Alexander Winton

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alexander Winton beim Gordon-Bennett-Cup in Irland (1903)
Erste Autoparade in Manhattan 1899, mit Winton und Henry Ford
Ein Winton Six

Alexander Winton (* 20. Juni 1860 in Grangemouth, Schottland; † 21. Juni 1932 in Cleveland) war ein US-amerikanischer Rennfahrer, Unternehmer und Pionier des Autobaus.

Werdegang als Unternehmer[Bearbeiten]

Alexander Winton war eines von 13 Kindern eines Schmieds in Schottland, wo er eine Ausbildung auf einer Werft machte. 1878 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus.[1] Er ließ sich in Cleveland nieder, gründete die Winton Bicycle Company und produzierte Fahrräder. 1896 baute er sein erstes motorisiertes Fahrzeug in seinem Unternehmen Winter Motor Carriage. Am 24. März 1898 verkaufte er sein erstes Auto, mit einem Zylinder und Fahrradrädern, für 1000 Dollar; es war der erste Verkauf eines Autos in den Staaten, fünf Jahre vor Henry Ford.

Ford hatte sich um eine Stelle bei Winton beworben, war aber von diesem nicht genommen worden, weil er Ford für ungeeignet hielt. Unwillentlich hatte Winton Einfluss auf die Entstehung von Packard: James Packard hatte bei ihm ein Auto gekauft, das kurz darauf einen Defekt hatte und mit einem Pferdewagen zum Ziel gezogen werden musste. Packard kehrte zu Winton zurück, beschwerte sich und machte Verbesserungsvorschläge. „If you're so smart maybe you can build a better machine yourself", antwortete Winton, der als hitzköpfiger Schotte[2] bekannt war, aufgebracht. Packard folgte diesem Rat und gründete seinerseits ein Unternehmen für Automobile.

Wie viele Pioniere des Automobilbaus nahm Winton an Autorennen und Touren durch das Land teil, um Werbung für seine Produkte zu machen. Für eine 800 Meilen lange Fahrt von Cleveland nach New York City in zehn Tagen baute er ein spezielles Fahrzeug. 1901 verlor er in Grosse Pointe ein Rennen gegen Ford. Winton galt als so großer Favorit, dass ihn die Veranstalter schon vor dem Rennen nach seinen Wünschen zur Gestaltung des Pokals gefragt hatten. Sein Winton Bullett leistete 70 PS, und trotzdem gewann Ford völlig überraschend das Rennen.

Insgesamt hielt Winton über 100 Patente sowie zahlreiche Rekorde, so baute er 1913 den ersten amerikanischen Diesel-Motor und führte das Lenkrad ein anstelle des bis dahin üblichen Bügels. Sein populärstes Modell war der Winton Six. 1924 baute Winton sein letztes Auto, da der Konkurrenzdruck zu groß geworden war, und beschäftigte sich nur noch mit der Entwicklung von Motoren. 1930 wurde sein Unternehmen Winton Engine Corporation von General Motors übernommen und produzierte bis 1962 Eisenbahnmotoren.

Privates[Bearbeiten]

Alexander Winton galt vor dem Ersten Weltkrieg als Millionär, der über ein Vermögen von rund fünf Millionen Dollar verfügte. Nach dem Krieg und der anschließenden Wirtschaftsrezession schmolz sein Vermögen auf rund 750.000 Dollar, die er größtenteils in seine Motorenproduktion investiert hatte. Nach der Heirat mit seiner dritten Frau, Marion Campbell, wurde eine von ihr komponierte Oper unter großen Kosten auf Wintons Anwesen in Lakewood aufgeführt, und als sie sich scheiden ließ, um einen Indianerhäuptling zu heiraten, erhielt sie 200.000 Dollar Abfindung. Deshalb war Winton 1930 wahrscheinlich gezwungen, seine Motorenunternehmen zu verkaufen. Als er starb, verfügte er noch über 50.000 Dollar, so dass seine Kinder das elterliche Anwesen verkauften.[3]

Winton war viermal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er mit einer Jugendfreundin aus Schottland in Manhattan; das Paar hatte sechs Kinder. Im August 1903 stürzte Jeannette Winton von einer Klippe in den Erie-See, der sich hinter ihrem Haus in Lakewood befand, und wurde tot aufgefunden. In zweiter Ehe heiratete der Witwer eine Cousine seiner ersten Frau in Glasgow und wurde Vater von zwei weiteren Kindern; seine Frau Labelle starb 1925. Seine vierte Ehe mit der Sängerin Mary Ellen Avery (Dolly) ging er im Alter von 70 Jahren ein, drei Tage, nachdem seine dritte mit der 39 Jahre jüngeren Komponistin und Gründerin der Women’s National League for Justice to American Indians, Marion Campbell, geschieden worden war.[4]

Würdigung[Bearbeiten]

2005 wurde Alexander Winton in die Automotive Hall of Fame aufgenommen und 2006 in die Inventor Hall of Fame.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas F. Saal and Bernard J. Golias: Famous But Forgotten The Story of Alexander Winton. Automotive Pioneer and Industrialist. Golias Publishing. 1997. ISBN 978-0965378512

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexander Winton auf genealogy.northern-skies.net
  2. The Family of Winton. Abgerufen am 11. Januar 2014 (englisch).
  3. Dyer: Pioneering Technology and Innovation Since 1900. Harvard Business School Press. 1998. ISBN 978-0875846064. S. 34
  4. detnews.com

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexander Winton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Winton vehicles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien