Alfred Gudeman

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Alfred Gudeman (* 26. August 1862 in Atlanta; † 9. September 1942 in Theresienstadt) war ein US-amerikanischer und deutscher klassischer Philologe.

Leben[Bearbeiten]

Gudeman wurde als ältestes von vier Kindern geboren. Spätestens 1865 war die Familie nach New York umgezogen. Als sein Vater nach Kuba ging und nicht mehr zurückkehrte, übernahm der Stiefvater Solomon Zickel die Sorge um die Familie. Zickel war aus Deutschland nach New York gekommen und war mit der Publikation deutscher Wochenzeitschriften so erfolgreich, dass er sich in der Nähe von Dresden ein Haus kaufen konnte, in dem er seinen Ruhestand verbrachte.

Gudeman studierte an der Columbia University Klassische Philologie und ging nach seinem Bachelorabschluss 1883 an die Berliner Universität, um seine Studien bei Hermann Diels zu vertiefen. Von 1890 bis 1893 war er Dozent an der Johns Hopkins University, von 1893 bis 1902 Professor an der University of Pennsylvania. 1902 wechselte er auf den Lehrstuhl der Cornell University. 1904 wurde er als einziger amerikanischer Wissenschaftler zum Thesaurus Linguae Latinae nach München berufen. Auch seine drei Schwestern siedelten nach Deutschland über. Gudeman heiratete eine Deutsche und kehrte nicht einmal für einen Besuch in die USA zurück. Im Jahr 1917 erhielt er die deutsche Staatsangehörigkeit.

Auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten blieb Gudeman im Deutschen Reich. Die Probleme der Hitler-Zeit zeigen sich in seiner Korrespondenz ab dem Frühjahr 1935. Sein Sohn Theodore Gudeman konnte 1937 in den Bundesstaat Indiana auswandern, Gudeman selbst jedoch nicht. Er wurde als Jude klassifiziert in das Lager Theresienstadt deportiert, wo er am 9. September 1942 im Alter von 80 Jahren starb.

Gudemans Forschungen konzentrierten sich auf die lateinische Literatur der Antike. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen ein Kommentar zur Poetik des Aristoteles (1934), dem eine vielbenutzte Bibliographie zu diesem Text vorausging (zusammen mit Lane Cooper, 1928), Latin Literature of the Empire (2 Bände, 1898–1899), History of Classical Philology (1902) und Imagines Philologorum (1911). Zahlreiche seiner Schriften wurden im Deutschen Reich veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Alfred Gudeman – Quellen und Volltexte