Alexandre Émile Jean Yersin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
A. Yersin. Fotografie, aufgenommen vor 1909.
Büste Alexandre Yersins in Hongkong, wo er den Pesterreger Yersinia pestis entdeckte.
Gedenktafel Yersins am Stadtgymnasium Lausanne

Alexandre Émile Jean Yersin (* 22. September 1863 in Aubonne, Schweiz; † 28. Februar 1943 in Nha Trang, Vietnam) war ein schweizerisch-französischer Arzt und Bakteriologe, der den Erreger der Pest, Yersinia pestis, entdeckte. Ihm zu Ehren wurde die gesamte Bakterien-Gattung Yersinia genannt.

Leben[Bearbeiten]

Nach Studienjahren in Lausanne und Marburg ging Yersin nach Paris und arbeitete am Institut Pasteur, unter anderem zusammen mit Émile Roux über Diphtherie, sie wiesen dabei das Diphtherietoxin nach. Er promovierte 1888 über experimentelle Tuberkulose und besuchte den bakteriologischen Kurs von Robert Koch in Berlin. Um in Frankreich den Arztberuf ausüben zu können, wurde er französischer Staatsbürger.

In Indochina arbeitete er ab 1890 als Schiffsarzt und unternahm dort Forschungsreisen. Als die von der Mongolei sich ausbreitende Pestwelle 1894 die südchinesische Küste erreichte, schickten ihn französische Regierung und Institut Pasteur nach Hongkong, um die bis dahin noch unbekannte Ursache der Erkrankung zu finden. Gleichzeitig und mit demselben Ziel arbeitet dort eine japanische Forschergruppe unter Leitung von Shibasaburo Kitasato. Obwohl Yersin schlechter ausgestattet war und von den englischen Kolonialbehörden in seiner Arbeit behindert wurde, gelang ihm am 20. Juni 1894[1] die Isolierung des Erregers aus befallenen Lymphknoten (Bubonen) von Pesttoten und die Übertragung der Krankheit auf Mäuse und Meerschweinchen. Dass er im Unterschied zu Kitasatos Gruppe nicht über einen Brutschrank verfügte und seine Bakterienkulturen bei normaler Lufttemperatur in einer Bambushütte anzüchten musste, war dabei ein glücklicher Umstand, denn unter Laborbedingungen vermehrt sich Yersinia pestis bei Temperaturen, die niedriger sind als die menschliche Körpertemperatur, besser.

Yersin wies auch experimentell nach, dass der von ihm identifizierte Pesterreger ebenfalls für das in Hongkong zeitgleich aufgetretene massenhafte Rattensterben verantwortlich war. Damit fehlte zur vollständigen Aufklärung der wesentlichen Glieder der Infektionskette dieser Zoonose nur noch die Feststellung, dass Pestepidemien durch den Biss des Rattenflohs vom Tier auf den Menschen „überspringen“. Dieses sollten drei Jahre später Masanori Ogata und Paul-Louis Simond in Bombay entdecken. Der Erreger, den Kitasato in Hongkong isolierte und als Verursacher der Pest beschrieb, erwies sich später als zufälliger Begleitkeim der Erkrankung, dennoch galt Kitasato lange als (Mit-)Entdecker des Pesterregers. 1970 erhielt das Bakterium den heutigen Namen, in Erinnerung der Verdienste Yersins.

1895 war Yersin in Paris und arbeitete an der Entwicklung eines Heilserums mit, das er danach im Fernen Osten bei der Behandlung von Pestkranken einsetzte, das jedoch beim Auftreten der Pest in Bombay im Jahre 1897 keine Wirkung zeigte. In den folgenden Jahren befasste er sich im Auftrag der Kolonialverwaltung mit landwirtschaftlichen Projekten in Indochina, unter anderem mit der Anpflanzung von Hevea brasiliensis zur Gewinnung von Kautschuk und von Cinchona ledgeriana, einem Chinarindenbaum, aus dessen Rinde das Anti-Malaria-Mittel Chinin hergestellt wird. 1902 wurde er für zwei Jahre Direktor der neu gegründeten Schule für medizinisches Hilfspersonal in Hanoi, aus der später die Medizinische Hochschule hervorging. Von 1904 bis 1924 leitete er die Niederlassungen des Institut Pasteur in Saigon und Nha Trang. Er wurde 1934 in den wissenschaftlichen Beirat des Instituts in Paris berufen und zum ehrenamtlichen Direktor und Vorsitzenden der jährlichen Generalversammlung des Instituts ernannt.

Das Andenken von Yersin wird in Nha Trang hoch gehalten. Im Pasteur-Institut findet sich ein Yersin-Museum, an der Uferpromenade sein Denkmal. Die Menschen der Stadt danken es ihm insbesondere, dass es Yersin gelang, Taifune vorherzusagen, was vielen Fischern das Leben rettete.

Der Halsbandhäherling Garrulax yersini, eine in Vietnam vorkommende seltene Vogelart, ist ebenfalls nach Yersin benannt.

Zitate[Bearbeiten]

«Tu me demandes si je prends goût à la pratique médicale. Oui et non. J’ai beaucoup de plaisir à soigner ceux qui viennent me demander conseil, mais je ne voudrais pas faire de la médecine un métier, c’est-à-dire que je pourrais jamais demander à un malade de me payer pour des soins que j’aurais pu lui donner. Je considère la médecine comme un sacerdoce, ainsi que le pastorat. Demander de l’argent pour soigner un malade, c’est un peu lui dire la bourse ou la vie.»

„Du stellst mir die Frage, ob ich die medizinische Praxis schätze. Ja und Nein. Es macht mir viel Spaß, wenn ich mich um die kümmere, die kommen und um meinen Rat bitten, aber ich möchte nicht die Medizin zu einem Geschäft machen, das heißt, dass ich nie einen Patienten bitten könnte, mich für Hilfe zu bezahlen, die ich ihm geben kann. Ich betrachte die Medizin als eine Priesterschaft ähnlich dem Amt des Seelsorgers. Von einem Kranken Bezahlung für Hilfe zu verlangen, ist so ähnlich wie ihm zu sagen, Geld oder Leben.“[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rosemarie Dilg-Frank: Alexandre Yersin (1863-1943) als Medizinstudent in Marburg. In: alma mater philippina, Wintersemester 1978/79, pp. 19–23.
  • Stefan Winkle: Geißeln der Menschheit. Kulturgeschichte der Seuchen. Artemis und Winkler, Düsseldorf/Zürich 1997, ISBN 3-538-07049-0
  • Patrick Deville: Peste et Choléra. Roman. Seuil, Paris 2012, ISBN 978-2-02-107720-9
    • deutschsprachige Übersetzung: Pest und Cholera. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Bilger, Zürich 2013, ISBN 978-3-03762-037-3 (biographischer Roman)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexandre Émile Jean Yersin – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschlandradio Kultur vom 20. Juni 2004: Der Schweizer Tropenarzt Alexandre Yersin entdeckt den Pestbazillus, abgefragt am 19. Juni 2010
  2. http://www.stellahelvetica.ch/documents/alexandre_yersin.pdf