Albert Speer
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Berthold Konrad Hermann Albert Speer (* 19. März 1905 in Mannheim; † 1. September 1981 in London) gehörte zu den führenden Architekten und zentralen Organisatoren des Nationalsozialismus. Seit 1937 war er Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt und plante zahlreiche Monumentalbauten, die den NS-Herrschaftsanspruch unterstreichen sollten. Ab 1942 zunächst Reichsminister für Bewaffnung und Munition, leitete er bis zum Kriegsende die Kriegswirtschaft des Deutschen Reichs. Speer gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Angeklagten und wurde am 1. Oktober 1946 in zwei von vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt.
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[Bearbeiten] Leben
Albert Speer entstammte einem großbürgerlichen Elternhaus in Mannheim. Bereits sein Vater Albert Friedrich Speer und sein Großvater waren Architekten. Speer war der mittlere von drei Söhnen, sein älterer Bruder hieß Hermann (*1902), sein jüngerer Ernst (*1906, 1943 in Stalingrad vermisst). Er besuchte zunächst das Lessing-Gymnasium in Mannheim und studierte dann an der Universität Karlsruhe und von Frühjahr 1924 bis Sommer 1925 an der Technischen Hochschule München (heute Technische Universität München). Im Herbst 1925 wechselte er an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg und bemühte sich vergeblich darum, in das Seminar von Hans Poelzig aufgenommen zu werden. 1926 wurde Speer Schüler Heinrich Tessenows und nach dem Diplom (1927) sein Assistent, was er bis Anfang 1932 blieb.
[Bearbeiten] Architekt Hitlers
Nach eigenem Bekunden erwachte Speers Interesse am Nationalsozialismus im Dezember 1930 nach dem Besuch einer politischen Kundgebung in der Berliner Hasenheide, bei der Hitler als Redner auftrat. Einige Wochen später, am 1. März 1931, trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 474 481). Im selben Jahr wurde er Mitglied der SA, wechselte aber 1932 von der SA zur Motor-SS.[1]
1931 beauftragte der Leiter der NS-Kreisleitung West in Berlin, Karl Hanke, den ihm als NSKK-Mann bekannten Speer damit, den Sitz der Kreisleitung, eine angemietete Villa in Berlin-Grunewald, umzubauen. Kurz vor der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erhielt Speer ebenfalls über Hanke den Auftrag, das gerade von der Partei erworbene neue Gauhaus in der Voßstr. 10 für die Parteizwecke umzubauen. Anschließend verließ Speer mangels Aufträgen Berlin und ging zurück nach Mannheim. Er ließ sich dort als Architekt nieder, erhielt jedoch keine Aufträge.
Nach der Reichstagswahl am 5. März 1933, die nicht den erhofften Stimmzuwachs brachte, ernannte Hitler seinen Propaganda-Adlatus Goebbels zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. Das bisherige Gebäude der Regierungspressestelle, das Leopold-Palais am Wilhelmsplatz (gegenüber der Reichskanzlei), ein klassizistisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das später von Schinkel umgebaut worden war, erhielt Goebbels als Sitz für sein Ministerium. Wieder wurde ein Architekt gesucht, der es innenarchitektonisch auf den Stil der Partei bringen konnte. Hanke ließ den Auftrag wiederum Speer zukommen und holte ihn zu diesem Zweck aus Mannheim nach Berlin zurück. Speer selbst beschreibt, dass er das Gebäude ohne größere Rücksichtnahme auf die historische Bausubstanz in der von Hitler und Goebbels gewünschten Weise umbauen ließ.
Über Hanke erhielt er wenig später auch den Auftrag, das Aufmarschgelände auf dem Tempelhofer Feld für eine der ersten NS-Massenaufmärsche am 1. Mai 1933 dekorativ herzurichten. Speer ließ sechs gigantische Hakenkreuzfahnen und drei Fahnen mit den kaiserzeitlichen Farben schwarz-weiß-rot hinter einer großen Rednertribüne (mit Platz für die gesamte Parteiführerschaft) aufhängen. Goebbels ließ den als anstellig und stilistisch auf Parteilinie befindlich erkannten Speer nun auch damit beauftragen, seine Dienstwohnung an der Königgrätzer Straße (heute Stresemannstraße) südlich des Brandenburger Tors innenarchitektonisch in gewünschter Weise zu modernisieren.
Goebbels war damit zufrieden und schlug Speer nun als architektonischen Gestalter für den geplanten Reichsparteitag in Nürnberg vor. Hitler gefielen Speers Vorschläge. Den Auftrag, die Dienstwohnung des Reichskanzlers in der Alten Reichskanzlei innenarchitektonisch zu verändern, erhielt zwar Hitlers damaliger Leibarchitekt Paul Ludwig Troost, der sein Büro in München hatte, doch Speer wurde als ausführender Bauleiter für diese Baumaßnahmen engagiert. 1934 starb Troost, und Speer übernahm dessen Aufgaben.
Ab 1934/35 entwarf Speer monumentale Bauten für die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg, die jedoch kriegsbedingt nur zum Teil realisiert wurden. Ab 1935 widmete er sich der Planung der Neuen Reichskanzlei in Berlin, deren Bau bereits seit 1934 im Gespräch war.[2] Nach großflächigen, vorbereitenden Abrissarbeiten in den beiden Folgejahren begannen 1937 die Bauarbeiten,[2] die sich samt aller weiteren Ausbaumaßnahmen noch bis in die vierziger Jahre erstrecken sollten.
Ebenfalls 1937 ernannte Hitler Speer zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt (GBI), dem eine gleichnamige Behörde unterstellt war. Speers Hauptaufgabe als Generalbauinspektor war der Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania. In diesem Rahmen sollte im Spreebogen mit der Großen Halle die größte Kuppelhalle der Welt entstehen.
Speers Behörde zeichnete verantwortlich für Planung, Genehmigung und Bau von Zwangsarbeiterlagern und betrieb etliche in eigener Regie. Nach Siemens und der Reichsbahn war der GBI 1942/43 drittgrößter Betreiber von Zwangsarbeiterlagern im Großraum Berlin.
Mit Heinrich Himmler vereinbarte Speer die Herstellung und Lieferung von Baumaterial durch KZ-Häftlinge. Das Kapital für die von der SS gegründete Firma „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST)“ wurde aus dem Haushalt Speers finanziert. Das Geld floss direkt in den Aufbau des KZ-Systems. Der zinslose Kredit für die SS-Totenkopfverbände war rückzahlbar an Speers Behörde in Form von Steinen. Deshalb wurden fast alle KZs zwischen 1937 und 1942 in der Nähe von Tongruben oder Steinbrüchen gebaut. Für die Lager in Groß-Rosen in Schlesien und Natzweiler-Struthof im Elsass legte Speer 1940 die Standorte wegen der dortigen Granitvorkommen selbst fest.
Aufgrund der Aktenlage lässt sich heute beweisen, dass die Deportationslisten zwischen Oktober 1941 und März 1943 von Speers Mitarbeitern zusammen mit der Gestapo erstellt wurden. Speer hat die Kenntnis davon bis zu seinem Tode bestritten. Gleichwohl schrieb er in einem Brief vom 13. Dezember 1941 an Martin Bormann, dass die „Aktion in vollem Gange“ sei, und beschwerte sich darüber, dass Bormann „Judenwohnungen“ ausgebombten Berlinern bereitstellen wolle, obwohl doch diese ihm (Speer) zustünden.
[Bearbeiten] Städtebauliche Entwürfe für das „Dritte Reich“ und den Wiederaufbau
Albert Speer hatte sich in der Frühzeit des Regimes gegenüber Paul Schultze-Naumburg und dessen Heimatschutzarchitektur mit neoklassizistischen Konzepten durchsetzen können. Speer wurde zum führenden NS-Architekten in enger Kooperation mit seinem Bauherrn, Adolf Hitler. Dieser gab die programmatische Grundlinie für tiefgreifende städtebauliche Veränderungen vor. So sollte beispielsweise Hamburg als „Welthandelszentrum“, München als „Hauptstadt der Bewegung“, Nürnberg als „Stadt der Reichsparteitage“ und Linz, wo Hitler begraben werden wollte, als „Patenstadt des Führers“ neuerrichtet werden. 1937 erteilte Hitler Speer den größten Auftrag, Planungen für den Umbau Berlins in die „Welthauptstadt“ Germania vorzulegen.
„Berlin ist eine Großstadt, aber keine Weltstadt. Sehen Sie Paris an, die schönste Stadt in der Welt! Oder selbst Wien! Das sind Städte mit einem großen Wurf. Berlin aber ist nichts als eine ungeregelte Anhäufung von Bauten. Wir müssen Paris und Wien übertrumpfen.“
– Adolf Hitler
Siehe auch: Architektur im Nationalsozialismus
Bereits 1940/41 waren eine Vielzahl von Fachpublikationen zum Wiederaufbau vorgelegt worden. Ab 1943 richtete Speer einen zentralen „Arbeitsstab Wiederaufbau zerstörter Städte“ unter seiner Leitung ein.[3] Die hier vertretenen Architekten und ihre planerischen und baulichen Überlegungen spielten - mit Ausnahme von Speer selbst - noch Jahrzehnte nach Kriegsende eine wichtige Rolle.[3] Ihre modernistischen Planungen kamen unter Verzicht auf die NS-Symbolik fast ausnahmslos zum Tragen.[3] Wichtige Ausnahmen, die auch in der DDR Walter Ulbrichts eine Rolle spielten, waren einige, Elemente des Heimatstil wiederaufnehmende Wiederaufbauplanungen, in Westdeutschland die Innenstädte von Münster (Westfalen) und Freudenstadt.[3]
[Bearbeiten] Rüstungsminister 1942 bis 1945
Wenige Stunden nach dem tödlichen Flugzeugabsturz von Fritz Todt (Februar 1942) ernannte Hitler Speer zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition (BuM) und zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Festungsbau, Wasser und Energie. Spätestens zu diesem Zeitpunkt gehörte Speer zum engsten Kreis der nationalsozialistischen Machthaber. Er war in seiner neuen Position auch verantwortlich für die Zuteilung von Baumaterial an die Konzentrationslager. Der Name des Speer-Ministeriums wurde aufgrund der gewachsenen Aufgabenzahl 1943 in Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion (RuK) geändert. Albert Speer gelang eine massive Erhöhung der Rüstungsproduktion durch den Einsatz von Millionen von Zwangsarbeitern, die vor allem von Fritz Sauckel und SS-Gruppenführer Dr.-Ing. Hans Kammler rekrutiert wurden und die unter anderem die zur Wehrmacht eingezogenen Arbeiter ersetzten. Das Konzept der „Selbstverantwortung der Industrie“ wurde von Speer umgesetzt und die handwerkliche Fertigung von Rüstungsgütern in den ersten Kriegsjahren wurde durch einen industriellen Fertigungsprozess abgelöst.
Als Speer Ende 1942 die Meldung erhielt, dass sein Bruder Ernst in Stalingrad zu den eingekesselten deutschen Soldaten gehört, unternahm er nichts, um ihm dort herauszuhelfen, obwohl es ihm in seiner Stellung ein leichtes gewesen wäre. Ernst kam wenig später im Kessel um.[4]
[Bearbeiten] Das Ende der Zeit des Nationalsozialismus und Gefängnis
1945 widersetzte sich Speer nach eigenen Angaben Hitlers „Politik der verbrannten Erde“ (Nerobefehl). Er behauptete später, Anweisungen sabotiert zu haben, die auf die Zerstörung der Infrastruktur in Deutschland und in den teilweise noch besetzten westeuropäischen Ländern zielten. Speer wird vorgeworfen, dass er die Verhinderung des so genannten Nerobefehls nur mit einer Totalisierung des Krieges von Hitler „erkauft“ habe. Diese Totalisierung kostete trotz des absehbaren Kriegsendes noch Millionen Menschen, überwiegend Zivilisten, das Leben und führte dazu, dass zahlreiche deutsche Städte von alliierten Bombern in Schutt und Asche gelegt wurden. Weiterhin soll Speer befohlen haben, die Fabriken bis kurz vor der Eroberung Rüstungsgüter weiterproduzieren zu lassen und erst im allerletzten Moment „zu lähmen“.
Als Hitlers Rüstungsminister hatte er zunehmend Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten übernommen. In steigendem Maße forderte er Zwangsarbeiter an, die ihm Heinrich Himmler und Fritz Sauckel verschafften. Die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter waren für Speer nicht von Bedeutung.
In einem Fernseh-Interview nach seiner Freilassung 1966 behauptete Speer, nichts von der massenhaften Ermordung der Juden und anderer Minderheiten während der deutschen Besatzung gewusst zu haben. Speer war jedoch am 6. Oktober 1943 in Posen bei den Reichs- und Gauleitern und hielt dort eine Rede. Dann sprach Himmler von 17:30 bis 19:00 Uhr in der zweiten seiner „Posener Reden“ offen über den Holocaust. Speers Einlassung, er sei zuvor abgereist und habe auch von befreundeten Teilnehmern nie etwas davon erfahren, wird von Gitta Sereny als „schlicht unmöglich“ bezeichnet.[5] Neu aufgefundene Dokumente legen nahe, dass Speer den Ausbau des Zwangsarbeits- und Vernichtungslagers Auschwitz nicht nur kannte, sondern auch aktiv vorantrieb[6]. Die Selektion der Häftlinge in Arbeitsfähige für die Rüstungsindustrie und in für die Vernichtung bestimmte Alte, Kranke und Kinder entsprach seinen Interessen. Als Rüstungsminister brauchte er Zwangsarbeiter und als Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt hatte er für die Neugestaltung Berlins die Massendeportation der Berliner Juden betrieben. Die Recherchen und ihre Bewertung durch die Historiker sind auch auf diesen Gebieten noch nicht abgeschlossen.
Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess (1945–1946) wurde Speer wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er im alliierten Kriegsverbrechergefängnis Spandau verbrachte. Seine langjährige Sekretärin Annemarie Kempf hatte als Zeugin durch positive Aussagen und gesammeltes Entlastungsmaterial versucht, das Urteil zu mildern. (Der sowjetische Vertreter der Anklage hatte auf Tod durch den Strang plädiert.)
Während seiner Gefangenschaft unterstützten ehemalige Mitarbeiter auf Initiative von Rudolf Wolters seine Ehefrau Margarete Speer und die Kinder finanziell. Speer wurde erst nach vollständiger Verbüßung der Haftstrafe (1966) entlassen, da die Sowjetunion eine vorzeitige Begnadigung ablehnte. Seine in dieser Zeit heimlich erstellten Aufzeichnungen über die Haft, den immer gleichen Tagesablauf und die Konflikte unter den Mitgefangenen wurden hinausgeschmuggelt und später unter dem Titel „Spandauer Tagebücher“ veröffentlicht. 1981 starb Speer während einer Interviewreise in London an den Folgen eines Schlaganfalls. Speer wurde an seinem letzten Wohnort, Heidelberg, beerdigt.
[Bearbeiten] Speers Beziehung zu Hitler
Speer selbst war schon bei der ersten Teilnahme an einer Kundgebung mit Hitler von ihm und seinen Visionen, Idealen, seiner intuitiven Anpassungsfähigkeit und seinem Charme beeindruckt. Speer sagte später über sich und Hitler: „Wenn Hitler Freunde gehabt hätte, dann wäre ich bestimmt einer seiner engen Freunde gewesen“.[7]
Hitler wiederum fand in Speer den Architekten, der ihm in kürzester Zeit mit seinem organisatorischen Talent Großbauwerke erstellen und mit dem er über Kunst philosophieren konnte. Vor allem schätzte er Speers Loyalität. Hitler war an der Kunst im Allgemeinen, vor allem aber an Architektur interessiert und gewährte Speer alle möglichen Mittel für seine Bauten, was wohl der Traum vieler Architekten ist (Zitat Speer: „Für einen großen Bau hätte ich wie Faust meine Seele verkauft. Nun hatte ich meinen Mephisto gefunden.“).[8] Speer hatte durchaus eigene Interessen und Ziele, die er als Architekt von Hitlers Bauideen noch am ehesten verfolgen konnte, so etwa die gigantomane Umgestaltung von Berlin in „die Welthauptstadt Germania“, ein Über-Rom und Über-Paris zugleich. Speer verkörperte das, was Hitler immer so gern gewesen wäre: Künstler und Visionär.
[Bearbeiten] Familie
Im Sommer 1922 hatte Speer die gleichaltrige Margarete („Margret“) Weber (1905–1987) kennengelernt, die aus einer Heidelberger Handwerkerfamilie stammte. Albert und Margret heirateten am 28. August 1928 in Berlin gegen den Willen von Speers Mutter, die die Schwiegertochter für „nicht standesgemäß“ hielt. Margret Speer brachte zwischen 1934 und 1942 sechs Kinder (Albert, Hilde, Margarete, Arnold, Fritz und Ernst) zur Welt. Einige von Albert Speers Kindern sind bekannte Persönlichkeiten. Sein Sohn Albert ist ebenfalls Architekt und wurde ein Stadtplaner von internationalem Rang. Seine Tochter Hilde Schramm ist Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Abgeordnete der Alternativen Liste im Berliner Abgeordnetenhaus, 1989/90 war sie ein Jahr lang dort Vizepräsidentin. 2004 erhielt sie für ihr Engagement in der Stiftung „Zurückgeben“ zugunsten künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeiten noch unbekannter jüdischer Frauen den Moses-Mendelssohn-Preis. Sein 1940 geborener Sohn Arnold erhielt zunächst den Taufnamen Adolf, was später geändert wurde.[9]
[Bearbeiten] Selbststilisierung
Speer arbeitete seit seiner Inhaftierung in Nürnberg und in Spandau daran, durch ebenso umfangreiche wie heimliche schriftliche Aufzeichnungen (die mit Hilfe korrupter Wachsoldaten nach draußen, zu seinem Freund Rudolf Wolters nach Coesfeld geschmuggelt wurden) sein durch den Nürnberger Prozess einigermaßen positives Image als unpolitischer Technokrat und fehlgeleiteter Idealist zu stabilisieren, und dabei alle negativen Punkte seiner Biographie (Förderung des KZ-Ausbaus, Vertreibung der Juden aus Berlin etc.) zu verschleiern. Besonders in seinen beiden überaus erfolgreichen Buchpublikationen, den Erinnerungen von 1969 und den Spandauer Tagebüchern von 1975 verfälscht er entscheidende Phasen seiner Tätigkeit im "Dritten Reich" teilweise ins Gegenteil und stellt sich selbst als von den Verbrechen des Regimes kaum wissenden Fachmann hin, der "nur seine Pflicht getan" habe.
In Speers Erinnerungen bilden die Jahre 1933 bis 1945 den Schwerpunkt, er stellt hier ausführlich sein angebliches Verhältnis zu Hitler dar. Speer setzt sich zwar mit seiner Rolle in der NS-Zeit kritisch auseinander und bestreitet auch nicht seine grundsätzliche Mitverantwortung, verschweigt aber nach Heinrich Schwendemann Wesentliches. An der veröffentlichten Textfassung der in den Spandauer Jahren vorbereiteten Autobiografie hatte im Auftrag von Wolf Jobst Siedler, dem damaligen Geschäftsführer des Ullstein Verlags, Joachim C. Fest als Ghostwriter mitgewirkt.[10] Dieses Buch zementierte über lange Zeit die „Speer-Legende“ vom "Gentleman-Nazi".
Gleichem Zweck dienten auch die Spandauer Tagebücher, die seine Zeit im engsten NS-Führungszirkel nocheinmal als Erinnerungseinsprengsel darstellen, innerhalb der Schilderung der Jahre seiner Gefangenschaft, die über weite Strecken eine billige Diffamierung der angeblichen Ticks und Idiotismen seiner Mitgefangenen (Baldur von Schirach, Rudolf Hess, Karl Dönitz, Raeder, Neurath, Walter Funk) darstellt, um ihn selber in besserem Licht dastehen zu lassen. Auch die Legende, er habe die "Neue Reichskanzlei" in weniger als 12 Monaten errichten lassen, wird in beiden Büchern wiederholt (und damit eine von der NS-Propaganda ersonnene Legende zur Untermauerung der angeblichen Effizienz des NS-Systems).[11]
Von beiden Büchern wurden mehrere hunderttausend Exemplare verkauft, für die Erinnerungen hatte Speer vom Ullstein-Verlag schon vorab einen Vorschuss von 100.000 DM erhalten.
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Monografien
- Albert Speer: Erinnerungen, Berlin, Ullstein 1969, 610 S., ISBN 3-549-07184-1
- Albert Speer: Spandauer Tagebücher, Propyläen 2002 [1975], ISBN 3-549-07158-2
- Albert Speer: Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzung mit der SS, Ullstein 1981, ISBN 3-421-06059-2
- Albert Speer: Die Kransberg-Protokolle 1945. Seine ersten Aussagen und Aufzeichnungen (Juni – September). Hrsg. von Ulrich Schlie. München, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung 2003, 480 S., ISBN 3-7766-2288-1
[Bearbeiten] Biografie
- Adelbert Reif: Albert Speer. Kontroversen um ein deutsches Phänomen, 1978
- Matthias Schmidt: Albert Speer. Das Ende eines Mythos. Bern, München, Scherz 1982
1. Neuauflage: Albert Speer. Das Ende eines Mythos. München, Goldmann 1983
2. Neuauflage: Albert Speer: Das Ende eines Mythos - Speers wahre Rolle im Dritten Reich, Geleitwort von Heinrich Breloer, Berlin, Netzeitung 2005, ISBN 3-938941-00-6 [12] - Gitta Sereny: Albert Speer - Das Ringen mit der Wahrheit und das deutsche Trauma. München, Kindler 1995, ISBN 3-463-40258-0
- Joachim Fest: Speer. Eine Biographie. Frankfurt a.M., Fischer 2001, ISBN 3-596-15093-0
- Heinrich Schwendemann: Albert Speer. Architekt des Todes. "Im Herbst 1944 stand NS-Rüstungschef Albert Speer auf dem Höhepunkt seiner Macht. Auch heute noch gern zum »verführten Bürger« umgelogen, gehörte Speer tatsächlich zu den brutalsten Führern des Regimes."[13]
- Margret Nissen unter Mitarbeit von Margit Knapp und Sabine Seifert: „Sind Sie die Tochter Speer?“ DVA, 2005, 250 S., ISBN 3-421-05844-X [14]
- Joachim Fest: Die unbeantwortbaren Fragen. Notizen über Gespräche mit Albert Speer zwischen Ende 1966 und 1981, Reinbek, Rowohlt 2005, 268 S., zahlr. Abb., ISBN 3-498-02114-1
- Heinrich Breloer: Unterwegs zur Familie Speer. Begegnungen, Gespräche, Interviews. Berlin, Propyläen 2005, 608 S., ISBN 3-549-07249-X
- Adam Tooze & Yvonne Badal (Übers.): Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im NS Siedler, München 2007 (zuerst engl. 2006) ISBN 978-3-88680-857-1, passim, insbes. S. 634 ff. Neuaufl. Bundeszentrale für politische Bildung BpB (Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung ; Bd. 663) ISBN 978-3-89331-822-3. Neuaufl. Pantheon, München 2008 ISBN 3-570-55056-7 (Rezension bzw. zusammenfassendes Interview siehe unter Weblinks, DIE ZEIT & Netzeitung)
[Bearbeiten] Architektur und Stadtplanung
- Joachim Petsch: Baukunst und Städteplanung im Dritten Reich. München, Hanser 1976, ISBN 3-446-12279-6
- Heinrich Schwendemann: "Drastic Measures to Defend the Reich at the Oder and the Rhine..." A forgotten Memorandum of Albert Speer of 18 March 1945, in: Journal of Contemporary History, 38. Jg., 2003, 597 - 614.
- Susanne Willems[15]: Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau. Berlin, Edition Hentrich 2002, ISBN 3-89468-259-0
- Lars Olof Larsson: Die Neugestaltung der Reichshauptstadt. Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin. Stuttgart 1978, ISBN 3-7757-0127-3
- Dietmar Arnold: Neue Reichskanzlei und "Führerbunker" - Legenden und Wirklichkeit. Berlin 2005, ISBN 978-3-86153-353-5
- Lars Olof Larsson, Ingolf Lamprecht: "Fröhliche Neugestaltung" oder: Die Gigantoplanie von Berlin 1937-1943. Albert Speers Generalbebauungsplan im Spiegel satirischer Zeichnungen von Hans Stephan. Kiel, Verlag Ludwig 2009, ISBN 978-3-937719-69-6
[Bearbeiten] Film
- „Speer und Er“, Buch und Regie: Heinrich Breloer, Dokudrama, Deutschland 2004
[Bearbeiten] Weblinks
-
Wikiquote: Albert Speer – Zitate -
Commons: Albert Speer – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien - Literatur von und über Albert Speer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Heinrich Schwendemann: „Architekt des Todes“, in: Die Zeit, Nr. 45, 28. Oktober 2004.
- „Volker Ullrich: Die Speer-Legende“, Rezension der Fest-Biographie, in: Die Zeit, Nr. 39, 1999 .
- „Speer und Er“, Website des WDR zu Heinrich Breloers vierteiligem Doku-Drama von 2004.
Biografien
- Gabriel Eikenberg: Kurz-Biografie beim Deutschen Historischen Museum in Berlin
- Albert Speer (1905-1981) von der Redaktion des Geschichtsportals shoa.de
- Rezension des grundlegenden Werks von Tooze in Die Zeit
- Interview mit Tooze über Speer und die Deutschen: 1. Teil, 2.Teil.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 590.
- ↑ a b Dietmar Arnold: Neue Reichskanzlei und „Führerbunker“ - Legenden und Wirklichkeit. 1. Auflage, Berlin 2005, S. 69
- ↑ a b c d Werner Durth, Niels Gutschow: Träume in Trümmern. Vieweg Friedr. + Sohn, 1988, ISBN 3-528-08706-4.
- ↑ Gitta Serenyi: Speer 1998, S. 358
- ↑ Gitta Sereny: Albert Speer: Sein Ringen mit der Wahrheit. Goldmann TB 15141, München 2001, ISBN 3-442-15141-4, S. S.484; zusammenfassend zur Kontroverse: Stefan Krebs/Werner Tschacher: Speer und Er. Und Wir? Deutsche Geschichte in gebrochener Erinnerung, In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 58 (2007) H.3, S. 163ff
- ↑ „Sonderprogramm Prof. Speer“, WDR 2005
- ↑ Speer, Erinnerungen, Propyläen 1969 / Ullstein 2003, Seite 517
- ↑ Speer, Erinnerungen, Propyläen 1969 / Ullstein 2003, Seite 44
- ↑ Vgl. Arnold / Reichskanzlei 2005, S. 151.
- ↑ Speers Erfindung: Wie die Legende um Hitlers Liebling entstand und welche Rolle Wolf Jobst Siedler und Joachim Fest dabei spielten Von Volker Ullrich | ZEIT online 4.5.2005
- ↑ Joachim Fest referiert diese Legende ein weiteres Mal ohne kritische Anmerkung in seinem Speer-Buch von 1999, obwohl schon seit 1982 die wahre Geschichte des Baus der Reichskanzlei (begonnen 1934, vorläufig fertiggestellt erst 1943) bekannt und publiziert war.
- ↑ Informations- und Bestellseite zur Neuauflage
- ↑ Die Zeit, 28. Oktober 2004
- ↑ Rezension von Schwendemann
- ↑ Susanne Willems / Herzlich Willkommen!
Weimarer Republik: Rudolf Wissell | Robert Schmidt | Ernst Scholz | Robert Schmidt | Johann Becker | Hans von Raumer | Joseph Koeth | Eduard Hamm | Albert Neuhaus | Rudolf Krohne | Julius Curtius | Paul Moldenhauer | Robert Schmidt | Hermann Dietrich | Ernst Trendelenburg | Hermann Warmbold | Ernst Trendelenburg | Hermann Warmbold
Zeit des Nationalsozialismus: Alfred Hugenberg | Kurt Schmitt | Hjalmar Schacht | Hermann Göring | Walther Funk | Albert Speer
Adolf Hitler (Reichskanzler, Reichspräsident, NSDAP) | Franz von Papen (parteilos) | Freiherr von Neurath (parteilos → NSDAP) | Joachim von Ribbentrop (NSDAP) | Wilhelm Frick (NSDAP) | Heinrich Himmler (NSDAP) | Graf Schwerin von Krosigk (NSDAP) | Alfred Hugenberg (DNVP) | Kurt Schmitt (NSDAP) | Hjalmar Schacht (parteilos) | Hermann Göring (NSDAP) | Walther Funk (NSDAP) | Franz Seldte (DNVP → NSDAP) | Franz Gürtner (DNVP) | Franz Schlegelberger (NSDAP) | Otto Georg Thierack (NSDAP) | Werner von Blomberg (NSDAP) | Wilhelm Keitel (parteilos) | Freiherr von Eltz-Rübenach (parteilos) | Julius Heinrich Dorpmüller (NSDAP) | Wilhelm Ohnesorge (NSDAP) | Richard Walther Darré (NSDAP) | Herbert Backe (NSDAP) | Joseph Goebbels (NSDAP) | Bernhard Rust (NSDAP) | Fritz Todt (NSDAP) | Albert Speer (NSDAP) | Alfred Rosenberg (NSDAP) | Hanns Kerrl (NSDAP) | Hermann Muhs (NSDAP) | Otto Meissner (NSDAP) | Hans Heinrich Lammers (NSDAP) | Martin Bormann (NSDAP) | Karl Hermann Frank (NSDAP)
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Göring | Heß | Bormann (Verbleib damals unbekannt) | v. Ribbentrop | Ley (Suizid vor Prozessbeginn) | v. Papen | Keitel | Jodl | Raeder | Dönitz | Kaltenbrunner | Speer | Sauckel | Schacht | Funk | Krupp v. Bohlen und Halbach (Prozessunfähig) | Frank | Seyß-Inquart | Rosenberg | v. Neurath | Frick | Streicher | Fritzsche | v. Schirach
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Speer, Albert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt und hoher Funktionär während der Zeit des Nationalsozialismus |
| GEBURTSDATUM | 19. März 1905 |
| GEBURTSORT | Mannheim |
| STERBEDATUM | 1. September 1981 |
| STERBEORT | London |