Albrecht Brandi

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Albrecht Brandi (* 20. Juni 1914 in Dortmund; † 6. Januar 1966 in Köln[1]) war ein deutscher Marineoffizier in der Kriegsmarine und einer von 27 Inhabern des Eichenlaubs mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Insgesamt versenkte er neun Handelsschiffe mit 29.339 BRT sowie drei Zerstörer bzw. Kreuzer mit insgesamt 5.000 ts.

Vorkriegsjahre[Bearbeiten]

Brandi trat am 1. April 1935 als Seeoffiziersanwärter der Kriegsmarine bei und wurde dort der II. Abteilung der Schiffstammabteilung der Ostsee in Stralsund zugeteilt. Dort bekam er seine infanteristische Grundausbildung, die er am 25. September 1935 mit seiner Ernennung zum Seekadetten abschloss. Anschließend absolvierte Brandi vom 26. September 1935 bis 19. Juni 1936 seine Bordausbildung auf dem Segelschulschiff Gorch Fock und dem Leichten Kreuzer Karlsruhe. Danach begann er am 20. Juni 1936 an der Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik den Hauptlehrgang für Fähnriche. Vom 1. April 1937 bis 1. Oktober 1937 absolvierte Brandi diverse Fähnrichswaffenlehrgänge, wobei er am 1. Juli 1937 zum Fähnrich zur See ernannt wurde. Am 2. Oktober 1937 wurde er III. Wachoffizier an Bord des Minensuchboots M 125. Diese Dienststellung hatte er bis zum 1. Oktober 1937 inne. Am 2. Oktober 1937 wurde er Wachoffizier auf dem Minensuchboot M 1, wo er am 1. Januar 1938 seine Beförderung zum Oberfähnrich zur See und. am 1. April 1938 die zum Leutnant zur See erlebte.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Feindfahrten

U 552

  1. 25. Dezember 1941 bis 27. Januar 1942 (als Kommandantenschüler)

U 617

  1. 29. August 1942 bis 7. Oktober 1942 (4 Schiffe mit 15.079 BRT versenkt)
  2. 2. November 1942 bis 28. November 1942
  3. 21. Dezember 1942 bis 17. Januar 1943 (3 Schiffe mit 6.996 BRT versenkt)
  4. 27. Januar 1943 bis 13. Februar 1943 (2 Schiffe mit 7.264 BRT versenkt + 1 Kreuzer mit 2.650 ts)
  5. 25. März 1943 bis 17. April 1943
  6. 31. Mai 1943 bis 20. Juli 1943
  7. 28. August 1943 bis 12. September 1943 (1 Zerstörer mit 1.050 ts versenkt)

U 380

  1. 20. Dezember 1943 bis 21. Januar 1944

U 967

  1. 11. April 1944 bis 17. Mai 1944 (1 Zerstörer mit 1.300 ts versenkt)

Auf M 1 war Brandi unter dem Kommandanten Hans Bartels beim Polenfeldzug an der Deckung der Operation gegen die polnische Westerplatte bei Danzig beteiligt, dann in den frühen Morgenstunden des 24. Februar 1940 im Gebiet der Doggerbank auch an der ohne Warnung vorgenommenen Versenkung der vier in Esbjerg beheimateten dänischen Fischkutter Ejjam (E 92), Gerlis (E 456), Merkator (E 348) und Polaris (E 504) durch Rammen. Bartels meldete seinen Vorgesetzten, dass "aus militärischen Gründen" von den Kutterbesatzungen niemand gerettet wurde; 16 Fischer aus dem damals neutralen Dänemark verloren ihr Leben.[2][3][4]

Am 25. Mai 1940 wurde er dann, als Nachfolger von Hans Bartels, Kommandant des Bootes und kam in dieser Zeit das erste Mal bei der Sicherung von Überführungsfahrten von U-Booten von ihren Werften mit diesem Schiffstyp in Kontakt. Im April 1941 erfolgte, nach einer zuvor erteilten Versagung, sein Übertritt zur U-Boot-Waffe. Hier begann er noch im selben Monat eine U-Bootsausbildung an der Marineschule Mürwik, die er am 24. Dezember 1941 abschloss.

Am 25. Dezember 1941 wurde Brandi Kommandantenschüler auf U 552 unter dem Kommando von Erich Topp, mit dem er vom 25. Dezember 1941 bis 27. Januar 1942 seine erste Feindfahrt unternahm. Danach verließ Brandi U 552 und wurde am 28. Januar 1942 zur Baubelehrung für U 617 delegiert, dessen Kommandant er am 9. April 1942 wurde. Die Übernahme des Bootes erfolgte dabei in Kiel. Schon auf der anschließenden Überführungsfahrt nach St. Nazaire konnte das Boot vier feindliche Schiffe versenken. Im November 1942, inzwischen am 1. Oktober 1942 zum Kapitänleutnant befördert, beschädigte Brandi auf einer weiteren Feindfahrt einen Zerstörer und versenkte ein Schiff. Auf Grund neuer Befehle brach er dann durch die Straße von Gibraltar, wobei er von einem britischen Marineflugzeug und Sicherungsschiffen angegriffen wurde. Jedoch konnte U 617 unbeschädigt diese schwierige Passage meistern. Von November 1942 bis September 1943 war Brandi in Toulon und La Spezia im Mittelmeer stationiert. Bei einer Feindfahrt Ende 1942 kam es zu einem Zusammentreffen mit einem britischen U-Boot. Nach einer dreistündigen, gegenseitigen Belauerung tauchte Brandi ab und setzte seine Feindfahrt fort. Bei seiner Rückkehr erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 21. Januar 1943.

Auf der nächsten Feindfahrt versenkte er den britischen Minenleger HMS Welshman, der für die Verteidigung Maltas wichtig war. Für die darauf folgende Versenkung des Zerstörers HMS Puckeridge wurde Brandi mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Während der Feindfahrt sichtete er auch die beiden britischen Flugzeugträger HMS Illustrious und HMS Formidable, konnte sie jedoch auf Grund einer schlechten Schussposition nicht angreifen. Am 11. September 1943 wurde sein U-Boot von britischen Flugzeugen des 179. Squadrons so schwer beschädigt, so dass Brandi den Befehl zur Selbstversenkung nahe der spanischen Küste geben musste. Teils in Schlauchbooten, teils schwimmend erreichte Brandis Mannschaft die Küste, wo sie von spanischen Truppen aufgegriffen und in Cádiz interniert wurden. Brandi und seine Mannschaft kehrten im November 1943 nach Deutschland zurück.

Im Dezember 1943 wurde Brandi zum Kommandanten von U 380 ernannt, mit dem er jedoch nur zu einer Feindfahrt ohne Erfolg auslief. Am 11. März 1944 wurde U 380 am Liegekai in Toulon durch einen Luftangriff der 15. USAAF zerstört. Anschließend übernahm Brandi im April 1944 das Kommando von U 967. Nach Abschluss zweier Feindfahrten erhielt er die Schwerter zum Ritterkreuz. Zuvor war er am 8. Juni 1944 zum Korvettenkapitän ernannt worden. Eine Erkrankung zwang Brandi zu einer Kur bis September 1944, so dass er das Kommando über U 967 abgeben musste. Nach seiner Genesung wurde Brandi mit der Leitung der U-Boot-Kampfverbände in der Ostsee beauftragt und erhielt für seine Leistungen die Brillanten zum Ritterkreuz verliehen. Die Marine stellte bis zu diesem Zeitpunkt lediglich zwei der bis dahin 22 mit den Brillanten ausgezeichneten Soldaten der Wehrmacht. Mit der Verleihung an Brandi sollte die Motivation der U-Boot-Fahrer gesteigert werden. Im Januar 1945 erfolgte seine weitere Verwendung als Chef der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine im holländischen Raum, wo er ab 3. Februar 1945 als Divisionskommandeur der 5. K-Division der Kleinst-U-Boote vom Typ Seehund mit Gefechtsstand in IJmuiden (Holland) fungierte und gleichzeitig als Lehrkommandeur des Lehrkommandos 300, das für die Ausbildung der künftigen Seehundbesatzungen verantwortlich zeichnete. Am 6. Mai 1945 kapitulierte Brandi mit seiner Einheit vor den kanadischen Streitkräften in IJmuiden. Kurz darauf wurde er Kommandant des nahen Kriegsgefangenenlagers in IJmuiden. Im September 1945 erfolgte seine Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg absolvierte Brandi die Gesellenprüfung als Maurer, um sich für seinen darauffolgenden Beruf des Architekten vorzubereiten. Er wurde auf der Essener Staatsbauschule aufgenommen und machte sich 1950 als Architekt selbstständig. In dieser Funktion arbeitete er in verschiedenen Ländern, unter anderem auch in Saudi-Arabien. Drei Jahre lang war er Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Dortmund. Brandi engagierte sich im Rotary Club und war von 1964 bis zu seinem Tode Vorsitzender des Kreises Westfalen. 1966 starb Brandi überraschend. Bei seiner Beerdigung waren Vertreter der Bundesmarine und etliche Besatzungsmitglieder der U-Boote unter seinem Kommando anwesend.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Busch und Hans-Joachim Röll: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe von 1939 bis Mai 1945. Band 5 aus Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Verlag E.S. Mittler & Sohn 2003; ISBN 3-8132-0515-0; S. 308–314
  • Franz Kurowski: Albrecht Brandi. In: Franz Kurowski: Jäger der sieben Meere. Die berühmtesten U-Boot-Kommandanten des II. Weltkriegs. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998 (2. Auflage), Seiten 367-382. ISBN 3-613-01633-8. (Biographisches, Darstellung der Feindfahrten)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 239
  2. Hans Bartels: Gefechtsbericht über die Versenkung von vier dänischen Fischkuttern
  3. http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/40-02.htm
  4. http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/schiffbruechige.htm#240240