Alexei Nikolajewitsch Romanow

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Alexei Nikolajewitsch Romanow, 1916
Porträt des Zarewitsch Alexei von Sergei Jegornow (1860–1920)
Alexei im Jahr 1909
Alexei im Jahr 1909

Alexei Nikolajewitsch Romanow (russisch Алексей Николаевич Романов; * 30. Julijul./ 12. August 1904greg. in Peterhof; † 17. Juli 1918 in Jekaterinburg) war der einzige Sohn des letzten russischen Zaren Nikolaus II. aus dem Geschlecht der Romanow-Holstein-Gottorp und seiner Frau Alexandra Fjodorowna, vormals Alix von Hessen-Darmstadt. Er war der letzte Zarewitsch und ist ein Heiliger der russisch-orthodoxen Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Krankheit[Bearbeiten]

Alexei wurde am 3. September 1904 in der Kapelle im Peterhof getauft. Seine wichtigsten Paten waren seine Großmutter und sein Großonkel, Großfürst Alexei Alexandrowitsch. Seine anderen Paten waren seine älteste Schwester Olga, sein Urgroßvater König Christian IX. von Dänemark, König Eduard VII. des Vereinigten Königreichs, der Prinz von Wales und der Deutsche Kaiser Wilhelm II. Die Predigt wurde von Johannes von Kronstadt geliefert und das Kind wurde von Prinzessin Galitzine, der Herrin der Roben, zu dem Taufbecken gebracht. Als Vorsichtsmaßnahme hatte sie Gummisohlen, um nicht zu stolpern und ihn fallen zu lassen.

Von seiner Mutter hatte er die Bluterkrankheit (Hämophilie B) geerbt. Diese Krankheit kann bis zu seiner Urgroßmutter mütterlicherseits, Königin Victoria, zurückverfolgt werden. Alexei musste oft das Bett hüten und jede noch so kleine Verletzung vermeiden. Aufgrund von inneren Blutungen und aggressiver Medikation hatte er oft große Schmerzen zu erdulden.

Der kleine Junge wurde bei vielen öffentlichen Veranstaltungen von starken Matrosen getragen, damit die Gefahr von Verletzungen möglichst gebannt wurde. Diese Matrosen waren Nagorny und Derewenko. Alexei machte sich über den stämmigen Derewenko lustig und verspottete ihn, weil er nicht mit dem flinken Nagorny mithalten konnte. „Sieh dir den rennenden Fatty an!“ rief er bei öffentlichen Prozessionen.

Alexei mit seiner Mutter 1906
Alexei mit seiner Mutter 1906

Seine Krankheit war in den ersten Jahren als Staatsgeheimnis gehütet worden, bis der Deutsche Kaiser Wilhelm II. auf einem Staatsbesuch einen großen blauen Fleck auf der Stirn des Jungen entdeckte und dieser im Laufe der Tage des Staatsbesuches nicht mehr verschwand. Wilhelm kannte sich mit der Bluterkrankheit sehr gut aus, da zwei Söhne seines Bruders Heinrich auch daran litten.

Die Zarenkinder wuchsen in einer behüteten und familiären Atmosphäre auf, da die Eltern größten Wert darauf legten, dass die Kinder nicht von Gouvernanten großgezogen wurden, wie es bei den meisten Königshäusern der damaligen Zeit üblich war. Seine Eltern und Schwestern waren in ihn vernarrt und er war als „Baby“ in der Familie bekannt. Später wurde er auch liebevoll Aljoscha (Алёша) und Ljoschka (Лёшка) genannt. Von seiner Kindheit sind sehr viele Fotografien erhalten, da eines der großen Hobbys der Zarenfamilie das Fotografieren war.

„Alexei war das Zentrum dieser vereinten Familie, er war im Mittelpunkt aller ihrer Hoffnungen und Gefühle“, schrieb sein Lehrer, Pierre Gilliard. „Seine Schwestern beteten ihn an. Er war der ganze Stolz und Freude seiner Eltern. Wenn er gut gestimmt war, war der Palast wie verwandelt. Jeder und alles schien in der Sonne gebadet.“ Der Junge hatte eine auffallende Ähnlichkeit zu seiner Mutter, schrieb sein Lehrer Gilliard. Er war groß für sein Alter, mit „einem langen, fein geschnittenen Gesicht, feinen Zügen, braunem Haar mit einem kupferfarbenen Glanz und großen grau-blauen Augen wie seine Mutter“. Obwohl er intelligent und liebevoll war, war seine Ausbildung häufig unterbrochen durch Ausbrüche der Hämophilie. Alexei trug als Kind, wie alle Männer der Romanows, eine Matrosenuniform und spielte Kriegsspiele.

Es war ihm verboten, mit dem Fahrrad zu fahren oder wild zu spielen. Trotz der Beschränkungen seiner Tätigkeit wurde Alexei von Natur aus aktiv und lebhaft und hatte einen einfachen Geschmack. Er weigerte sich, etwas anderes als Russisch zu sprechen, und genoss das Tragen einer russischen Tracht. Als er ein kleines Kind war, spielte er gelegentlich Streiche auf Kosten der Gäste. Der berühmteste dieser war, als der kleine Prinz bei einer förmlichen Dinner-Party unter den Tisch kletterte, den Schuh eines weiblichen Gastes auszog und diesen seinem Vater zeigte. Nikolaus sagte seinem Jungen streng, er solle die „Trophäe“ zurückbringen. Alexei tat dies, aber nicht bevor er eine große reife Erdbeere in die Spitze des Schuhes getan hatte. Einige Wochen später wurde es dem Thronfolger nicht gestattet, an einem staatlichen Abendessen teilzunehmen. Im Alter von sieben war sein Verhalten beim Familienessen den Eltern peinlich. Der verwöhnte Alexei hänselte andere am Tisch, weigerte sich, auf seinem Stuhl zu sitzen, wollte sein Essen nicht essen und leckte seinen Teller ab. Sein Vater drehte den Kopf weg und versuchte, Alexeis Verhalten zu ignorieren. Seine Mutter tadelte seine ältere Schwester Olga, weil sie ihn nicht kontrollierte. Ihre Erwartung war unangemessen, sagte Großfürst Konstantin Konstantinowitsch von Russland, ein entfernter Verwandter der kaiserlichen Familie.

Sein Lehrer, Pierre Gilliard, diskutierte mit den Eltern von Alexei, um sie schließlich zu überzeugen, dass eine größere Autonomie des Kindes zur Entwicklung einer besseren Selbstkontrolle beitragen würde. Der heranwachsende Alexei nutzte diese ungewohnte Freiheit und fing an, einigen seiner früheren Schwächen zu entwachsen. Höflinge berichteten, dass seine Krankheit ihn auch empfindlich für die Schmerzen der anderen machte. Zarewitsch Alexei war einer der ersten Pfadfinder in Russland.

Der ADC des Zaren, Oberst Mordinow, erinnerte sich an Alexei:

„Er hatte das, was wir Russen in der Regel als ein ‚goldenes Herz‘ bezeichneten. Er ging leicht mit Menschen eine Bindung ein, er mochte sie und versuchte sein Bestes zu tun, um ihnen zu helfen, vor allem, wenn es ihm schien, dass jemand zu Unrecht verletzt wurde. Seine Liebe, wie die der Eltern, war in erster Linie auf der Grundlage des Mitleids. Zarewitsch Alexei Nikolaewitsch war furchtbar faul, aber durchaus ein fähiger Junge (Ich glaube, er war faul, gerade weil er fähig war), er begriff alles schnell, wurde nachdenklich und leidenschaftlich über seine Jahre ... Trotz seiner Gutmütigkeit und seines Mitleides versprach er zweifellos, einen festen und unabhängigen Charakter in der Zukunft zu besitzen.“

Krieg und Revolution[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg, als sein Vater Befehlshaber der Russischen Armee war, hielt er sich mit ihm im Hauptquartier in Mogiljow auf und beobachtete das militärische Leben. Im Dezember 1916 erhielt der Leiter des britischen Militärs auf Stavka, Major-General Sir John Hanbury-Williams, die Nachricht vom Tod seines Sohnes. Zar Nikolaus schickte den zwölfjährigen Alexei zu dem trauernden Vater, um bei diesem zu sitzen. „Papa erzählte mir, ich solle bei Ihnen sitzen, weil er dachte, dass Sie sich heute Nacht alleine fühlen würden“, erzählte Alexei dem General.

Im Verlauf der Oktoberrevolution 1917 wurde er mit seiner Familie von den Bolschewiki zunächst in Tobolsk gefangengehalten, verletzte sich jedoch beim Schlittern so stark in der Leiste, dass er an den Rollstuhl gebunden war. Am 23. Mai 1918 wurde er mit der Familie nach Jekaterinburg transportiert und dort bis zu seinem Tod in der Villa Ipatjew in stark bewachter Gefangenschaft gehalten.

Tod[Bearbeiten]

In der Nacht zum 17. Juli 1918 wurde er im Alter von 13 Jahren mit der restlichen ehemaligen Zarenfamilie erschossen. Das erste Erschießungskommando tötete Nikolaus, die Zarin und die beiden männlichen Bediensteten. Der Junge blieb trotz Schüssen auf ihn am Leben und die Mörder versuchten, ihn mehrmals mit Bajonetten zu erstechen. „Nichts schien zu funktionieren“, schrieb Jurowski später. „Obwohl er verletzt war, lebte er weiter.“ Unbemerkt von den Mördern, war der Oberkörper des Zarewitsches durch ein Hemd, in dem kostbare Edelsteine waren, welches er unter seinem Gewand trug, geschützt. Der für die Exekution verantwortliche Offizier berichtete, dass dem Jungen zwei Mal in den Kopf geschossen wurde, bis er endgültig verstummte.

Der Verbleib der sterblichen Überreste Alexeis und seiner Schwester Maria war bis 2007 ungewiss, denn sie wurden bis dahin bei der Ausgrabung trotz großangelegter Suche nicht gefunden. Im Sommer 2007 wurden jedoch von einem Archäologenteam die sterblichen Überreste von Alexei und seiner Schwester Maria gefunden.[1] Das Ergebnis der DNA-Analyse, welches am 30. April 2008 veröffentlicht wurde, bestätigte, dass es sich bei den Knochen zweifelsfrei um die Gebeine von Alexei und Maria handelt. Damit ist 90 Jahre nach der Ermordung der Zarenfamilie deren Schicksal endgültig geklärt.

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Alexei Nikolajewitsch Romanow
Ururgroßeltern

Zar
Nikolaus I. von Russland
(1796-1855)
∞ 1817
Prinzessin
Charlotte von Preußen
(1798-1860)

Großherzog
Ludwig II. von Hessen und bei Rhein
(1777-1848)
∞ 1804
Prinzessin
Wilhelmine von Baden
(1788-1836)

Herzog
Friedrich Wilhelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
(1785-1831)
∞ 1810
Prinzessin
Luise Karoline von Hessen-Kassel
(1789-1867)

Landgraf
Wilhelm X. von Hessen-Kassel
(1787-1867)
∞ 1810
Prinzessin
Louise Charlotte von Dänemark
(1789-1864)

Großherzog
Ludwig II. von Hessen und bei Rhein
(1777-1848)
∞ 1804
Prinzessin
Wilhelmine von Baden
(1788-1836)

Prinz
Wilhelm von Preußen
(1783-1851)
∞ 1804
Prinzessin
Marianne von Hessen-Homburg
(1785-1846)

Herzog
Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha
(1784-1844)
∞ 1826
Prinzessin
Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg
(1800-1831)

Prinz
Edward Duke of Kent and Strathearn
(1767-1820)
∞ 1818
Prinzessin
Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld
(1786-1861)

Urgroßeltern

Zar Alexander II. von Russland
(1818-1881)
∞ 1841
Zarin Maria Alexandrowna
(Marie von Hessen-Darmstadt)
(1824-1880)

König Christian IX. von Dänemark
(1818-1906)
∞ 1842
Prinzessin Louise von Hessen-Kassel
(1817-1898)

Prinz Karl von Hessen und bei Rhein
(1809-1877)
∞ 1836
Prinzessin Elisabeth von Preußen
(1815-1885)

Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha
(1819-1861)
∞ 1840
Königin Victoria von Großbritannien
(1819-1901)

Großeltern

Zar Alexander III. von Russland (1845-1894)
∞ 1866
Zarin Maria Fjodorowna (Dagmar von Dänemark) (1847-1928)

Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt (1837-1892)
∞ 1862
Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland (1843-1878)

Eltern

Zar Nikolaus II. von Russland (1868-1918)
∞ 1894
Zarin Alexandra Fjodorowna (Alix von Hessen-Darmstadt) (1872-1918)

Alexei Nikolajewitsch Romanow (1904-1918)

Ehrung[Bearbeiten]

Im August 2000 wurden Alexei Nikolajewitsch Romanow und seine Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche als Leidensträger (Strastoterpez) heiliggesprochen. Leidensträger sind in der Orthodoxie solche Heilige, die anders als Märtyrer nicht für ihren christlichen Glauben starben, sondern nur als Christen aufrecht in den Tod gingen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Heresch: Alexej, der Sohn des letzten Zaren: „Warum kann ich nicht sein wie andere Kinder ...“. Langen-Müller, München 1997, ISBN 3-7844-2587-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexei Nikolajewitsch Romanow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Welt: Offenbar Gebeine des Zarensohns entdeckt, 24. August 2007, abgerufen 27. April 2013