Alexander Piorkowski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alexander Piorkowski im britischen Internierungslager in Westertimke bei Bremen am 16. Mai 1945

Alexander Bernhard Hans Piorkowski, auch Alex Piorkowski, (* 11. Oktober 1904 in Bremen; † 22. Oktober 1948 in Landsberg am Lech, hingerichtet) war ein deutscher SS-Sturmbannführer und Lagerkommandant des Konzentrationslager Dachau .

Leben[Bearbeiten]

Alexander Piorkowski war gelernter Mechaniker, der in den 1920er als reisender Kaufmann tätig war.

Der SA trat er am 1. Juni 1929 bei und wechselte von dort am 1 Juni 1933 zur SS (Mitgliedsnr. 8.737). Am 1. November 1929 wurde Piorkowski Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 161.437). Seine erste SS-Standarte führte er ab dem 20. Juli 1935 in Bremen, im Jahr darauf die SS-Standarte Allenstein. Aus Krankheitsgründen schied er bereits am 19. September 1936 aus dem Dienst aus.[1]

Von Juli 1937 bis Dezember 1937 war er kommissarisch Lagerkommandant des KZ Lichtenburg und nach der Umwandlung dieses Lagers in ein Frauenkonzentrationslager stellvertretender Lagerdirektor unter Günther Tamaschke bis August 1938.[2] Von dort wurde er Anfang August 1938 in das KZ Dachau versetzt, wo er als Schutzhaftlagerführer tätig war. Von Februar 1940 bis Mitte September 1942 war er Kommandant des KZ Dachau. Wegen Korruptionsvorwürfen wurde er am 31. August 1943 wegen „Dienstunfähigkeit aus dem Dienstverhältnis zur Waffen-SS [und zugleich] mit Wirkung vom gleichen Tage aus der Schutzstaffel“ entlassen.[1]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges musste sich Piorkowski zusammen mit seinem Adjutanten Heinz Detmers vom 6. bis 17. Januar 1947 vor einem amerikanischen Militärgericht im Zuge der Dachauer Prozesse verantworten. Anklagepunkte waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Deportation, Verschleppung und Misshandlungen an Häftlingen im ehemaligen Konzentrationslager Dachau. Piorkowski wurde zum Tode verurteilt und nach der Urteilsüberprüfung und vergeblichen Gnadengesuchen im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg gehängt.

Piorkowskis SS-Ränge[1]
Datum Rang
8. Januar 1932 SS-Hauptscharführer
20. April 1933 SS-Untersturmführer
9. September 1934 SS-Obersturmführer
20. April 1934 SS-Hauptsturmführer
30. Januar 1936 SS-Sturmbannführer

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Gruner: Verurteilt in Dachau. Der Prozess gegen den KZ-Kommandanten Alex Piorkowski vor einem US-Militärgericht. Wißner-Verlag, Augsburg 2008, ISBN 978-3-89639-650-1.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Stefan Hördler, Sigrid Jacobeit (Hrsg.): Dokumentations- und Gedenkort KZ Lichtenburg – Konzeption einer neuen Dauerausstellung für Werkstattgebäude und Bunker. Lit-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-643-10038-2.
  • Johannes Tuchel: Konzentrationslager: Organisationsgeschichte und Funktion der Inspektion der Konzentrationslager 1934–1938. (= Schriften des Bundesarchivs, Band 39). H. Boldt, 1991, ISBN 3-7646-1902-3.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Recommendations zum Militärgerichtsverfahren bei www.jewishvirtuallibrary.org (PDF-Datei; 1,98 MB)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Johannes Tuchel: Konzentrationslager: Organisationsgeschichte und Funktion der Inspektion der Konzentrationslager 1934–1938. 1991, S. 385.
  2. Stefan Hördler, Sigrid Jacobeit (Hrsg.): Dokumentations- und Gedenkort KZ Lichtenburg. Berlin 2009, S. 125f.