Alfred Chanzy

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General Chanzy

Antoine Eugène Alfred Chanzy (* 18. März 1823 in Nouart, Département Ardennes; † 4. oder 5. Januar 1883 in Châlons-sur-Marne) war ein französischer General und Diplomat.

Leben[Bearbeiten]

Chanzy trat 1839 in die französische Marine ein und diente ab 1841 beim 5. Artillerieregiment. 1841 bis 1843 besuchte er die Militärschule Saint-Cyr. Während der darauf folgenden 16 Jahre blieb er in Algerien, wo er zum Chef eines Bataillons aufstieg. Im Feldzug gegen Italien (1859) tat er sich in der Schlacht von Solferino hervor.

1860 bis 1861 nahm Chanzy an der militärischen Expedition nach Syrien teil. Er wurde 1864 zum Oberst und 1868 zum Brigadegeneral befördert. In diesem Rang beteiligte er sich an einer weiteren Expedition gegen die südlichen Stämme in Algerien unter General Emanuel Félix de Wimpffen.

Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges eilte er 1870 nach Paris, um ein Kommando zu erhalten. Er wurde allerdings vom Kriegsminister General Edmond Lebœuf abgewiesen. Erst die Regierung der nationalen Verteidigung erhob ihn im Oktober 1870 zum Divisionsgeneral. Er erhielt das Kommando über eine Division und bald über ein Armeekorps der Loirearmee. In den Kämpfen bei Villepion und Loigny führte er die Truppen mit Auszeichnung. Nach dem Verlust von Orléans wurde die Loirearmee aufgeteilt und Chanzy erhielt am 6. Dezember 1870 das Kommando über die 2. Loire- oder auch Westarmee. Diese Armee kämpfte zwischen dem 7. Dezember und dem 10. Dezember in der Schlacht bei Beaugency mit großer Zähigkeit, musste sich jedoch über Vendôme nach Le Mans zurückziehen. Hier wurde sie am 9. Januar 1871 vom Prinzen Friedrich Karl, in der Schlacht bei Le Mans angegriffen und am 12. Januar zum Rückzug gegen Laval gezwungen.

Während des Waffenstillstands wurde Alfred Chanzy in die Nationalversammlung gewählt, wo er gegen den Friedensvertrag stimmte und die Fortsetzung des Krieges befürwortete. Am 20. März 1871 wurde er von Mitgliedern der Pariser Kommune bei seiner Ankunft in Paris verhaftet. General Camille Crémer konnte zwar seine Freilassung bewirken, doch musste Chanzy schwören, nicht die Waffen gegen die Aufständischen zu erheben. Bis zu seiner Ernennung zum Kommandanten des VII. Armeekorps am 1. September 1872 beteiligte er sich als Mitglied des linken Zentrums an den Arbeiten der Nationalversammlung. Im Juni 1873 wurde er zum kommandierenden General des XIX. Armeekorps ernannt und mit dem Generalgouvernement in Algerien betraut.

Bei der Präsidentenwahl 1879 erhielt Chanzy 99 Stimmen, was den Präsidenten Jules Grévy veranlasste, ihm die Stellung in Algerien zu nehmen und weiter von Frankreich zu entfernen. Chanzy wurde als Botschafter nach Sankt Petersburg entsandt. Diese Stellung legte er nieder, als Léon Gambetta an die Spitze der Regierung berufen wurde und kehrte nach Paris zurück. 1882 wurde er wieder in den aktiven Dienst eingeführt. Er wurde zum Mitglied des Oberkriegsrates der Armee sowie der französischen Landesverteidigungskommission ernannt. Noch im selben Jahr übernahm er das Generalkommando des VI. Armeekorps in Chalons-sur-Marne, wo er in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 1883 starb.

Werke[Bearbeiten]

  • Campagne de 1870–1871: La Deuxième Armée de la Loire. – Paris: Plon, 1871 (deutsch 1873)

Sonstiges[Bearbeiten]

Das 1891 gebaute Passagierschiff Général Chanzy der Reederei Compagnie Générale Transatlantique wurde nach ihm benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Chanzy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Arthur Chuquet: Le Général Chanzy (1823–1883). – Paris: Léopold Cerf, 1884
  • Jacques Melchior Villefranche: Histoire de Général Chanzy. – Paris: Bloud & Barral, 1890
  • Leonce Grandin: Chanzy dans le passé. – Paris: Tolra, 1895