Alexis Tsipras

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Alexis Tsipras (2012)
Alexis Tsipras (2014)

Alexis Tsipras (griechisch Αλέξης Τσίπρας, * 28. Juli 1974 in Athen) ist ein griechischer Politiker und Vorsitzender der linken Partei SYRIZA. Seit dem 26. Januar 2015 ist Tsipras griechischer Ministerpräsident.[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Alexis Tsipras entstammt einer aus der Türkei vertriebenen griechischen Familie, die ihre Wurzeln in einem Dorf bei Babaeski hat.[2] Sein Vater wurde in Arta und seine Mutter in Eleftheroupoli geboren.

Tsipras hat ein Studium des Bauingenieurwesens an der Nationalen Technischen Universität Athen abgeschlossen. Er schloss ein Aufbaustudium der Stadt- und Raumplanung an. Er hat als Ingenieur in der Bauwirtschaft gearbeitet. Daneben hat Tsipras drei stadtplanerische Studien veröffentlicht.[3]

Politisches Wirken[Bearbeiten]

Tsipras begann sein politisches Engagement im Alter von 16 Jahren in der damals noch geeinten Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE). Synaspismos war damals eine Allianz der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) und der Partei Griechische Linke. Er nahm an den Schülerprotesten während der Schulbesetzungen von 1990 und 1991 teil und in der Folge auch in der Studentenbewegung.[3]

Als Student engagierte er sich in Organisationen der „reformierten Linken“ und war Vorstandsmitglied des Verbands der Bauingenieursstudenten an der Nationalen Technischen Universität. Ebenfalls war er studentisches Senatsmitglied seiner Universität und von 1995 bis 1997 im Vorstand des Nationalen Studentenbunds Griechenlands (EFEE).[3]

1999 wurde er zum Sekretär der Jugendorganisation des Synaspismos gewählt, eine Position, die er bis zum dritten Parteitag der Organisation im März 2003 innehatte. Während dieser Zeit übernahm er eine führende Rolle bei der Bildung des griechischen Sozialforums und nahm auch international an globalisierungskritischen Protestaktionen teil. Auf dem vierten Parteitag des Synaspismos im Dezember 2004 wurde er mit 42 % als Fünfter in das Zentralkomitee und daraufhin in den Parteivorstand gewählt, wo er die Themen Bildung und Jugend übernahm.[3]

Bei der Athener Kommunalwahl im Oktober 2006 war Tsipras Bürgermeisterkandidat der Liste „Offene Stadt“ (griechisch Anichtí Póli Ανοιχτή Πόλη), die 10,5 % der Stimmen errang. Tsipras zog in den Stadtrat ein.[3]

Auf dem fünften Parteitag des Synaspismos im Februar 2008 wurde er als Nachfolger von Alexandros Alavanos mit 70 % der Stimmen zum Vorsitzenden der Partei gewählt.[3] Nach der Parlamentswahl im Oktober 2009 zog Tsipras ins Griechische Parlament ein, wo er Vorsitzender der SYRIZA-Fraktion wurde. Im Mai 2012 wurde das bisherige Parteienbündnis SYRIZA in eine einzige Partei umgewandelt, um sich bei der anstehenden Parlamentswahl am 17. Juni 2012 die Chance auf die von der Verfassung vorgesehenen Bonussitze für die stärkste Partei zu sichern. Tsipras ist seither Vorsitzender dieser Partei. Der Synaspismos löste sich anschließend auf. Bei dieser Wahl wurde SYRIZA mit 26,9 Prozent zweitstärkste Partei.

Seit dem dritten Kongress der Partei der Europäischen Linken (EL) im Dezember 2010 ist er zudem Vizepräsident der Europäischen Linken. Bei der Europawahl 2014 war Tsipras Spitzenkandidat der Europäischen Linken und Kandidat für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission.[4]

Tsipras und seine Partei unterstützten die Politik der EU im Ukrainekrieg von 2014/2015 nicht. Nachdem Truppen der Russischen Föderation die Halbinsel Krim besetzt hatten und Russland sich das Gebiet angeeignet hatte, war Tsipras nach Moskau gereist und hatte verkündet, die EU müsse einen Dialog mit Moskau führen, statt Sanktionen gegen Russland zu verabschieden.[5]

SYRIZA gewann die vorgezogene Parlamentswahl am 25. Januar 2015 mit 36,3 % der Stimmen. Mit 149 Mandaten verfehlte die Partei die absolute Mehrheit von 151 Mandaten des 300 Sitze umfassenden griechischen Parlaments nur knapp.[6] Am Tag darauf wurde Tsipras von Staatspräsident Karolos Papoulias zum Ministerpräsidenten ernannt.[7] Er wird von einer Koalition aus SYRIZA und der nationalkonservativen Partei Anexartiti Ellines (ANEL; „Unabhängige Griechen“) unterstützt. Tsipras fordert einen teilweisen Erlass der griechischen Staatsschulden und eine Lockerung der von der sogenannten Troika im Gegenzug für geleistete Unterstützungszahlungen auferlegten Sparmaßnahmen. Er hat ein „Sofortprogramm“ mit Ausgaben in Höhe von etwa 11,5 Milliarden Euro zur Linderung der von der seit Anfang 2010 anhaltenden Staatsschuldenkrise und wirtschaftlichen Rezession ausgelösten sozialen Not angekündigt.[8] Das angekündigte Regierungsprogramm gliedert sich in vier Säulen: humanitäre Krise bekämpfen, Wirtschaft wieder ankurbeln und Steuergerechtigkeit schaffen, Beschäftigungsförderung und Umwandlung des politischen Systems zur Stärkung der Demokratie. [9]

Familie[Bearbeiten]

Tsipras lebt mit Peristera Batziana, einer Informatikerin, zusammen; das Paar hat zwei Kinder.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexis Tsipras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach Wahl in Griechenland: Tsipras als Ministerpräsident vereidigt - tagesschau.de
  2. Dünyanın konuştuğu Yunan lider Çipras, Babaeskili çıktı. Hürriyet, abgerufen am 31. Januar 2015.
  3. a b c d e f Biographie Alexis Tsipras auf Enet.gr (Eleftherotypia), Stand: 9. Oktober 2009, abgerufen am 27. Januar 2015.
  4. Alexis Tsipras: „Sparprogramme führen zu einem Teufelskreis“. euronews.de vom 16. Dezember 2013.
  5. Julia Smirnova , Boris Kalnóky: "Mit Tsipras hat Russland einen neuen Verbündeten" Welt vom 28. Januar 2015, gesichtet am 28. Januar 2015
  6. Wiener Zeitung vom 27. Januar 2015, Seite 3.
  7. Ernennung, Präsidialdekret 18 vom 26. Januar 2015, PDF (griechisch)
  8. Syriza-Politiker Paraskevopoulos: „Wir haben das ausgerechnet.“ Theodoros Paraskevopoulos im Gespräch mit Friedbert Meurer, Deutschlandfunk, 27. Januar 2015.
  9. Das Regierungsprogramm von Syriza (deutsch)
  10. fimes.gr (griechisch) 8. Mai 2012
  11. palo.gr (griechisch)
Vorgänger Amt Nachfolger
Andonis Samaras Premierminister von Griechenland
2015–