Alex Capus

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Alex Capus [kapy] (* 23. Juli 1961 in Mortagne-au-Perche, Frankreich) ist ein Schweizer Schriftsteller.

Alex Capus (2013)

Leben[Bearbeiten]

Capus wurde in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. Er verbrachte die ersten fünf Lebensjahre in Paris in der Wohnung seines Grossvaters, der Polizeichemiker am Quai des Orfèvres war. 1966 zog er mit seiner Mutter nach Olten in der Schweiz. Er studierte an der Universität Basel Geschichte, Philosophie und Ethnologie und arbeitete daneben (von ca. 1986 bis 1995) bei diversen Schweizer Tageszeitungen als Journalist. Vier Jahre hindurch war er als Inlandredaktor bei der Schweizerischen Depeschenagentur in Bern tätig.

Alex Capus lebt heute als freier Schriftsteller in Olten. Er ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.[1] Zwischen November 2009 und April 2012 war er Präsident der Sozialdemokratischen Partei Oltens.[2]

Schaffen[Bearbeiten]

Capus veröffentlichte 1994 Diese verfluchte Schwerkraft. 1997 erschien Munzinger Pascha, eine «klassische» Erzählung, die bereits typische Elemente des Capus-Stils aufweist. Bereits in diesem Roman bezieht sich Capus auf geschichtliche Ereignisse und auf den Schweizer Afrikaforscher Werner Munzinger. Das Buch ist eine Art literarisierte Biographie. Mit Eigermönchundjungfrau erschien 1998 ein Buch, das die Stärken des Autors noch deutlicher zeigt. 19 Kurzgeschichten finden sich in diesem Buch wieder, geblieben ist die genaue Auseinandersetzung mit seinen Charakteren und die liebevolle Analyse ihrer Eigenschaften. 2001 folgte mit Mein Studium ferner Welten eine weitere Sammlung illustrer Kurzgeschichten, die nun jedoch durch die Protagonisten miteinander verbunden sind.

Als Nächstes veröffentlichte Capus mit Fast ein bißchen Frühling 2002 eine Mischung aus Dokumentation und Erzählung. Er beschreibt darin die Geschichte von Kurt Sandweg und Valdemar Velte aus Wuppertal, die der Herrschaft des NS-Regimes entkommen wollen. Nachdem sie eine Bank ausgeraubt haben, führt sie ihre Flucht jedoch nur bis Basel, wo sie sich in eine Beziehung mit zwei ortsansässigen Frauen verwickeln. Nach einer langen Jagd durch die Polizei werden die beiden schließlich gefasst.

2003 erschien das Buch Glaubst du, dass es Liebe war?, das das bewährte Erzählprinzip weiterspinnt und die alltäglichen Gefilde der vorigen Werke – außer Munzinger Pascha spielen alle seine bis dahin erschienenen Bücher in der alltäglichen Schweiz – verlässt. 2004 erschien 13 wahre Geschichten, eine Sammlung von historischen Miniaturen, die viele Kritiker an Sternstunden der Menschheit von Stefan Zweig erinnerte.

2005 erschien der Tatsachenroman Reisen im Licht der Sterne, in dem Capus in detektivischer Kleinarbeit Robert Louis Stevensons Odyssee durch die Südsee verfolgt. Er schildert dessen Ehe- und Familiendramen im Dschungel Samoas und seinen beschwerlichen Alltag im vermeintlichen Inselparadies. Schließlich gelangt Capus zur Überzeugung, dass der schottische Dichter und Verfasser der Schatzinsel die letzten Jahre seines Lebens nur deshalb in der Südsee verbrachte, weil er selbst auf Tafahi, einer kleinen Nachbarinsel Samoas, auf Schatzsuche war. Das Werk wurde ins Englische, Italienische, Spanische und Portugiesische übersetzt.

2006 veröffentlichte Capus die Porträtsammlung Patriarchen, in der er zehn große Firmengründer wie Henri Nestlé, Rudolf Lindt, Julius Maggi oder Carl Franz Bally porträtiert. Er sucht jeweils nach dem einen Augenblick, in dem sich ihre Idee kristallisierte, fragt nach den geschichtlichen und gesellschaftlichen Umständen, unter denen sie zu weltweiter Wirtschaftsmacht aufstiegen, und zeigt auf, dass unternehmerische Abenteuer stets auch mit menschlichen Wagnissen, enttäuschten Hoffnungen und familiären Tragödien verbunden sind.

2007 erschien sein Roman Eine Frage der Zeit. Capus erzählt darin die auf authentischen Ereignissen basierende, abenteuerliche Geschichte dreier norddeutscher Werftarbeiter, die 1913 beauftragt werden, das Dampfschiff Goetzen in seine Einzelteile zu zerlegen und im kolonialen Afrika, am Tanganjika-See, wieder zusammenzusetzen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, werden aus den am gegenüberliegenden Ufer stationierten Briten plötzlich Feinde. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen, denn alle sind sie Gefangene ihrer Zeit. Der Roman war in Deutschland ein großer Erfolg, verkaufte sich über 70'000mal und wurde ins Englische, Niederländische, Norwegische, Hebräische, Japanische und Griechische übersetzt.

Im September 2007 erschien im Magazin ein Artikel über den Schweizer Ballonpionier und Fotografen Eduard Spelterini. Die ungekürzte Ausgabe des Texts erschien im Bildband Eduard Spelterini – Fotografien des Ballonpioniers. Sein Band Der König von Olten von 2009 vereinigt Kurzgeschichten mit viel Lokalkolorit aus seiner Heimatstadt. Die Titelfigur ist ein schwarzweisser Kater namens «Toulouse».

In Léon und Louise, einem Roman, der im Februar 2011 erschienen ist, erzählt Capus, an die Lebensgeschichte seines Großvaters väterlicherseits angelehnt, die bewegende Liebesbeziehung zwischen Léon und Louise. In einer Art Dreiecksbeziehung, die schwerpunktmäßig während des Ersten Weltkriegs in der Normandie und während des Zweiten Weltkriegs in Paris spielt, gelingt es Léon nur äußerlich, sich von seiner ewigen und doch unerreichbaren Liebe zu Louise zu lösen. Capus wurde für dieses Buch für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert.

Neben seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit hat Capus drei Romane von John Fante und den amerikanischen Kultroman A Confederacy of Dunces (Die Verschwörung der Idioten) von John Kennedy Toole ins Deutsche übersetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alex Capus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. SP Olten: Alex Capus ist neuer Präsident der SP Olten (Medienmitteilung), 4. November 2009