Albert Wolff (Bildhauer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bildnis Albert Wolff
Beilage zum Darmstädter Tagblatt, Nr. 22/1886

Albert Wolff (* 14. November 1815[1] in Neustrelitz; † 20. Juni 1892 in Berlin; vollständiger Name: Conrad Albert Carl Wolff) war ein deutscher Bildhauer mit einem Wirkungskreis im ganzen Deutschen Reich.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Albert Wolff wurde als Sohn des Ende des 18. Jahrhunderts nach Neustrelitz eingewanderten Bildhauers und Architekten Christian Philipp Wolff und der Neustrelitzer Forstbeamten-Tochter Maria Christiane Wilhelmine, geb. Siemers, in der Strelitzer Straße 15 in Neustrelitz geboren und am 19. November 1815 in der dortigen Hofgemeinde getauft.

Nach dem frühen Tod seines Vaters kam er 1831 – wie sein älterer Bruder bereits 1825 – nach Berlin in die Werkstatt des Freundes und Lehrgenossen seines Vaters Christian Daniel Rauch. Von diesem wurde er 1844 nach Carrara gesandt, um die Skulpturen für die oberste Terrasse des Schlosses Sanssouci in Marmor auszuführen. Nach fast zweijährigem Aufenthalt in Italien kehrte Wolff nach Berlin zurück und half Rauch am Friedrichs-Denkmal, war aber auch selbstständig tätig – beispielsweise erstellte er eine Porträtstatue der Gräfin Raczynska als Hygieia für einen Brunnen der Stadt Posen sowie ein Kruzifix mit Johannes und Maria in Marmor für die Kirche in Kamenz.

Nach abgeschlossener Ausbildung eröffnete Albert Wolff seine eigene Werkstatt. In der Folgezeit schuf er die Reliefs am National-Kriegerdenkmal im Invalidenpark zu Berlin, eine der Gruppen auf der Schlossbrücke (siehe unten) Der Krieger von Pallas in den Kampf geführt und die Kolossalstatuen der vier Evangelisten für die neue Schlosskirche in Neustrelitz in gebranntem Ton.

Für diese Art der Ausführung fertigte Wolff außerdem eine Menge Modelle, allegorische Statuetten, kleine Idealgestalten, monumentale Verzierungen etc., die weite Verbreitung fanden. Dahin gehören die allegorischen Figuren der Fakultäten für das Universitätsgebäude in Königsberg, die Kanzelfiguren für die Berliner Lukaskirche, die Statue Galileo Galileis für das Universitätsgebäude in Pest und die kolossale Skulptur Friedrich Wilhelms IV. für das Königstor in Königsberg.

Reiterstandbild für König Ernst August

In seinen Werken folgte Wolff den Überlieferungen der Rauchschen Schule bei vorwiegend idealistischer Auffassung. Wolff war ab 1866 Professor an der Akademie der Künste in Berlin[2] und bildete zahlreiche junge Bildhauer aus. Zu den begabtesten zählte Wilhelm Wandschneider, der seinen Lehrmeister als väterlichen Freund ansah und in dessen Familie verkehrte. Auch sein Sohn Martin Wolff arbeitete als Bildhauer. Zu seinen Schülern zählten Eugen Boermel und Karl Albert Bergmeier (1856–1897) sowie als Meisterschüler Johannes Boese. Im Jahr 1881 wurde er zum Ehrenmitglied der Dresdner Kunstakademie ernannt.[3]

Im Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag Albert Wolffs öffnet am 3. Mai 2014 eine Ausstellung in der Schlosskirche Neustrelitz.

Werksübersicht (Auswahl)[Bearbeiten]

Moses
Figurengruppe Der Krieger von Pallas Athene in den Kampf geführt auf der Berliner Schlossbrücke
Die Baukunst am Orangerieschloss
  • 1852–1855: Gemeinsam mit Heinrich Hesemann entstand das Grabmal für Ernst August im Welfenmausoleum im Berggarten von Herrenhausen.[4]
  • 1853: Die Figurengruppe Der Krieger von Pallas Athene in den Kampf geführt auf der Schloßbrücke in Berlin wurde nach Wolffs Entwurf in seinem Atelier gefertigt.
  • 1857–1863: Vor der Friedenskirche in Potsdam fand eine biblische Szene Platz, die in Wollfs Werkstatt angefertigt worden war: Moses, gestützt von Aaron und Hur, im Gebet für sein Volk im Kampf gegen die Amalekiter. Den Entwurf hatte Christian Daniel Rauch nach einer Skizze von Friedrich Wilhelm IV. geliefert.
  • 1861: Das Reiterstandbild für König Ernst August in Hannover
  • 1868: Albert Wollf entwarf die Figur Die Baukunst für den Mittelbau des Orangerieschlosses in Potsdam. Die Ausführung übernahm Eduard Stützel, aufgestellt wurde die Skulptur 1871.
  • 1871: das mit mehreren Sockelfiguren versehene Reiterstandbild des Königs Friedrich Wilhelms III. von Preußen, das bis ca. 1944 im Lustgarten in Berlin stand und dann zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurde.
  • 1894/1895: Bronzegruppe Löwe seine Jungen gegen eine Riesenschlange verteidigend
    Im Juni 1895 wurde das Ensemble auf dem Schmuckplatz vor dem Kriminalgerichtsgebäude Moabit aufgestellt. Im 20. Jahrhundert erfolgte eine Umsetzung zu dem Gerichtsneubau in der Wilsnacker Straße.[5]

Seine übrigen Hauptwerke sind: die Gruppe eines Löwenkämpfers in Erz auf der einen Treppenwange des Alten Museums in Berlin, die Statue des Großherzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin (in Ludwigslust), das Bronzerelief mit dem Einzug der siegreichen Truppen 1871 am Sockel der Siegessäule in Berlin und die Marmorgruppe eines Bacchus mit Panther in der Alten Nationalgalerie Berlin. Der Bestandskatalog der Nationalgalerie von 2006 nennt insgesamt 13 seiner Werke.

Schriftstücke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Arthur Lier: Wolff, Albert. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 44, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 7 f.
  • Thieme, Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Bd. 36. Leipzig 1947, S. 189–190.
  • Jutta von Simson: Der Bildhauer Albert Wolff, Berlin 1982, ISBN 3-7861-1289-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albert Wolff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Datum kirchenbuchamtlich bestätigt! Geboren nicht: 14. November 1814, wie vielfach in der Literatur angegeben.
  2. Wolff, Albert. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1868, Teil 1, S. 717. „Senatsmitglied der Akademie der Künste; Münzstraße“.
  3. Archiv der Hochschule für bildende Künste Dresden
  4. Helmut Knocke: Mausoleum (Welfenmausoleum). In: Stadtlexikon Hannover, S. 433
  5. Hans-Werner Klünner: Berliner Plätze. Photographien von Max Missmann. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 1996, ISBN 3-87584-610-9. S. 17