Albion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Albion (Begriffsklärung) aufgeführt.

Albion (bei Ptolemäus Ἀλουίων, Alouion) ist ein antiker Name für die Britischen Inseln oder Großbritannien, obwohl der Begriff meist auf England bezogen wird. Der Begriff wird auch neuzeitlich vor allem dichterisch für England benutzt.

Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs, wobei die Römer ihn von den Kreidefelsen von Dover ausgehend mit lateinisch albus („weiß“) verbanden und A. Holder (Alt-Keltischer Sprachschatz, 1896) ihn schlicht mit Weißland übersetzte. Ein entsprechendes keltisches Wort für „weiß“ ist allerdings nicht bekannt, was diese Ableitung problematisch erscheinen lässt. Eine weitere Möglichkeit wäre die erschlossene keltische Wurzel *albio- („Welt“, „Land“). Auf eine dieser Versionen gehen wohl auch die Alpen und Alba, das schottisch-gälische Wort für Schottland, auf irisch Albain, zurück.[1]

Die frühen Geschichtsschreiber (6. Jahrhundert v. Chr.) benutzten den Namen Britannia nicht und sprachen stattdessen von nesos 'Iernon kai 'Albionon (Insel der Ierni und Albiones). Pytheas von Massalia (4. Jahrhundert v. Chr.) sprach folglich von Albion und 'Ierne. Begründet auf der Tatsache, dass es an der nördlichen Küste Spaniens bei Asturien einen Stamm namens Albiones gab, hatten auch manche Gelehrte Albion in dieser Gegend angesiedelt (G. F. Unger, Rhein. Mus. xxxviii, 1883, S. 156–196). Von späteren Gelehrten des klassischen Altertums wie Plinius der Ältere (Naturgeschichte 4,102) und Ptolemäus wurde der Name Albion aufgegriffen.

Perfides Albion[Bearbeiten]

Der stehende Ausdruck „perfides Albion“ (engl. perfidious Albion, frz. la perfide Albion) für die angebliche Hinterhältigkeit der englischen Außenpolitik stammt aus dem 1793 verfassten Gedicht „L'Ère des Français“ des französischen Dichters und Dramatikers Augustin Louis de Ximénès (1728–1817), taucht früher aber auch schon bei Jacques-Bénigne Bossuet auf. Die formelhafte Wendung übernahmen später François-René de Chateaubriand, Gustave Flaubert, Théodore de Banville, Edmond und Jules de Goncourt, Anatole France und Christophe. Im Zuge einer groß angelegten Rekrutierungskampagne Napoleons I. wurde er 1813 zum geflügelten Wort. Im deutschen Sprachraum wurde der Ausdruck insbesondere in der wilhelminischen Zeit – im Zeichen zunehmender deutsch-britischer Spannungen – häufig verwendet.

Man bezog sich dabei auf verschiedene historische Ereignisse:

  • Während des Hundertjährigen Kriegs töteten 1415 bei der Schlacht von Azincourt die Briten unter umstrittenen Umständen bereits gefangene französische Ritter.
  • Vor Beginn des Siebenjährigen Krieges kaperten im Jahre 1755 die Briten ohne Kriegserklärung oder diplomatische Note 300 französische Handelsschiffe und inhaftierten 6000 Seeleute.
  • 1801 zerstörte Hyde Parker zusammen mit Nelson ohne Kriegserklärung die dänische Flotte in der Seeschlacht von Kopenhagen.
  • 1908 empfahl Lord Fisher König Eduard VII., „die deutsche Flotte zu kopenhagisieren“. Nach Admiral Bacon „nahm Fisher an, dass Deutschland, wenn es sein Flottenprogramm (…) beendet hätte, uns angreifen würde; und zwar im September oder Oktober 1914 wegen der dann erfolgten Fertigstellung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (…). Die Wiederholung von Kopenhagen 1801 wäre deshalb empfehlenswert: ‚Warum sollten wir warten und Deutschland den Vorteil der Festlegung des Angriffszeitpunktes geben?‘“ Der König antwortete ihm, dass diese Vorstellung allgemeinem Recht widerspräche.
  • im Zweiten Weltkrieg nach der Zerstörung der verbündeten französischen Flotte in Mers el Kébir; die Briten wollten mit dem völkerrechtswidrigen Angriff verhindern, dass die Flotte im Sinne Deutschlands verwendet werden könne.

Auf die Tradition dieses Begriffes in französisch-englischen diplomatischen Auseinandersetzungen hat sich wieder am 15. Dezember 2011 Nick Clegg bezogen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernhard Maier: Kleines Lexikon der Namen und Wörter keltischen Ursprungs. S. 21 f.
  2. "There is nothing more popular in French politics – it has always been the case and it will always be so – than giving 'perfidious Albion' a good kicking from time to time. At the end of the day, France and Britain have always worked out it is better to work together rather than shout at each other across the channel." Patrick Wintour: Clegg vows to return Britain to heart of Europe and the single-market debate The Guardian, 16. Dezember 2011