Alf Ross

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Alf Niels Christian Ross (* 10. Juni 1899; † 17. August 1979) war ein dänischer Rechtsphilosoph und Jurist. Vornehmlich wurde er als Vertreter des skandinavischen Rechtsrealismus bekannt und gilt neben Axel Hägerström und Karl Olivecrona als der wichtigste Vertreter dieser rechtstheoretischen Richtung.

Leben[Bearbeiten]

Alf Ross machte 1917 sein Abitur. Er studierte daraufhin Jura und schloss das Studium 1922 ab. Er arbeitete für einen Anwalt und begann 1923 eine Studienreise, die zweieinhalb Jahre dauerte und ihn nach Frankreich, England und Österreich führte. Die Jahre 1928 und 1929 verbrachte er in Uppsala, wo er 1929 einen Grad der Philosophie bekam. 1935 bekam er eine Anstellung an der Universität Kopenhagen, wo er Staatsrecht unterrichtete. 1953 wurde sein Buch Om Ret og Retfærdighed publiziert, das er 1959 auf Englisch unter dem Titel On Law and Justice veröffentlichte. Von 1959 bis 1972 gehörte er als Vertreter Dänemarks dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an.

Werk[Bearbeiten]

Alf Ross vertrat in diesem Werk die Auffassung, dass es aus erkenntnistheoretischen Gründen keine Möglichkeit gebe, dem Recht a priori besondere inhaltliche Maßstäbe zuerkennen zu können. Die Erfahrung sei hier der Maßstab. Das bedeutet, z.B., dass der bekannte Ausdruck ‘suum cuique tribuere’, ‘Jedem das seine zuteilen’, so lange keine Bedeutung hat, bis deutlich wird, was tatsächlich zu Jedem gehört; das weise aber auf einen Zirkelschluss (On Law and Justice, § 64 (p. 276)) hin. Seine Entschlossenheit, auf nichts außer den Tatsachen zu vertrauen führt ihn dazu, zu sagen, dass das Gesetz weder wahr noch falsch sei und eher als eine Richtlinie aufgefasst werden soll (On Law and Justice, § 2 (p. 2)). Dabei richtet die Norm sich nicht an die Bürger, sondern an den Richter (On Law and Justice, § 7 (p. 33)).

Er widersetzte sich dem Konzept eines Naturrechts. Es ist, seines Erachtens, nicht deutlich was man darunter zu verstehen habe; überdies berufe man sich stets lediglich auf eine persönliche Einsicht, wobei es keine Möglichkeit gebe, anzugeben, welche der vielen möglichen Einsichten die richtige sein sollte. Man sei auf diese Weise ausgeliefert an unbeschränkte Erfindung und Dogmatik (On Law and Justice, § 58 (p. 261)).

Literatur[Bearbeiten]

Veröffentlichungen von Alf Ross[Bearbeiten]

  • Kritik der sogenannten praktischen Erkenntnis, zugleich Prolegomena zu einer Kritik der Rechtswissenschaft, Kopenhagen und Leipzig 1933 (Digitalisat bei archive.org).
  • Theorie der Rechtsquellen. Ein Beitrag zur Theorie des positiven Rechts auf Grundlage dogmengeschichtlicher Untersuchungen, Leipzig und Wien 1929
  • "Tû-Tû", Harvard Law Review vol. 70, Folge 5, März 1957, pp. 812–825. Original erschienen in: O. Borum, K. Ilium (Hgg.): Festskrift til henry Ussing, Kobenhavn Juristforbundet 1951
  • On Law and Justice, Berkeley/Los Angeles 1959
  • Directives and Norms, London 1968
  • On Guilt, Responsibility and Punishment, London 1975

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Jes Bjarup: Skandinavischer Realismus : Hägerström, Lundstedt, Olivecrona, Ross, Freiburg 1978