Alexander Borissowitsch Kurakin

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Fürst Alexander Borissowitsch Kurakin (russisch Алекса́ндр Бори́сович Кура́кин; * 18. Januar 1752 in Moskau; † 24. Juni 1818 in Weimar) war ein russischer Staatsmann. Er war zeitweise Vizereichskanzler. Bekannt geworden ist er als Diplomat während der Verhandlungen zum Frieden von Tilsit und als russischer Botschafter in Paris vor Ausbruch des Russlandfeldzuges Napoleons.

Alexander Borissowitsch Kurakin

Leben[Bearbeiten]

Er war Mitglied des russischen Hochadels und Nachkomme von Boris Kurakin. Sein Vater war Boris Alexandrowitsch Kurakin. Er wurde zeitweise zusammen mit Paul I. erzogen. Er war dessen enger Vertrauter und begleitete Paul 1776 und 1782 auch auf seinen Reisen nach Deutschland und Frankreich.

Im Jahr 1796 wurde er zum Minister und Vizereichskanzler ernannt. Im Jahr 1802 nahm er nach der Ermordung des Kaisers seinen Abschied.

Im Jahr 1806 wurde er Gesandter in Wien. Im Jahr 1807 beauftragte ihn Alexander I. nach dem verlorenen vierten Koalitionskrieg die Friedensverhandlungen in Tilsit abzuschließen. Er galt als Pendant und achtete genau auf Rangfolgen, Status und äußere Erscheinung. Er war indes intelligenter als seine Kritiker annahmen. Im Kampf zwischen England und Frankreich um die weltweite Vorherrschaft plädierte er dafür, dass Russland sich neutral verhalten und den Streit zu seinem eigenen Vorteil nutzen sollte. Obwohl er Frankreich als Bedrohung für Russland ansah, plädierte er nach der Niederlage für eine Vereinbarung und eine Aufteilung Europas in eine französische und eine russische Einflusssphäre.[1] Danach wurde er zum geheimen Staatsrat erster Klasse und zum Feldmarschall À la suite ernannt. Ein Jahr später wurde er als Gesandter nach Paris entsandt. Kurakin galt dort als Inbegriff des reichen und verschwenderischen russischen Adeligen und wurde als prince diamant bezeichnet. Politisch kam er Napoleon wenig entgegen.[2]

Bei den Festlichkeiten zu Ehren der Heirat Napoleons mit Marie Louise von Österreich wurde er niedergerissen und wäre beinah von der Menge zertreten worden. Im Jahr 1810 drohte Napoleon Kurakin gegenüber zum erstan Mal mit Krieg, hat aber später verschiedentlich versucht Russland seine Freundschaft zu bekunden. Während der Feierlichkeiten zu seinem zweiundvierzigsten Geburtstag hat Napoleon gegenüber Kurakin 1811 Russland erneut feindliche Absichten unterstellt. Zuletzt hat ein Spionageskandal die Beziehung Kurakins zum Kaiser belastet.[3]

Kurz vor Beginn des Russlandfeldzuges bekam er lange keine Ausreiseerlaubnis und hielt sich auf seinem Landhaus in der Nähe von Paris auf. Durch den Brand von Moskau verlor er einen großen Teil seines Besitzes. Nach dem Sieg 1814 begrüßte er Alexander im Namen des Senats mit dem Ehrentitel "der Gesegnete." Durch eine Krankheit musste er einige Zeit in Berlin verweilen und zog sich daraufhin zeitweise von den Staatsgeschäften zurück, ehe er in den russischen Staatsrat berufen wurde. Im Jahr 1817 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen ganz zurück.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dominic Lieven: Russland gegen Napoleon: Die Schlacht um Europa. München, 2009 o.Z.
  2. Adam Zamoyski: 1812: Napoleons Feldzug in Russland. München, 2012 S.24
  3. Adam Zamoyski: 1812. Napoleons Feldzug in Russland. München, 2012 S.81, S.92 128f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Neue Folge des Conservations-Lexikons. 1. Abteilung des zweiten Bandes. Leipzig, 1825 S.64
  • Allgemeine deutsche Real-Enzyklopädie. Bd.5 Leipzig, 1819 S.556