Alfred Hartmann (Schriftsteller)

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Karl Alfred Emanuel Hartmann (* 1. Januar 1814 in Thunstetten, Kanton Bern; † 10. Dezember 1897 in Solothurn) war ein Schweizer Schriftsteller.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Alfred Hartmann 1857
Gedenktafel in der Verenaschlucht

Alfred Hartmann wurde auf Schloss Thunstetten im bernischen Oberaargau geboren, wo sein Vater Sigmund Emanuel Hartmann von 1780–1827 als Gutsherr residierte. Sigmund Emanuel Hartmann war von 1795–1798 Landvogt und von 1803–1827 Oberamtmann von Aarwangen. Alfred Hartmanns Mutter Rosina Margaritha war eine geborene von Tscharner, verwitwete von Graffenried. [1] [2] Aus dieser ersten Ehe seiner Mutter hatte Alfred Hartmann drei Halbgeschwister, darunter den Architekten und Aquarellisten Adolf von Graffenried. Als Hartmanns Vater gezwungen war, sein Gut zu verkaufen, zog die Familie nach Solothurn, wo Alfred Hartmann 1827 nach zwei Jahren in einem Erziehungsinstitut in Gottstatt bei Biel als erster protestantischer Schüler in das geistliche Kollegium eintrat.[1][3]

Hartmann studierte von 1831 an in München, Heidelberg und Berlin die Rechtswissenschaft, verlor aber während eines längeren Aufenthalts in Paris den Geschmack an diesem Studium und widmete sich literarischen Beschäftigungen, zunächst nach heineschem Vorbild einem Werk Münchner Bilder, das verschollen ist.

In die Heimat zurückgekehrt, nahm er 1835 seinen bleibenden Wohnsitz in Solothurn, wo er unter anderem in rege Verbindung mit dem bekannten Maler Martin Disteli trat. Hartmann verheiratete sich 1837 mit der Solothurnerin Kleopha Gugger und verliess die Stadt nur noch für gelegentliche Reisen. Er wandte sich verschiedenen literarischen Zeitschriftenprojekten zu, von denen nur die humoristisch-satirische Beilage Postheiri längerfristig überlebte. Dieser Postheiri war so erfolgreich, dass er von 1847 bis 1875 als selbständige Zeitschrift erschien.[1][4][3]

Hartmann selber nannte die Gattung der Dorfgeschichte in seiner Autobiographie das für ihn «richtige Fahrgeleise». Bekannt wurde er jedoch auch durch seine historischen Romane wie den helvetischen Roman Meister Putsch und seine Gesellen (Solothurn 1858, 2 Bde.) und seine biographischen Arbeiten wie Martin Disteli, 1861; Galerie berühmter Schweizer, 1863–71, 2 Bde.; Die Denkwürdigkeiten des Kanzlers Hory 1876, u. a. Auch auf dramatischem Gebiet hat sich Hartmann mit dem Schauspiel Ein Pamphlet vor hundert Jahren (1870) versucht.

Alfred Hartmann pflegte – zusammen mit Franz Krutter und anderen Solothurnern aus dem Kreis der Töpfergesellschaft Solothurn – einen freundschaftlichen Kontakt mit dem österreichisch-amerikanischen Schriftsteller Charles Sealsfield, der 1858 nach Solothurn gezogen war. Nach Sealsfields Tod publizierte Hartmann im Blatt Die Gartenlaube einen Nachruf. Kurz darauf löste sich überraschend das Rätsel um die Identität des «Amerikaners», und Hartmann orientierte die literarische Welt in einem zweiten Artikel über das «aufgeklärte Literaturgeheimniss».

Weitere Werke:

  • Kiltabendgeschichten (Solothurn 1853–55, 2 Bde.)
  • Erzählungen aus der Schweiz (Solothurn 1863)
  • Junker und Bürger, historischer Roman aus den letzten Tagen der alten Eidgenossenschaft (Solothurn 1865, 2 Bde.)
  • Schweizernovellen (Berlin 1877)
  • Neue Schweizernovellen (Berlin 1879)
  • Fortunat (Berlin 1879, 3 Bde.)
  • Der gerechte Branntweinbrenner, Volksroman (Bern 1881), und
  • Auf Schweizer Erde, Novellen (Bern 1883–84, 3 Bde.)
  •  Rückblicke. «Ich war und blieb ein Heide». Zentralbibliothek Solothurn, Solothurn 2011, ISBN 978-3-9523134-4-2 (Autobiographie).
  •  Alfred Hartmann, Solothurn (= Solothurner Klassiker). Knapp, Olten 2011, ISBN 978-3-905848-53-3 (Enthält die Erzählung «Dursli, der Auswanderer»).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Martin Gisi: Hartmann, Karl Alfred Emanuel. In: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog ; Bd. 2, Berlin 1898.
  2. Christoph Zürcher: Hartmann, Sigmund Emanuel im Historischen Lexikon der Schweiz
  3. a b Verena Bider: Alfred Hartmann, ein Solothurner Schriftsteller aus alten Tagen, abgerufen am 22. Februar 2009.
  4. Hans Erhard Gerber: Hartmann, Alfred im Historischen Lexikon der Schweiz