Albrecht von Roon

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Albrecht von Roon
Anna Roon, geb. Rogge
Otto von Bismarck, Albrecht von Roon, Helmuth von Moltke (von links nach rechts)
Porträt Roons von Gustav Graef
Denkmal für Roon am Großen Stern in Berlin
Schloss Gütergotz bei Potsdam nach den von Roon veranlassten Umbauten, November 2009
Schloss Krobnitz, Roons Alterssitz

Albrecht Theodor Emil von Roon, ab 1871 Graf (* 30. April 1803 in Pleushagen bei Kolberg; † 23. Februar 1879 in Berlin), war ein preußischer Generalfeldmarschall und als Politiker ein Mitarbeiter Otto von Bismarcks in der Zeit der Reichsgründung von 1871.

Leben[Bearbeiten]

Albrecht war der Sohn von Heinrich Friedrich von Roon (* 17. Oktober 1768 in Berlin; † 1809), preußischer Sekondleutnant a.D., Braunschweiger Kammerjunker sowie Herr auf Pleushagen und dessen Ehefrau Ulrike Johanna Albertine, geborene von Borke, verwitwete Schmid von Schmieden (* August 1773 in Schwochow; † 1823 in Friedensburg).[1][2]

Militärkarriere[Bearbeiten]

Roon lebte nach dem Tode des Vaters seit 1811 in Stettin, kam 1816 in die Kadettenanstalt der Preußischen Armee in Kulm und 1819 in die Hauptkadettenanstalt in Berlin. Ab dem 9. Januar 1821 war er Sekondleutnant im 14. Infanterie-Regiment. 1824 bis 1827 besuchte er die Allgemeine Kriegsschule in Berlin und Universitätsveranstaltungen des Geografen Carl Ritter sowie des Historikers Friedrich von Raumer. 1833 arbeitete er als Geograf für das topographische Büro des Großen Generalstabs, in den er 1836 im Rang eines Hauptmanns eintrat. Im selben Jahr heiratete er Anna Rogge, die ältere Schwester von Bernhard Rogge. Seine als Schüler Ritters veröffentlichten Arbeiten hatten den Ruf von Standardwerken. In den Jahren 1846 bis 1848 unterrichtete Roon den Prinzen Friedrich Karl und begleitete ihn während des Studiums in Bonn und auf mehreren Reisen in Deutschland, Frankreich und Italien.

Im Sommer 1849 diente Roon als Chef des Generalstabs des Ersten der beiden von Preußen zur Niederschlagung der Revolution in der Pfalz und in Baden aufgestellten Armeekorps unter Generalleutnant Moritz von Hirschfeld. Während des Feldzugs machte er die Bekanntschaft des Prinzen Wilhelm von Preußen, zu dessen ideellem Kreis er von nun an gehörte. Roon wurde an wechselnden Stellen im Generalstab und im Truppendienst eingesetzt. Im Jahr 1851 folgte die Beförderung zum Oberst, 1856 die Ernennung zum Generalmajor und 1858 die zum Kommandeur der 14. Division, immer verbunden mit Versetzungen in verschiedene Regionen der preußischen Monarchie.

Auf Anregung des Prinzen Wilhelm hatte Roon, zurückgezogen in Kolberg, im Sommer 1858 eine Denkschrift zu Fragen der Modernisierung des preußischen Kriegswesens verfasst. Sie fiel ganz im Sinne Bismarcks und des Prinzen im heraufziehenden preußischen Verfassungskonflikt aus. Roon wurde daraufhin 1859, nach dem Beginn der Regentschaft Wilhelms, in die Kommission zur Reorganisation des Heeres berufen und im Dezember 1859 zum Kriegsminister (und 1861 zum Marineminister) ernannt. Als fraktionsloser Abgeordneter im preußischen Abgeordnetenhaus, dem er in den Jahren 1859 bis 1860 und 1863 bis 1870 angehörte, verteidigte Roon die Heeresreform gegen die Mehrheit kompromisslos und rhetorisch gewandt.[3]

Als Wilhelm, inzwischen König von Preußen, im Kampf um die Heeresreform aufgeben wollte, sandte Roon an Bismarck am 18. September 1862 ein denkwürdiges Telegramm mit dem Satz: „Periculum in mora. Dépêchez-vous!“ („Gefahr im Verzug! Beeilen Sie sich!“). Das Telegramm veranlasste Bismarck, von seinem Pariser Botschafterposten nach Berlin zurückzukehren, wo der König ihn zum Ministerpräsidenten ernannte.

An Bismarcks Seite führte Roon anschließend gegen eine starke liberale Opposition die Modernisierung des Heeres durch. In der deutschen Öffentlichkeit stieg Roons Ansehen wie das Bismarcks und Moltkes, als sich seit 1864 in den Kriegen gegen Dänemark und Österreich Erfolge in der Lösung der Deutschen Frage durch Blut und Eisen bemerkbar gemacht hatten. Der Preußische Landtag bewilligte ihnen Dotationen.

Der König erhob Roon am 16. Juni 1871 für seine Verdienste um die siegreichen Einigungskriege in den preußischen Grafenstand und berief ihn 1872 als lebenslängliches Mitglied ins Herrenhaus. Der Reichstag, dessen Vorgänger, dem Norddeutschen Reichstag, Roon als Mitglied der konservativen Fraktion für den Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow bis 1868 angehört hatte, sprach ihm eine Dotation von 300.000 Talern zu.

Vom 1. Januar bis 9. November 1873 leitete Roon das Preußische Staatsministerium. Es kam jedoch infolge der auch aus gesundheitlichen Gründen offenkundigen Überforderung Roons im Amt des preußischen Ministerpräsidenten während des Kulturkampfes nicht zu der erhofften Entlastung Bismarcks als Reichskanzler. Zur erbetenen Verabschiedung am 9. November 1873 ernannte ihn Kaiser Wilhelm I. zum Generalfeldmarschall.

Roon hatte 1868 das Schloss Gütergotz bei Potsdam erworben, es verschönert und den Park neu angelegt.[4] Nach seinem Abschied verkaufte er das Anwesen und zog sich auf das Schloss Neuhof bei Coburg in Franken zurück.[5] In Niederschlesien kaufte er das Schloss Krobnitz. Dort, unweit von Görlitz, verbrachte Roon seine letzten Lebensjahre und fand in der Familiengruft seine letzte Ruhe.[6]

Familie[Bearbeiten]

Roon verheiratete sich 1836 in Groß Tinz bei Liegnitz mit Anna Rogge (1818–1885). Sie war die Tochter des preußischen Militärpfarrers Wilhelm Rogge (1790–1870) und dessen Ehefrau Auguste Wolfram. Sein Schwager Bernhard Rogge (1831–1919) war Hofprediger und wurde 1906 Ehrenbürger von Potsdam. Roon hatte folgende Kinder:

  • Waldemar (1837–1919) ∞ Magdalena von Blanckenburg (1845–1915), Tochter des Moritz von Blanckenburg (1815–1888)
  • Arnold (1840–1906) ∞ Helene von Langenbeck (1848–1907), Tochter des Bernhard von Langenbeck (1810–1887)
  • Elisabeth (1842–1908) ∞ Heinrich von Brauchitsch (1831–1916)
  • Hedwig (1843–1927) ∞ Eugen von Wißmann (1841–1912), preußischer Rittmeister
  • Wilhelm (1844–1890) ∞ Emmy (Wally) Karoline Helene Amalie von Zeschau (* 1857), Tochter des Hugo Balthasar von Zeschau (* 1826)

Ehrungen[Bearbeiten]

Neben der Standeserhöhung zeichnete der preußische König Roon mit den höchsten Orden aus: dem Schwarzen Adlerorden mit Kette, dem Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern und mit Schwertern am Ring sowie am 28. Oktober 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges mit dem Pour le Mérite.

Nach ihm wurde durch Wilhelm II. in seiner Eigenschaft als König von Preußen im Jahre 1889 das Füsilier-Regiment „Graf Roon“ (Ostpreußisches) Nr. 33 benannt, dessen Chef er seit dem 23. April 1864 gewesen war. Außerdem wurde der 1903 vom Stapel gelaufene Große Kreuzer SMS Roon und, damit verbunden, die Roon-Klasse nach ihm benannt.

Die Deutsche Burschenschaft hat ihn durch den Bildhauer Selmar Werner im Burschenschaftsdenkmal in Eisenach (1902 fertiggestellt) mit einer Statue geehrt.

Die Stadt Görlitz ließ 1902 durch den Bildhauer Harro Magnussen im Neubau der Ruhmeshalle eine Statue Roons errichten (1945 von polnischen Soldaten anlässlich der Inbesitznahme des östlich der Neiße gelegenen Gebäudes entfernt).

Ein größeres Roon-Denkmal schuf Magnussen 1904 für das Ensemble auf dem Königsplatz in Berlin. Es steht seit 1938 am Großen Stern.

Eine Insel im Spitzbergen-Archipel heißt Roonøyane,[7] ein Gletscher Roonbreen.[8]

In zahlreichen deutschen Städten gibt es nach Roon benannte Straßen.

Werke[Bearbeiten]

  • Grundzüge der Erd-, Völker- und Staatenkunde. 1832, 1839–1844 erweitert auf 3 Bände
  • Die Anfangsgründe der Erd-, Völker- und Staatenkunde. Berlin 1834.
  • Militärische Länderbeschreibung von Europa. Berlin 1837.
  • Die iberische Halbinsel. 1837.
  • Das Kriegstheater zwischen Ebro und Pyrenäen. Berlin 1839.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albrecht Graf von Roon – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum, Band 7, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o.J., S. 223
  2. Albrecht von Roon bei geneanet.org
  3. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 327 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  4. Schloss Gütergotz in der Sammlung Duncker: www.zlb.de – Digitale Sammlung (PDF; 343 kB)
  5. Auf Schloss Neuhof befindet sich gegenwärtig eine sozialtherapeutische Einrichtung für Suchtkranke, siehe www.schlossneuhof.de – Historie
  6. Finden Sie ein Stück Preußen in Sachsen, abgerufen am 8. August 2012
  7. Roonøyane. In: The Place Names of Svalbard. Norsk Polarinstitutt, Oslo 2001 (Erstausgabe 1942), ISBN 82-90307-82-9 (englisch/norwegisch).
  8. Roonbreen. In: The Place Names of Svalbard. Norsk Polarinstitutt, Oslo 2001 (Erstausgabe 1942), ISBN 82-90307-82-9 (englisch/norwegisch).