor Ort Ludwig I. von Bayern ...
... während sich die Bildungsbürger durch den Stich von Reindel nach Stieler nun überall „ein Bild machen“ konnten.

Die Bedeutung des über Landesgrenzen hinweg geehrten Professors und Direktors, der Anfang des 19. Jahrhunderts die ehemalige Nürnberger Zeichenschule vollständig reorganisierte zu der dann vielbesuchten Nürnberger Akademie, liegt insbesondere in den durch seine zahlreichen Schüler verbreiteten Reproduktions-Illustrationen[2] für das aufstrebende Bildungsbürgertum am Beginn des Industriezeitalters, bevor dafür fotografische und andere Verfahren erfunden waren und in ausreichender Menge zur Verfügung standen.

Leben[Bearbeiten]

Albert Reindel sollte auf anfänglichen Wunsch seines Vaters Kaufmann werden, zeigte dafür aber keinerlei Neigungen. Daher ließ ihn der Vater zunächst beim Leiter der Nürnberger Zeichenschule, Direktor Gustav Philipp Zwinger, unterrichten und gab ihn im jungen Alter von vierzehn Jahren 1798 in die Lehre beim Kupferstecher Heinrich Guttenberg, wo Reindel erste Rötelzeichnungen anfertigte. 1803 ging Guttenberg mit seinem Schüler in das Paris der Napoleonzeit, wo Reindel bis 1809 unter Guttenbergs Anleitung arbeitete.[2]

In Paris wurde Albert Reindel durch Savage auch in das Studium der Anatomie eingeführt, während er in der französischen Hauptstadt beeinflusst wurde durch den Kontakt zu zwei seiner Landsleute, den Kupferstecher Friedrich Geißler und den Stuttgarter Maler Johann Friedrich Wilhelm Müller[2] (der Sohn von Johann Gotthard Müller)[3], sowie durch den französischen Kupferstecher Desnoyers.[2]

1811 ging Reindel zurück in seine Heimatstadt Nürnberg und wurde dort, an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte, zum Direktor jener 1662 gegründeten, in jener Zeit sehr vernachlässigten Malerakademie ernannt. Reindel reorganisierte sie vollständig, wandelte sie 1819 in eine Kunstschule um und unterrichtete dort unter anderem Aktzeichnen.[2]

In Nürnberg schuf Reindel nach Jahren, in denen er zahlreiche Stiche fertigte, darunter Titelstiche für das Frauentaschenbuch, eine farbige Darstellung des „Schönen Brunnen“ auf dem Marktplatze zu Nürnberg. Daraufhin wurde ihm die Restauration des Brunnen übertragen, die er 1821–1824 mit Hilfe von C. Heideloff, den Bildhauern Ernst von Bandel, Burgschmiet und Rotermundt ausführte. Hierfür wurde Albert Reindel die „Medaille des bairischen Civilverdienstordens“ verliehen.[2]

Der so Geehrte erhielt auch nun auch Aufträge außerhalb seiner eigentlichen Profession: So restaurierte er die St. Michaelskirche, für die er auch die Kanzel und den Altar entwarf, sowie der Synagoge in Fürth.[2]

Reindel entwarf die marmorne Ara und leitete die Ausführung der bronzeverzierten Marmortafel, die der kaiserlich österreichische Geheime Rat Carneo Steffaneo zum Andenken an Burggraf Friedrich III. in der Kirche des Klosters Heilsbronn bei Nürnberg gestiftet hatte.[2]

Sogar „auf litterarischem Gebiete war er thätig [gewesen], indem er 1834 Thibaut’s von Chapuis herausgegebene „Perspective linéaire“ übersetzte.“[2]

Bekannte Schüler[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Jugendzeit bis 1803[Bearbeiten]

  • um 1800: Rötelzeichnungen aus der Lehrzeit bei Heinrich Guttenberg[2]

Pariser Zeit 1803/11 (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Illustrationen für Visconti’s „Iconographie“: Drei Büsten des Euripides, drei des Sophokles und eine des Miltiades (die Guttenberg vollendete)[2]
  • Kupferstich des rumänischen Königs Parthamasiris sowie des Kopfes des iberischen Königs Oussak[2]
  • Blätter für das von Laurent und Robillard herausgegebene „Musée français", sowie für das „Musée Napoléon“, für das er unter anderem Annibale Caraccis Gemälde im Louvre „Madonna mit dem schlafenden Christuskinde und dem kleinen Johannes“ stach[2]
  • 1804: Porträt des Nürnberger Kaufmanns J. C. Kießling[2]
  • Stiche nach Manfredi, Nic. Poussin, Poilly, Bartolozzi und Fr. Kobell[2]

Nürnberg ab 1811 (Auswahl)[Bearbeiten]

Drucke[Bearbeiten]

  • Titelkupfer nach Lafitte, Zwinger, Näcke und anderen für verschiedene Bücher[2]
  • 1821: Große Gesamtansicht von Vischers Grabmal für Sebaldus von Nürnberg[2]
  • 1829, dann mit reich verzierter Einfassung versehen 1834: Ludwig I. im Krönungsornat nach Joseph Karl Stieler, „als Gegenstück zu dem von C. Heß gestochenen Bildniß des Königs Maximilian I.“[2]
  • Bildnis von Reindels Lehrer Hermann Guttenberg[8]

Zeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

1834: Übersetzung von Thibaut’s von ChapuisPerspective linéaire[2]

Künstlersignatur[Bearbeiten]

Reindel versah seine Arbeiten mitunter mit verschiedenen Monogrammenen, unterschiedlich zusammengesetzt aus den gestalteten Buchstaben A und R.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albert Reindel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Normdatensatz der Gemeinsamen Normdatei
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af Paul Johannes Rée: Reindel, Albert Christoph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 11–13.
  3. Normdatensatz der Gemeinsamen Normdatei
  4. Jutta Assel, Georg Jäger: Geißler, Peter Carl, in: Die Weihnachtskrippe / Hirten, Drei / Könige, Sternsingen / Eine Dokumentation zu Weihnachten 2011, auf: Goethezeitportal.de
  5. Jutta Assel, Georg Jäger: Johann Wolfgang von Goethe / Egmont. Ein Trauerspiel /Text- und Bilddokumente
  6. Thieme-Becker, Bd. 12 (Fiori-Fyt), S. 87
  7. Normdatensatz der Gemeinsamen Normdatei
  8. a b Georg Kaspar Nagler: Albert Christoph Reindel, in: Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben &c. bedient haben., Bd. I (1858), S. 504 u.ö.