Alejo Carpentier

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Alejo Carpentier Valmont (* 26. Dezember 1904 in Lausanne, Schweiz; † 24. April 1980 in Paris) war ein kubanisch-französischer Schriftsteller.

Alejo Carpentier (1979)

Leben[Bearbeiten]

Carpentier war der Sohn eines französischen Architekten und einer russischen Professorin für Sprachen. Unmittelbar nach seiner Geburt in Lausanne siedelte er mit seiner Familie nach Havanna über. Er studierte Architektur, Literatur und Musikwissenschaft. Carpentier war Mitarbeiter und Herausgeber verschiedener Zeitungen und Zeitschriften.

Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt wegen politischer Aktivitäten ging er 1927/28 für 11 Jahre ins Exil nach Paris. Dort bewegte er sich im Kreis der Surrealisten André Breton, Tristan Tzara, Louis Aragon und Pablo Picasso. Mit dem Sieg des Faschismus in Europa 1939 kehrte Carpentier wieder nach Havanna zurück, lehrte als Professor für Musikwissenschaft an der Universität, schrieb Zeitungsbeiträge und arbeitete für eine staatliche Rundfunkanstalt. Von 1945 bis 1959 lebte er im venezolanischen Exil in Caracas.

In dem Vorwort zu seinem Roman El reino de este mundo von 1949 (dt. Das Reich von dieser Welt, 1964), formuliert Carpentier sein Konzept des „Wunderbar Wirklichen“ (spanisch: „Lo real maravilloso“), den Grundgedanken des magischen Realismus (spanisch: realismo mágico), das einen großen Einfluss auf die eigenständige Entwicklung der lateinamerikanischen Literatur hatte: „Überall begegnete mir das wunderbar Wirkliche. Aber ich dachte auch, dass diese Gegenwärtigkeit und Gültigkeit des wunderbar Wirklichen nicht Privileg Haitis sei, sondern Erbgut ganz Amerikas. Das wunderbar Wirkliche findet sich auf Schritt und Tritt im Leben der Menschen.“ Lateinamerika wurde für Carpentier, gerade in einer Zeit, in der Europa von totalitären Systemen beherrscht wurde, zu einer positiven Utopie, in der sich das Wunderbare nicht nur in den Entwürfen von Künstlern, sondern in der Realität finden lässt.

1959 kehrte Carpentier nach Kuba zurück, wo er als Professor für Literatur an der Universität Havanna arbeitete. 1967 ernannte ihn Fidel Castro zum Staatssekretär und übertrug ihm die Leitung des kubanischen Staatsverlages. Ab 1966 lebte Carpentier als Kulturattaché der kubanischen Regierung in Paris. Als solcher starb er dort im Alter von 76 Jahren am 24. April 1980. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Cementerio Cristóbal Colón in Havanna.

Grab von Alejo Carpentier auf dem Friedhof Cementerio de Colón in Havanna

1977 wurde Alejo Carpentier mit dem Cervantespreis ausgezeichnet.

Werke[Bearbeiten]

  • ¡Ecué-Yamba-O!. 1933, Roman
  • El reino de este mundo. 1949, Roman (deutsch: Das Reich von dieser Welt. 1964)
  • La música en Cuba. 1946, musikwissenschaftliches Sachbuch
  • Los pasos perdidos. 1953, Roman (deutsch: Die verlorenen Spuren. 1982, ISBN 3-518-39744-3)
  • El acoso. 1956, Roman (deutsch: Finale auf Kuba. 1960; Hetzjagd. 1989)
  • El siglo de las luces. 1962, Roman (deutsch: Explosion in der Kathedrale. 1964)
  • El recurso del método. 1974, Roman (deutsch: Staatsraison. 1976; Die Methode der Macht. 1989)
  • Concierto barroco. 1974, Novelle (deutsch: Barockkonzert. 1976)
  • La consagración de la primavera. 1978, Roman (deutsch: Le Sacre du Printemps. 1993)
  • El arpa y la sombra. 1979, Roman (deutsch: Die Harfe und der Schatten. 1979)
  • El amor a la ciudad. Erzählung (deutsch: Mein Havana; Amman Verlag; 2000, ISBN 3-250-30001-2)

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1977: Es lebe der Präsident (El recurso del método)
  • 1989: Barroco

Literatur[Bearbeiten]

Monographien
Aufsätze
  • Hortensia Campanella: Dossier Alejo Carpentier. In: Cuadernos hispanoamericanos. Bd. 649/650 (2004), ISSN 0011-250X, S. 8–88.
  • Markus Ebenhoch: Alejo Carpentier. In: Christopher F. Laferl (Hrsg.): Amerika und die Norm. Literatursprache als Modell? Niemeyer, Tübingen 2007, ISBN 978-3-484-50726-5.
  • Liliana Gómez: Havana. Alejo Carpentier or „fieldwork“ in the urban. In: Dies. (Hrsg.): The sacred in the city. Continuum, London 2012, ISBN 978-1-4411-7295-2, S. 227–243.
  • Marike Janzen: Messenger writers. Anna Seghers and Alejo Carpentier in the Cold war. In: Comparative Literature. Bd. 62 (2010), Heft 3, ISSN 0010-4124, S. 283–301.
  • Gerhard Poppenberg: Zurücknehmen. Lo fáustico en el „Doktor Faustus“ de Thomas Mann y la revocación de lo fáustico en „Los pasos perdidos“ de Alejo Carpentier. In: 200° aniversario del „Fausto I.“ de J. W. von Goethe. AAG, Buenos Aires 2009, ISBN 978-987-22406-5-3.
  • Caroline Rae: In Havanna and Paris. The musical activities of Alejo Carpentier. In: Music & Letters.Bd. 89 (2008), Heft 3, ISSN 0027-4224, S. 373–395.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Sowohl im deutschen Online-Handel als auch auf den Verlagsseiten (kapitelweise als .pdf) lesbar.