Alfred-Wegener-Institut

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Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
— AWI —
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung   — AWI —
Altes Emblem
Rechtsform des Trägers: Stiftung des öffentlichen Rechts
Mitgliedschaft: Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
Standort der Einrichtung: Bremerhaven
Außenstellen: Potsdam, List/Sylt, Ekström-Schelfeis (Neumayer-Station III)
Art der Forschung: Erkundung der Polarregionen, deren geologischen Aufbau, Struktur und Einordnung in die Erdgeschichte mittels Seismologie und Seismik, Klimaforschung, Meeresbiologie, Meeresgeologie
Grundfinanzierung: 90 Prozent Bundesministerium für Bildung und Forschung, 8 % Land Bremen, 1 % Brandenburg, 1 % Land Schleswig-Holstein
Leitung: Karin Lochte (Direktorin)
Mitarbeiter: > 900
Anmerkung: Gegründet 15. Juli 1980, drei Forschungsschiffe, ein Polarflugzeug
Homepage: www.awi.de
Alfred-Wegener-Institut, Gebäude von Oswald Mathias Ungers (1985)
Erweiterungsbau von Steidle & Partner (2004)

Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) ist ein Forschungsinstitut in Bremerhaven, benannt nach dem Polarforscher und Geowissenschaftler Alfred Wegener. Das Institut wurde am 15. Juli 1980 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Arbeit[Bearbeiten]

Die Erkundung der Polarregionen, deren geologischen Aufbau, Struktur und Einordnung in die Erdgeschichte mittels Seismologie und Seismik sind ebenso Gegenstand der Forschung wie Klimaforschung, Meeresbiologie und Meeresgeologie.

Geowissenschaften[Bearbeiten]

Der Fachbereich Geowissenschaften (Bremerhaven, Potsdam und Sylt) untersucht, wie die Prozesse der Erde die Entwicklung des Klimas geprägt haben. Dazu wird der Sedimentaufbau der Ozeane untersucht genauso wie terrestrische Ablagerungen und Ablagerungen in den Eiskappen der Pole. Erforscht werden die Zusammensetzung und Verteilung der marinen Sedimente, die Stoff- und Energieflüsse in Dauerfrostgebieten und die Struktur und Veränderung der Erdkruste und der polaren Eisschilde.

Biowissenschaften[Bearbeiten]

Der Fachbereich Biowissenschaften bearbeitet ökologische, physiologische und ökotoxikologische Fragestellungen. Das AWI konzentriert sich dabei auf die Polarregionen sowie die Schelf- und Küstenregionen der Nordsee. In den letzten Jahren sind neben der Forschung an Kaltwasserkorallen auch Untersuchungen an tropischen Korallenriffen durchgeführt worden. Zentrale Themen umfassen die Reaktionen von Zellen, Organismen, Populationen und Gemeinschaften auf externe Einflüsse und die Organisation und Dynamik von Populationen, Gemeinschaften und Ökosystemen. Die Biowissenschaften des AWI arbeiten deshalb sowohl auf der Aut-Okologischen, wie makroökologischen Ebene.

Klimawissenschaften[Bearbeiten]

Im Fachbereich Klimawissenschaften untersucht das AWI die physikalischen und chemischen Vorgänge im System Ozean-Eis-Atmosphäre und ihre Bedeutung für die weltweite Klimaentwicklung. Arbeitsgruppen am Alfred-Wegener-Institut sowie an der Forschungsstelle Potsdam befassen sich mit den regionalen und großräumigen Zirkulationen im System und der Aufklärung physikalischer und chemischer Prozesse in der Atmosphäre. Dazu gehören der Einfluss von Wolken und Meereis auf den Energieaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre, die Zirkulation von Wassermassen in den Polargebieten, die Untersuchung natürlicher Klimaveränderungen und die Modellierung der atmosphärischen Zirkulation in der Arktis. Experimente zum Geo-Engineering mittels Eisendüngung[1].

Infrastruktur[Bearbeiten]

Wattenmeerstation in List auf Sylt

Zum Forschungsinstitut gehören neben dem Hauptgebäude in Bremerhaven auch die Biologische Anstalt Helgoland und die Wattenmeerstation Sylt auf Sylt. Eine Außenstelle befindet sich im Wissenschaftspark Albert Einstein auf dem Telegrafenberg in Potsdam.
Forschungsschiffe sind die Polarstern, die Heincke und die Mya II.
Forschungsstationen sind die Georg-von-Neumayer-Station mit Neumayer-Station II und Neumayer-Station III in der Antarktis, die deutsch-französische AWIPEV-Forschungsbasis (Koldewey-Station) auf Spitzbergen und die russisch-deutsche Forschungsbasis Samoilov im sibirischen Lenadelta.

Arbeitsgebiete[Bearbeiten]

Das Gebäude des Instituts in Ny-Ålesund, mit einer Statue von Roald Amundsen

Das Institut betreibt meeres- und polarwissenschaftliche Forschung in der Arktis, Antarktis und auch in gemäßigten Breiten. In der Antarktis stehen das Dallmann-Labor und die Kohnen-Station, wo im Sommer im Rahmen des internationalen EPICA-Projektes Eisbohrungen vorgenommen wurden. Das bislang älteste gefundene Eis ist etwa 900.000 Jahre alt. In Ny-Ålesund auf Spitzbergen unterhält das AWI gemeinsam mit dem französischen Polarforschungsinstitut die AWIPEV-Forschungsbasis, bestehend aus der deutschen Koldewey-Station und der französischen Rabot-Station. Die Neumayer-Station II auf dem polaren Südkontinent Antarktis war eine ganzjährig besetzte Forschungsstation mit den Forschungsgebieten Geophysik, Meteorologie und Luftchemie. Sie besteht aus zwei parallel verlaufenden Stahlröhren (ca. 100 Meter lang mit acht Meter Durchmesser), in der beheizte (Wohn/Arbeits)-Container aneinandergereiht sind. In den oberen zehn Metern einer 200 Meter dicken Schelfeisplatte liegen die Röhren vergraben. Der 1982 in Dienst gestellte Eisbrecher Polarstern versorgt die Stationen und ist selbst ein schwimmendes Forschungslabor. Über 6800 Forscher waren bereits auf der Polarstern unterwegs. Seit Juni 2008 betreut das Institut das World Radiation Monitoring Center. Seit 20. Februar 2009 ist die Neumayer-Station III als Nachfolgerin der Neumayer-Station II in Betrieb.

Biologische Anstalt Helgoland[Bearbeiten]

Forschungsziel der Biologischen Anstalt Helgoland ist es, das komplexe Ökosystem in Flachmeeren zu untersuchen und die ökologischen Wechselbeziehungen zu verstehen. Seit den 1960er Jahren werden ökologische Langzeituntersuchungen durchgeführt, die heute dazu genutzt werden, Veränderungen im Ökosystem über einen langen Zeitraum hinweg zu beobachten und zu beurteilen. So können durch diese regelmäßige Bestandsaufnahme von Planktonarten Änderungen im Ökosystem erkannt werden.

Ein zweiter Schwerpunkt der Biologischen Anstalt Helgoland besteht darin, gemeinsam mit den ortsansässigen Fischern den Bestand des Helgoländer Hummers wieder aufzustocken, indem im Labor Hummerlarven und Junghummer gezüchtet und erforscht werden.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind die marinen Naturstoffe, die in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern untersucht werden.

An die Anstalt ist das Zentrum für Wissenschaftliches Tauchen – AWI Center for Scientific Diving (AWI-CSD) angegliedert.

HIGH school of Science & Education @ the AWI (HIGHSEA)[Bearbeiten]

HIGHSEA @ the AWI
Highseajpeg.jpg
Schulform Gymnasium
Gründung 2002
Ort Bremerhaven
Land Bremen
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 31′ 59″ N, 8° 34′ 48,6″ O53.533068.58017
Träger Stadt Bremerhaven
Schüler etwa 60
Lehrkräfte 9
Leitung Dr. Susanne Gatti, Kerstin von Engeln
Website HIGHSEA @ AWI

HIGHSEA ist ein Unterrichtsprojekt in Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts, des Helmholtz-Zentrums für Polare und Marine Meeresforschung (AWI) und den Bremerhavener Schulbehörden und wurde 2001 als Teil des naturwissenschaftlichen Zentrums Science & Education @ the AWI (SEA) ins Leben gerufen.

In dem innovativem Unterrichtsprojekt bereiten sich Schüler der Oberstufe (10. – 12. Klasse) über drei Jahre auf das Abitur vor und erarbeiten sich während der gesamten Zeit forschend und experimentell Unterrichtsgegenstände. Dabei unterstützen AWI Wissenschaftler aktiv die Unterrichtsgestaltung der freigestellten Biologie-, Chemie-, Physik-, Mathematik- und Englischlehrer in Form des “Teamteaching” und gewährleisten eine enge Anknüpfung des Unterrichts an laufende Projekte des Instituts. Für den Unterricht stellt das Alfred-Wegener-Institut zweimal die Woche ein extra Gebäudeteil mit Laboren, Unterrichtsräumen und Büros zur Verfügung. Die Laufzeit des Unterrichtprojekts ist zeitlich nicht begrenzt und wird durch die Universität Duisburg-Essen extern evaluiert. In der Anfangsphase wurde das Projekt aus Mitteln des Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gefördert. Des Weiteren wurde das Projekt 2006 mit dem NaT-Working Preis der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet.

Forschungsfahrten[Bearbeiten]

Jeder HIGHSEA Jahrgang fährt einmal während seiner Zeit am AWI auf Expedition. Dies beinhaltet die Gewinnung von Sponsoren und eine wissenschaftliche Fahrtplanung mit Forschungsschwerpunkt. Bislang führten die Expeditionen nach Spitzbergen, Grönland, Island und zu den Seebergen vor Madeira. Um die anfallenden Kosten für die Forschungsfahrten zu decken wurde 2010 der Verein Sea Networks e. V. von ehemaligen HIGHSEA Schülern gegründet. Der Verein hat das Ziel, kommende HIGHSEA Jahrgänge bei ihren Forschungsfahrten zu unterstützen. Unter anderem soll dafür ein Grosssegler des Vereins zur Verfügung stehen.

Geschichte[Bearbeiten]

1980 wurde das AWI mit einer Handvoll Mitarbeiter gegründet. Heute beschäftigt das AWI 920 Forscher, Techniker und Verwaltungsangestellte an den unterschiedlichen Standorten. Initiator und Gründungsdirektor war Gotthilf Hempel. Hempel gründete 11 Jahre später das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen. Das ZMT stellt in vielen Bereichen das tropen-biologische Äquivalent zum AWI dar.

Politischer Hintergrund der relativ guten finanziellen Ausstattung war die Idee, Rohstoffressourcen in den Polarregionen zu finden, um sich vom Öl aus dem Nahen Osten unabhängig zu machen. Das AWI emanzipierte sich jedoch schnell von diesem Forschungsziel und baute seine biologische Polarforschung aus. Noch bevor der Klimawandel ein Medienthema war, untersuchte der Geophysiker Albrecht Müller 1985 die Auswirkungen des Klimas auf die Antarktis. 1981 wurde die erste Forschungsstation in der Antarktis errichtet.[2]

1986 wurde in Bremerhaven-Mitte beim Alten Hafen das Hauptgebäude des AWIs nach Plänen des Architekten Oswald Mathias Ungers fertiggestellt.

Am 24. Februar 1985 schossen Kämpfer der Frente Polisario ein Forschungsflugzeug des Institutes auf dem Rückweg aus der Antarktis ab. Beim Abschuss der Polar 3 in der Westsahara kamen der Pilot Herbert Hampel, der Copilot Richard Möbius und der Mechaniker Josef Schmid ums Leben.

Direktoren[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred-Wegener-Institut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CO2-Speicherung im Ozean: Eisendüngung weniger wirksam als gedacht. Abgerufen am 30. Juni 2013.
  2. Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan weiht hochmoderne deutsche Antarktisstation ein - Neumayer-Station III nimmt den wissenschaftlichen Betrieb auf. Alfred-Wegener-Institut, 20. Februar 2009, abgerufen am 11. Juli 2014.

53.53298.57995Koordinaten: 53° 31′ 58,4″ N, 8° 34′ 47,8″ O