Albtal-Verkehrs-Gesellschaft

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Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH
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Basisinformationen
Unternehmenssitz Karlsruhe
Webpräsenz AVG
Bezugsjahr 2011
Eigentümer 100% Stadt Karlsruhe
Geschäftsführung

Stefanie Haaks (kaufmännische Geschäftsführerin)
Christian Höglmeier (technischer Geschäftsführer)

Betriebsleitung Reinhard Rothfuß (Bereich Eisenbahn)
Verkehrsverbund KVV und benachbarte Verbünde
Mitarbeiter 638[1]
Umsatz 138,7 Mio. €[1]dep1
Linien
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stadtbahn 10
Anzahl Fahrzeuge
Straßenbahnwagen 5 Niederflur
2 Hochflur
Stadtbahnwagen 86 Mittelflur Zweisystem
14 Hochflur Zweisystem
27 Stadtbahn Einsystem
Omnibusse 31 Gesamt
1 Gelenkbus
6 Reisebusse
Sonstige Fahrzeuge 8 Dieselloks
1 Dieseltriebwagen
Statistik
Fahrgäste 69,8 Mio.
Fahrleistung Bahn 18,1 Mio. km
Bus 4,3 Mio. km
Länge Liniennetz
Stadtbahnlinien 500,9 km
Buslinien 409,5 km

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG) ist ein Verkehrsunternehmen, das Schienenverkehr und Omnibusverkehr betreibt. Sie gehört zu 100 Prozent der Stadt Karlsruhe und betreibt den Stadtbahn- und einen Teil des Omnibusverkehrs in der Region Karlsruhe und über deren Grenzen hinaus, sowie Güterverkehr auf der Schiene. Ferner betreibt sie ein Reisebüro und baut und unterhält einen Teil der von ihr befahrenen Eisenbahnstrecken.

Die AVG ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Unternehmensentwicklung[Bearbeiten]

Die AVG wurde 1957 gegründet, um die Albtalbahn und die Bahnstrecke Busenbach–Ittersbach zu übernehmen. Seit 1957 betreibt sie diese Eisenbahnstrecke, baute sie zwischen 1957 und 1966 von Schmalspur auf eine elektrische Normalspurstrecke aus und verknüpfte sie mit dem Karlsruher Straßenbahnnetz. Seit 1975 konnte sie durch den Neubau von Eisenbahnstrecken, die Nutzung vorhandener Eisenbahnstrecken der DB sowie die Übernahme bestehender Eisenbahnstrecken ihre Aktivitäten weiter ausdehnen und ein Stadtbahnsystem in der Region Karlsruhe aufbauen. Die AVG erbringt in diesem Zusammenhang auch Straßenbahnleistungen in Karlsruhe und Heilbronn. Durch die kontinuierliche Erweiterung des Streckennetzes und Verdichtung der Fahrpläne stiegen auch die Fahrgastzahlen an: von ca. 6 Millionen Fahrgästen im Jahr 1960 über 8,1 Millionen (1985), 19 Millionen (1990), 32,8 Millionen (1996) auf 70 Millionen im Jahr 2009.

Von Anfang an bestand eine enge Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), die sich in einer gemeinsamen Verwaltung, der Nutzung gemeinsamer Werkstätten und einem gemeinsamen Fahrzeugpool ausdrückt. Seit den 1980er Jahren hat sich folgende Arbeitsteilung zwischen beiden Verkehrsunternehmen herausgebildet: während die VBK für den Betrieb der innerstädtischen Straßenbahn- und Busverbindungen in Karlsruhe zuständig ist, betreibt die AVG als Eisenbahnunternehmen den regionalen Schienenverkehr. Im Zuge der Ausdehnung des Streckennetzes ergaben sich darüber hinaus Kooperationen mit der Deutschen Bahn sowie den Stadtwerken Heilbronn.

Neben dem Ausbau des Stadtbahnnetzes in den Regionen Karlsruhe und Heilbronn betätigt sich die AVG auch im Schienen-Güterverkehr. Hierbei steht die Bedienung der eigenen Strecken (Albtalbahn, Murgtalbahn, Kraichtalbahn, Kraichgaubahn) sowie verschiedener Gleisanschlüsse im Raum Karlsruhe im Vordergrund, ferner transportiert die AVG Müllzüge zwischen Bruchsal und Mannheim. Im Jahr 2009 wurden 410 Tausend Tonnen Fracht befördert. Im schienengebundenen Güterfernverkehr ist die AVG bisher nicht aktiv geworden. Den Güterverkehr auf der Straße hat die AVG inzwischen aufgegeben.

Um Streckenausbau und Betrieb der Stadtbahnverbindungen möglichst reibungsfrei zu gestalten, versucht die AVG die von ihr bedienten Strecken zu übernehmen oder langfristig von der Deutschen Bahn zu pachten. So konnte sie 1986 die Betriebsführung auf der Hardtbahn von der Deutschen Bundesbahn übernehmen und die Strecke 2001 erwerben. 1994 erwarb sie die Nebenbahn BruchsalMenzingen/Odenheim von der SWEG. Langfristig pachten konnte sie die Kraichgaubahn im Jahr 1996, die Enztalbahn und die Murgtalbahn im Jahr 2000. Ferner übernahm die AVG die drei nicht elektrifizierten Stichstrecken Maulbronn Stadt–Maulbronn West (1999), RastattWintersdorf und Hinterweidenthal–Bundenthal-Rumbach (2007), um sie vor der Stilllegung zu bewahren. Insgesamt betreibt die AVG als Eisenbahninfrastrukturunternehmen eigene und gepachtete Strecken mit einer Länge von 284,6 Kilometer.[2]

Karlsruher Modell[Bearbeiten]

Streckennetz der AVG

Die AVG ist vor allem bekannt geworden durch die modellhafte Einführung eines Zweisystem-Stadtbahnverkehrs als bundesweit erstes Unternehmen („Karlsruher Modell“). Die Züge fahren als S- oder Regionalbahnen von entfernten Orten nach Karlsruhe, wo sie die Innenstadt als Straßenbahn durchqueren, um anschließend wieder als S- oder Regionalbahn das Umland zu bedienen. Dabei erfolgte erstmals der Systemwechsel von einer Eisenbahn zu einer Straßenbahn im gleichen Fahrzeug, das für beide Systeme ausgerüstet werden musste. Die Fahrgäste ersparen sich so das Umsteigen zwischen Zug und Straßenbahn.

1992 wurde eine Straßenbahnstrecke aus der Stadt Karlsruhe heraus unter Nutzung der bestehenden Eisenbahninfrastruktur in das Umland nach Bretten verlängert. Die Stadtbahnfahrzeuge vom Typ GT8-100C/2S und GT8-100D/2S-M fahren dabei mit zwei Stromsystemen: im Karlsruher Straßenbahnnetz mit 750 Volt Gleichspannung und nach dem Übergang auf elektrifizierte Eisenbahnstrecken mit 15 kV, 16,7 Hertz Wechselspannung. Neben den unterschiedlichen Stromsystemen sind auch Unterschiede bei der Sicherheitstechnik, Spurkränzen, Funk etc. zu berücksichtigen.

In Karlsruhe sind inzwischen 121 Zweisystemwagen im Einsatz. Vier davon gehören der DB Regio und werden von ihr als Baureihe 450 geführt. Heute ist das so genannte Karlsruher Modell (im Ausland auch Tram-Train genannt) wegen des enormen Fahrgastzuwachses Vorbild für viele andere Städte im In- und Ausland, die ein Stadtbahnsystem auf Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken planen oder bereits umgesetzt haben (z. B. Saarbrücken und Kassel).

Linien[Bearbeiten]

Die AVG betreibt momentan den Stadtbahnverkehr nach dem Karlsruher Modell auf folgenden Linien:

Linie Linienweg Befahrene Strecken Bemerkung
S 1 Hochstetten – Eggenstein-Leopoldshafen – Karlsruhe – Ettlingen – Bad Herrenalb Hardtbahn, Albtalbahn vereinzelt auch Fahrten zum KIT Campus Nord Bahnhof
S 11 Hochstetten – Eggenstein-Leopoldshafen – Karlsruhe – Ettlingen – Waldbronn – Langensteinbach – Ittersbach Hardtbahn, Albtalbahn vereinzelt auch Fahrten zum KIT Campus Nord Bahnhof
S 2 Rheinstetten – Messe Karlsruhe – Karlsruhe – Stutensee BlankenlochStutensee Spöck Karlsruher Lokalbahn offizielle Betreiberin: AVG, Durchführung des Verkehrs: VBK
S 31 OdenheimBruchsal – Karlsruhe – Ettlingen West – RastattForbach (Schwarzwald) – Baiersbronn – Freudenstadt Katzbachbahn, Rheintalbahn, Murgtalbahn
S 32 Menzingen (Baden) – Bruchsal – Karlsruhe – Ettlingen West – Rastatt – Baden-BadenAchern Kraichtalbahn, Rheintalbahn
S 4 ÖhringenHeilbronnEppingenBretten – Karlsruhe – Durmersheim – Rastatt – Baden-Baden – Achern Bahnstrecke Crailsheim–Heilbronn, Kraichgaubahn, Rheintalbahn Die Strecke in der Heilbronner Innenstadt ist Eigentum der Stadtwerke Heilbronn

seit 12. Dezember 2010, in zwei Teile geteilt (Öhringen – Albtalbahnhof sowie Tullastraße – Achern)

S 41 Karlsruhe Tullastraße – Karlsruhe Bahnhofsvorplatz – Durmersheim – Rastatt – Forbach (Schwarzwald) – Baiersbronn – Freudenstadt – Eutingen im Gäu (– Herrenberg) Rheintalbahn, Murgtalbahn, Gäubahn (Eutingen–Freudenstadt), (Gäubahn (Stuttgart–Singen)) Die Eilzüge ins Murgtal ab KA Hbf DB verkehren als Linie S31.
S 42 Heilbronn Bahnhof – Heilbronn Technisches Schulzentrum – Neckarsulm Bahnhof Frankenbahn in Betrieb seit 15. Dezember 2013
S 5 Bietigheim-Bissingen – Vaihingen/Enz – MühlackerPforzheimRemchingenPfinztal – Karlsruhe – Wörth-Dorschberg Westbahn, Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker, Bahnstrecke Winden–Karlsruhe Betreiber des Abschnitts Bietigheim-Bissingen – Pforzheim ist DB Regio.
S 51 Germersheim – Sondernheim – BellheimRülzheimRheinzabernJockgrimWörth am RheinKarlsruhe West – Karlsruhe Albtalbahnhof Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth, Bahnstrecke Winden–Karlsruhe in Betrieb seit 12. Dezember 2010
ab Albtalbahnhof weiter als S 52 über Karlstraße zum Europaplatz
S 52 Germersheim – Sondernheim – BellheimRülzheimRheinzabernJockgrimWörth am RheinKarlsruhe Entenfang – Karlsruhe Marktplatz Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth, Bahnstrecke Winden–Karlsruhe in Betrieb seit 12. Dezember 2010
ab Marktplatz weiter als S 51 über Rüppurrer Straße zum Bahnhofsvorplatz
S 6 PforzheimNeuenbürgBad Wildbad Enztalbahn Viele Fahrten werden ab Pforzheim als S 5 von bzw. nach Bietigheim-Bissingen oder Karlsruhe weitergeführt.
S 9 Bruchsal – Bretten – Maulbronn West – Mühlacker Westbahn Zusätzliche Wagen der Saarbahn bis 15. Dezember 2013 in Betrieb, danach Ersatz durch Regio-Shuttle RS1 der Vogtlandbahn (VBG)

Außerdem betreibt die AVG noch die 15 Kilometer lange pfälzische Wieslauterbahn von Hinterweidenthal Ost nach Bundenthal-Rumbach und führt hier gemeinsam mit DB Regio den Saisonverkehr durch. Zum Einsatz kommt dabei seit der Saison 2010 der historische Esslinger Triebwagen der AVG sowie Dieseltriebwagen der Baureihe 628, welche ab Dezember 2010 durch Triebwagen der Baureihe 642 ersetzt wurden.

Hingegen wird die ebenfalls in der Region Karlsruhe verkehrende Linie S3 Karlsruhe–Bruchsal–HeidelbergMannheimLudwigshafenSpeyer–Germersheim nicht von der AVG betrieben, sondern von DB Regio RheinNeckar als Teil der S-Bahn RheinNeckar. Im Gegensatz zu den AVG-Strecken verkehren auf der S3 elektrische Triebwagen der Baureihe 425.2.

Die von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft insgesamt im Personenverkehr befahrene Streckenlänge beträgt 460,1 Kilometer, davon werden 284,6 Kilometer von der AVG und der Rest von der DB Netz AG betrieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Bindewald: Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Weltweit vorbildliches Nahverkehrssystem. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2007, ISBN 978-3-89735-475-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Unternehmensportrait: Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, abgerufen am 5. April 2013.
  2. Geschäftsbericht 2009 der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH, Karlsruhe. 30. Juni 2010, abgerufen am 19. Dezember 2010 (PDF; 2,3 MB).