Alexander von Falkenhausen (General)

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Alexander von Falkenhausen, 1940

Ernst Alexander Alfred Herrmann Freiherr von Falkenhausen (* 29. Oktober 1878 auf Gut Blumenthal, Landkreis Neisse, Schlesien; † 31. Juli 1966 in Nassau) war deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg sowie von 1940 bis 1944 Chef der 'Militärverwaltung von Belgien und Nordfrankreich' sowie Widerstandskämpfer.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Falkenhausen war das zweite von sieben Kindern von Alexander Freiherr von Falkenhausen (1844–1909) und seiner Gattin Elisabeth, geborene Freiin Schuler von Senden (1853–1936). Sein jüngster Bruder war der spätere SA-Führer Hans-Joachim von Falkenhausen.[1]

In seiner Jugend wollte Falkenhausen zunächst Entdeckungsreisender werden. Er wurde dann des Gymnasiums in Breslau verwiesen und besuchte daraufhin die Kadettenanstalt in Wahlstatt. Damit begann er im Alter von zwölf Jahren seine militärische Laufbahn.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Falkenhausen trat am 13. März 1897 nach der Kadettenzeit als Sekondeleutnant in das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 in Oldenburg ein und diente dort unter Paul von Hindenburg. 1899 wurde er zum ersten Mal zur Bekämpfung des Boxeraufstandes im 3. Ostasiatischen Infanterie-Regiment nach China entsandt. Zurückgekehrt heiratete er Paula von Wedderkop, die Tochter des oldenburgischen Hausmarschalls Julius von Wedderkop. 1904 erfolgte seine Kommandierung an die Preußische Kriegsakademie, der sich 1908 die Abordnung und 1910 die Versetzung zum Großen Generalstab anschloss. 1907 erfolgte die Ernennung zum Oberleutnant, 1909 dann die Beförderung zum Hauptmann. Falkenhausen lernte japanisch und wertete beim Generalstab Material über den japanischen Machtbereich in Ostasien aus. Ab 22. März 1912 war er dann Militärattaché an der Botschaft in Tokio.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Nachdem Japan dem Deutschen Kaiserreich den Krieg erklärt hatte, wurde Falkenhausen von seinem Posten abberufen und kehrte nach Deutschland zurück. Hier wurde er kurzzeitig im Stab der 89. Reserve-Infanterie-Brigade verwendet, ehe er am 26. November 1914 als Generalstabsoffizier zur 31. Division unter Generalleutnant Albert von Berrer versetzt wurde. Zunächst kämpfte er an der Somme, kam dann im Januar 1915 mit seinem Großverband nach Ostpreußen und nahm hier im Februar an der Winterschlacht in Masuren teil. Nachdem Falkenhausen am 22. März 1915 Major geworden war, folgten an der Ostfront die Schlachten am Njemen und bei Wilna. Am 14. November 1915 kehrte Falkenhausen dann mit der Versetzung als Generalstabsoffizier der 5. Armee an die Westfront zurück. Hier koordinierte er den Nachschub für den Angriff auf Verdun.

Am 9. Mai 1916 wurde Falkenhausen zur Deutschen Militärmission in die Türkei abkommandiert und dort am 29. Mai zum Chef des Generalstabs der Etappen-Inspektion der 2. Osmanischen Armee ernannt. Am Neujahrstag 1917 wurde er als osmanischer Oberstleutnant zum Inspekteur dieser Inspektion ernannt. Mit der Bildung der Heeresgruppe Kaukasus, die die 1. und 2. Osmanische Armee umfasste, wurde Falkenhausen am 26. März 1917 zum Chef des Generalstabs unter Marschal Ahmed İzzet Pascha ernannt. Von diesem Posten wurde er am 11. Juni 1917 mit der Ernennung zum Chef des Generalstabs der 7. Osmanischen Armee abberufen und kam an die Palästinafront. Für seine Leistungen, die zum Sieg der beiden Jordan-Schlachten im März und Mai 1918 gegen britische Truppen geführt hatte, erhielt er durch Wilhelm II. am 7. Mai 1918 die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, den Orden Pour le Mérite. Kurz vor Kriegsende wurde Falkenhausen am 1. Oktober 1918 noch mit der Wahrnehmung der Geschäfte als deutscher Militärbevollmächtigter in Konstantinopel beauftragt.

Zwischen den Weltkriegen[Bearbeiten]

In der Weimarer Republik diente er in der Reichswehr in verschiedenen Funktionen, verhandelte mit Polen über die deutsche Ostgrenze (vermutlich auch über den Polnischen Korridor) und löste die Marinebrigade Ehrhardt auf. Am 1. Februar 1925 wurde Falkenhausen Kommandeur des 10. (Sächsisches) Infanterie-Regiments und war anschließend vom 1. Februar 1927 bis 31. Januar 1930 Kommandeur der Infanterieschule in der Dresdener Albertstadt.[2] Falkenhausen war Mitglied in der DNVP und saß für diese Partei im Sächsischen Landtag. Am 31. Januar 1930 wurde er wegen vermeintlicher nationalsozialistischer Vorgänge in der Reichswehr, mit denen er jedoch nichts zu tun hatte, als Generalleutnant entlassen. Er engagierte sich anschließend im Stahlhelm vergeblich gegen dessen Eingliederung in die SA.

Alexander von Falkenhausen, 1933

Im April 1934 ging er als Militärberater Chiang Kai-sheks nach China, wo er Nachfolger des ihm aus der Zeit in türkischen Diensten bekannten und befreundeten Hans von Seeckt wurde.[3] Falkenhausen unterstützte Chiang Kai-shek beim Aufbau der nationalchinesischen Armee. Als Chef der deutschen Militärmission bekämpfte er erfolgreich die Japaner.[4][5] Die deutsche Politik in Fernost schwankte damals noch zwischen einer Allianz mit China, das groß, nicht organisiert und von wechselnden Bürgerkriegen zerrissen war, oder mit Japan, dem Gegner im letzten Weltkrieg. Einflussreiche Kreise der deutschen Diplomaten hielten das Bündnis mit China dem deutschen Interesse entsprechender, doch setzte sich schließlich Joachim von Ribbentrops Fraktion durch, die auch die ideologische Nähe zu Japan suchte. So wurden die deutsche Militärmission unter von Falkenhausen und die Vertreter der deutsch-chinesischen Militärhilfsgesellschaft 1938 von Joachim von Ribbentrop unter Androhung familiärer Repressalien gezwungen, ins Reich zurückzukehren.[6]

Nach seiner Rückkehr – inzwischen war Deutschland gleichgeschaltet – erfuhr er Näheres zum Tod eines seiner Brüder, der im Rahmen des Röhm-Putsches am 30. Juni 1934 ermordet worden war. Er nahm Kontakt mit Regimegegnern wie Franz Halder und anderen auf.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 25. August 1939 wurde Alexander von Falkenhausen eingezogen (er meldete sich nicht freiwillig). Er wurde Befehlshaber des Stellvertretenden Generalkommandos im Wehrkreis IV (Dresden). Am 12. Mai 1940 erfuhr er, dass er Militärbefehlshaber von Holland und Teilen Belgiens werden sollte. Am 27. Mai wurde er benachrichtigt, dass Seyß-Inquart zum Reichskommissar, General Christiansen zum Wehrmachtsbefehlshaber in Holland ernannt seien. Am folgenden Tag trafen sie in Den Haag ein und drängten auf sofortige Übergabe der Geschäfte.

Vom 22. Mai 1940 bis 15. Juli 1944 war er Militärbefehlshaber von Belgien und Nordfrankreich. In dieser Rolle war er – trotz vorherigen Widerstands gegen die Judenverfolgung – verantwortlich für die Deportation von belgischen Juden und für Geiselerschießungen. Falkenhausen versuchte, die Deportation von belgischen Juden und Zwangsarbeitern zu verhindern oder zu verzögern. Er hatte Verbindungen zum deutschen Widerstand und war mit Helmuth James Graf von Moltke, Ulrich von Hassell und Carl-Heinrich von Stülpnagel eng befreundet.

Am Tag des Attentats vom 20. Juli 1944 versuchte er, obwohl er einige Tage zuvor seines Kommandos enthoben worden war, den Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Günther von Kluge, anzurufen und zu überzeugen, die Front für die alliierten Verbände in der Normandie zu öffnen und den Krieg so zu beenden, erhielt aber die Antwort „jetzt, wo das Schwein nicht tot ist, kann ich nichts machen.“ Kluges Tatenlosigkeit trug dazu bei, dass der Aufstand des 20. Juli in Paris und im Westen fehlschlug.

Wegen seiner Verbindungen zu den Attentätern des 20. Juli 1944 wurde er einige Tage später verhaftet und von der SS in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau in der sogenannten „Prominentenbaracke“ gefangen gehalten. Mangels Beweismaterials wurde er nicht vor Gericht gestellt.

Am 24. April 1945 wurde Falkenhausen gemeinsam mit anderen 138 prominenten Insassen nach Niederdorf (Südtirol) transportiert. Diesen Transport befreite Wichard von Alvensleben als Hauptmann der Wehrmacht.[7] Wenige Tage nach der deutschen Kapitulation in Italien geriet Falkenhausen in amerikanische Gefangenschaft.

Nach der Laufbahn[Bearbeiten]

Nach der Befreiung durch alliierte Truppen wurde Alexander von Falkenhausen erneut interniert und saß in verschiedenen Lagern und Gefängnissen ein. 1948 wurde er vor einem belgischen Gericht für seine Taten in den Jahren 1940 bis 1944 angeklagt.[8][9]

Sein belgischer Verteidiger kritisierte: „Das Gericht ist nicht dazu da, über Deutschland oder das Dritte Reich zu urteilen, sondern über von Falkenhausen, der keinerlei moralische Verantwortung für die Schrecken des Nazi-Regimes trägt. Es ist sicher, daß er alles tat, um die Greuel des Nazi-Regimes abzuwenden, zu dem er sich politisch in Gegnerschaft befand.“[10]

Im Februar 1951 wurde er (trotz seines Alters von 72 Jahren) zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, drei Wochen danach aber nach Deutschland abgeschoben. Zeugenaussagen belegten Falkenhausens Versuche, die Deportation belgischer Juden zu behindern.[3] 1953 erhielt von Falkenhausen von Chiang Kai-shek als Anerkennung für seine militärischen Beratungsleistungen in China einen Scheck über 12.000 US-Dollar. Er lebte zunächst nahe der damaligen innerdeutschen Grenze im Anwesen seines Freundes Franz von Papen und dann – da man eine Entführung durch ostdeutsche Agenten befürchtete – bis zu seinem Tod in Nassau an der Lahn.

1950 wurde er Witwer; 1960 heiratete er seine zweite Frau Cécile Vent, die belgische Widerstandskämpferin war.[11][12] Er hatte sie während seiner Haftzeit 1948 kennengelernt, als Vent Mitglied der Verwaltungskommission der Gefängnisse von Verviers war.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert De Jonghe: La lutte Himmler-Reeder pour la nomination d'un HSSPF à Bruxelles (1942-1944), dans: Cahiers d'histoire de la Seconde guerre mondiale, Bruxelles, 1976-1984.
  • Hsi-Huey Liang: The Sino-German connection: Alexander von Falkenhausen between China and Germany 1900–1941. van Gorcum, Assen 1978
  • Liman von Sanders: Fünf Jahre Türkei
  • Hans Werner Neulen: Feldgrau in Jerusalem. München 1991, ISBN 3-8004-1437-6
  • Norbert Frei (Hrsg.): Transnationale Vergangenheitspolitik. Göttingen 2006, ISBN 3-89244-940-6
  • Holger Wilken: Zwischen Kommando und Kerker. Alexander von Falkenhausen – Deutscher Militärbefehlshaber in Brüssel 1940-1944. In : IFDT – Zeitschrift für Innere Führung Nr. 2/2002, S. 64-71.
  • Hanns Möller: Geschichte der Ritter des Ordens pour le mérite im Weltkrieg, Band I: A-L, Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1935, S. 294-295

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogisches Handbuch des Adels, Band 95, Starke, Limburg 1989, ISBN 3798007004, S. 109
  2. Die Daten 1. Februar 1927 bis 31. Januar 1930 stammen aus [1]
  3. a b von Falkenhausen im Tagsschau Blogspot
  4. Alexander von Falkenhausen im Time Magazine
  5. Artikel in World War II Database
  6. dazu schrieb Falkenhausen später in seinem Bericht (Teil 1): Im Juni 1938 erhielt ich durch die Botschaft die Weisung Ribbentrops, mit allen deutschen Militärberatern sofort abzureisen. Ich ließ zurückmelden, daß ich erst mit dem Marschall darüber verhandeln müsse. Wir wären keine Militärmission; jeder einzelne hätte einen persönlichen Kontrakt mit der chinesischen Regierung, den er nicht ohne weiteres brechen könne. Meine Leute hätten ihre Familien in China; ihre Rückreise müsse sichergestellt werden, ebenso eine entsprechende Lebensstellung; ich müsse auch erst mit dem Marschall verhandeln, da wir doch genauen Einblick in das chinesische Potentiel de guerre hätten, und er uns nicht ohne weiteres gehen lassen würde, da Deutschland offensichtlich auf seiten Japans stände. – Als Antwort erhielt ich durch die Botschaft ein Telegramm von Ribbentrop, das mich mit Ausbürgerung, Beschlagnahme meines Vermögens und Einsperrung meiner Geschwister bedrohte, wenn ich nicht sofort abreise. Da erkannte der Marschall, obwohl er Wert darauf legte, wenigstens mich dazubehalten – und ich war entschlossen, die chinesische Staatsbürgerschaft anzunehmen und zu bleiben – in großmütiger Weise an, daß ich es nicht auf mich nehmen könnte, meine Geschwister ins Unglück zu stürzen. Er stimmte unserer Abreise zu. Bei einem Abschiedsessen, das der Marschall uns gab, führte ich in einer Dankesansprache aus, ich sei überzeugt, daß am Ende dieses Kampfes der Sieg Chinas über Japan stehen würde. Naturgemäß brachten die Zeitungen diese meine Voraussage, die meiner innersten Überzeugung entsprach. Hatte ich doch in der jahrelangen Zusammenarbeit mit den Chinesen erlebt, welch ungeheuere, innere Wandlung in der Masse des chinesischen Volkes vor sich gegangen war, besonders auch im jüngeren Offizierskorps, Beamtentum und bei den Studenten! Mit ähnlicher Voraussage verabschiedete ich mich in Hankou vom Kriegsminister. Als ich am 7. Juli in Hongkong ankam, wurde mir vom dortigen Generalkonsul eine drohende Verwarnung von Ribbentrop übermittelt: ich hätte mich jeder Äußerung zu enthalten ... Ich kehrte mit einem Schiff des Lloyd Triestine nach Europa zurück, und wie üblich brachten die Zeitungen der Häfen, die das Schiff anlief, Bilder von mir und, da ich keine Interviews geben durfte, die Äußerung, die ich in Hankou getan hatte. Jedesmal wurde ich im nächsten Hafen erneut von Ribbentrop verwarnt, bis ich schließlich einen Konsul ersuchte, dem Auswärtigen Ministerium doch mitzuteilen, wie diese Dinge zu erklären seien, da im Amt niemand sie zu erkennen schiene. In Port Said wurde mir obendrein das Verbot übermittelt, mich in Deutschland irgendwie zu äußern. – Ich begab mich zunächst nach Berlin, um für meine stellungslos gewordenen Leute zu sorgen.
  7. Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006
  8. spiegel.de: [2]
  9. laut zeit.de begann der Prozess am 22. Mai 1950
  10. zeit.de: Die Pest der Kategorie. Prozeß Falkenhausen – Krankheitssymptom der Demokratie
  11. Cécile Vent
  12. Cécile Vent im Widerstand
  13. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Rangliste des Deutschen Reichsheeres, Hrsg.: Reichswehrministerium, Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1924, S. 116
  14. Klaus D. Patzwall, Veit Scherzer: Das Deutsche Kreuz 1941–1945, Geschichte und Inhaber Band II, Verlag Klaus D. Patzwall, Norderstedt 2001, ISBN 3-931533-45-X, S. 540