Alexander Wylie

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Alexander Wylie

Alexander Wylie (* 6. April 1815 in London; † 6. Februar 1887 in Hampstead[1]) war ein britischer Missionar und Mathematikhistoriker.

Wylie brachte sich Latein und Chinesisch selbst bei, als er bei einem Tischler in die Lehre ging. Er lernte die Sprache so gut, dass ihn die London Missionary Society 1847 nach Shanghai schickte, um ihren dortigen Verlag zu beaufsichtigen. Dort lernte er weitere Sprachen und begann sich für chinesische Mathematikgeschichte zu interessieren. Gleichzeitig sorgte er für die Verbreitung von über einer Million chinesischen Ausgaben des Neuen Testaments im Auftrag der British and Foreign Bible Society, deren offizieller Agent er ab 1863 war. 1877 ging er wieder nach London.

Er veröffentlichte 1852 Aufsätze im North China Herald über chinesische Mathematik (Jottings in the history of chinese mathematics). Sie wurden auch in Deutschland bekannt und K. L. Biernatzki[2] und Ludwig Matthiessen[3] veröffentlichten darüber im Crelle Journal (Journal für Reine und Angewandte Mathematik). In den Aufsätzen wird zum ersten Mal vom chinesischen Ursprung des später Chinesischer Restsatz genannten Verfahrens berichtet und vom chinesischen Ursprung des Horner-Schemas (im Westen durch William George Horner 1819 eingeführt). Die Aufsätze von Wylie (und ein Aufsatz von Édouard Biot im Journal Asiatique von 1839) waren die einzige Quelle für chinesische Mathematik, auf die sich Moritz Cantor in seiner umfangreichen Mathematikgeschichte stützte.

Gleichzeitig übersetzte er Mathematik-, Mechanik- und Astronomiebücher ins Chinesische, wobei er mit dem Mathematiker Li Shanlan (der als überragender chinesischer Mathematiker des 19. Jahrhunderts gilt)[4] zusammenarbeitete. Auch die Evangelien von Matthäus und Markus übersetzte er ins Chinesische.

1858 begleitete er Lord Elgin auf einem Kanonenboot der britischen Marine den Jangtse hinauf nach Nanjing, wo er Teil einer Delegation war, die mit den Taiping-Rebellen verhandelte. 1868 begleitete er den Missionar Griffith John (1831–1912) von der London Bibel Society, der die Bibel ins Chinesische übersetzte, nach Sichuan.

Seine umfangreiche chinesische Buchsammlung (20.000 Bände) verkaufte er 1882 an die Universität Oxford, wo sie heute in der Bodleian Library ist (Alexander Wylie Collection).

Schriften[Bearbeiten]

  • Memorials of Protestant Missionaries. 1867
  • Notes on Chinese Literature. Shanghai, 1867
  • Jottings on the Science of Chinese Mathematics. Shangae Almanac 1853 (zuerst 1852 in North China Herald)
  • Chinese Researches. Shanghai 1897

Literatur[Bearbeiten]

  • Dauben, Scriba (Herausgeber): Writing the history of mathematics. Birkhäuser 2000
  • Henri Cordier: The life and labours of Alexander Wylie. London 1887

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebensdaten nach Dauben, Scriba. Laut Encyclopedia Britannica von 1911 starb er am 10. Februar
  2. Biernatzki: Über die Arithmetik der Chinesen. In: Crelle Journal. Band 52, 1856, S. 59–94 Online. Ins Französische übersetzt von Joseph Bertrand im Journal de Savants 1869
  3. Matthiesen: Über das sogenannte Restproblem in den chinesischen Werken Swan-king von Sun-tsze und Tayen lei schu von Yih-hing. In: Crelle Journal. Band 91, 1881, S. 254–261, Online. Gemeint sind Sun Zi aus dem 3. Jahrhundert (und sein Kommentator Qin Jiushao aus dem 13. Jahrhundert) und der buddhistische Priester des 8. Jahrhunderts Yih-hing. Der Restsatz findet sich auch in den Disquisitiones Arithmeticae von Carl Friedrich Gauß.
  4. Martzloff: A history of chinese mathematics. Springer
 Commons: Alexander Wylie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien