Alexander Pereira

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alexander Pereira (* 11. Oktober 1947 in Wien) ist ein österreichischer Kulturmanager. Von 1991 bis 2012 war er Intendant des Opernhauses Zürich, von 2012 bis 2014 ist er Intendant der Salzburger Festspiele. Seit Oktober 2014 leitet er die Mailänder Scala.[1] Sein Name geht auf portugiesische Vorfahren zurück, die sich 1720 in Wien niedergelassen haben.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Alexander Pereira kam als Sohn eines österreichischen Diplomaten in Wien zur Welt; er ist ein Nachkomme von Fanny von Arnstein. Da er auf Wunsch der Eltern zunächst „einen rechten Beruf erlernen“ sollte, ließ er sich in Marketing und Verkauf ausbilden und ging als Touristikmanager nach London. Anschließend war er fast zwölf Jahre für Olivetti tätig: In Frankfurt verkaufte er Schreib- und Rechenmaschinen, in Berlin war er Geschäftsstellenleiter.

Nebenbei absolvierte er ein Gesangsstudium. 1979 erhielt er von Hermann Josef Abs, dem ehemaligen Chef der Deutschen Bank, den Auftrag, zusammen mit Katharina von Bismarck die Frankfurter Bachkonzerte zu veranstalten, die von der Deutschen Bank gegründet worden waren. Von 1979 bis 1983 war er Vorstandsmitglied der Frankfurter Bachkonzerte.

1984 wurde er als Generalsekretär der Konzerthausgesellschaft nach Wien berufen. Es gelang ihm dort, die Konzertszene zu modernisieren, neues und junges Publikum zu gewinnen sowie Christoph Lieben-Seutter als persönlichen Assistenten für diese Tätigkeit zu engagieren. Alle zwei Jahre veranstaltete er das Internationale Musikfest der Wiener Festwochen.

Intendanz des Opernhauses Zürich[Bearbeiten]

1989 war er als künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele im Gespräch, doch stattdessen kam er ans Opernhaus Zürich, wo er am 1. Juli 1991 Intendant wurde. In kurzer Zeit gelang es ihm, zahlreiche international beachtete Inszenierungen auf die Bühne zu bringen, durch erfolgreiches Marketing und Akquirieren von Sponsoren Millionenschulden abzubauen und Gewinn zu erwirtschaften.

Als Intendant legte Pereira Wert auf die Entwicklung eines Ensembles, die Förderung junger Interpreten, offene Veranstaltungsformen und die Einbeziehung des Publikums sowie die Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern. Im Zentrum von Pereiras Spielplangestaltung stand die Pflege des Opernrepertoires von Mozart bis Verdi. Darüber hinaus unterstützte er auch Uraufführungen von zeitgenössischen Werken.

1996 wurde Pereira Geschäftsführer der künstlerischen Kommission der Zürcher Festspiele, die er maßgeblich initiiert hatte und die im Sommer 1997 zum ersten Mal stattgefunden haben. Sein Vertrag am Opernhaus lief bis Sommer 2012,[2] seine Zürcher Ära beendete er am 8. Juli 2012 mit Verdis Falstaff.[3] Sein Nachfolger als Intendant des Opernhauses Zürich ist Andreas Homoki, der zum Zeitpunkt der Ernennung Intendant der Komischen Oper Berlin war.

Intendanz der Salzburger Festspiele[Bearbeiten]

Am 20. Juli 2012 übernahm Alexander Pereira die Intendanz der Salzburger Festspiele für fünf Jahre. Er erweiterte das Festival um eine Ouverture spirituelle, ließ alle Opernproduktionen nur einen Sommer lang spielen und konnte bereits im ersten Jahr seiner Intendanz einen Besucherrekord erzielen. Gemeinsam mit der Sängerin Cecilia Bartoli erarbeitete er ein neues Konzept für die Salzburger Pfingstfestspiele, welches von Publikum und Kritik sehr gut angenommen wurde. In der Zeit seiner Intendanz wurde auch wieder versucht, den Ball der Salzburger Festspiele wiederzubeleben, diesmal in der Felsenreitschule - bereits in den 1920er Jahren und später in den 1980er Jahren gab es einen Ball der Salzburger Festspiele. Doch auch diesmal ist es nicht gelungen, eine Tradition zu begründen, nach drei Bällen in den Jahren 2012 bis 2014 wird es 2015 keinen Ball mehr geben.

Pereiras Expansionskurs wurde allerdings vom (politisch besetzten) Kuratorium der Festspiele nicht mitgetragen, von der Präsidentin der Festspiele nur teilweise. Es kam daher bereits 2012 zu heftigen Kontroversen - insbesondere mit dem Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden, der eine Verlängerung des Vertrages dezidiert ausschloss und damit Pereira zu Verhandlungen mit der Mailänder Scala motivierte. Am 11. Juni 2013 einigten sich Pereira und das Kuratorium auf eine vorzeitige Vertragsauflösung nach dem Ende der Salzburger Festspiele 2014.

Intendanz der Mailänder Scala[Bearbeiten]

Im April 2005 lehnte Pereira ein Angebot der Mailänder Scala ab. Diese Entscheidung basierte einerseits auf seiner engen Verbundenheit mit Zürich, andererseits auf dem Beschluss des Regierungsrates des Kantons Zürich, von der angekündigten Kürzung des Subventionsbeitrags um zwei Millionen Franken abzusehen. Nach längeren Verhandlungen wurde er jedoch Anfang Juni 2013 auf den Intendantenposten in Mailand berufen.[4] Er trat sein Amt mit Beginn der Spielzeit 2014/15 an.

Sonstiges[Bearbeiten]

Alexander Pereira gilt international als erstrangiger Kulturdirektor. Aktuelle Projekte sind die künstlerische Nachwuchsförderung und die Ausbildung künftiger Intendanten. Zu diesem Zweck initiierte Pereira ein Master-Programm für Kulturmanager, das von der Universität Zürich als Nachdiplomstudium angeboten wird (Executive Master of Arts Administration). Das dreijährige Master-Programm vermittelt die notwendigen Kenntnisse für die Gesamtführung von Kulturbetrieben.

Alexander Pereira ist erfolgreicher Besitzer und Züchter von Rennpferden und Hobbykoch. Zudem ist er im Beirat der Liechtensteiner Stiftung Ars Rhenia, die Kultur und Kunst fördert.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tages-Anzeiger Zürich: Alexander Pereira wird schon im Oktober 2014 Scala-Intendant, Zugriff am 28. Juli 2013
  2. Medieninformation. Link nicht mehr abrufbar.
  3. Susanne Kübler: Alexander Pereira. In: Tages-Anzeiger vom 19. Mai 2012
  4. Alexander Pereira wird neuer Intendant der Mailänder Scala. Tiroler Tageszeitung, 4. Juni 2013.