Alfred Bengsch

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Kardinal Bengsch in Worbis (Thüringen), 1978
Wappen des Kardinals
Berliner Gedenktafel am Haus Tempelhofer Weg 26, in Berlin-Schöneberg
Grabplatte in der Unterkirche der St. Hedwigs-Kathedrale

Alfred Kardinal Bengsch (* 10. September 1921 in Berlin-Schöneberg; † 13. Dezember 1979 in Ost-Berlin) war Bischof von Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Alfred Bengsch wurde in Berlin-Schöneberg geboren. Er ist der ältere Bruder von Hubert Bengsch und Onkel des Schauspielers Hubertus Bengsch. Alfred Bengsch, Sohn eines katholischen Kirchenrendanten, wuchs in der Schöneberger Kirchengemeinde St. Elisabeth auf. Von 1926 bis 1950 lebte er mit seinen Eltern im Mietshaus Tempelhofer Weg 26, an dem 1995 eine Berliner Gedenktafel für ihn angebracht wurde. Bengsch studierte nach dem Besuch des Gymnasiums 1940/1941 Katholische Theologie in Fulda. 1941 wurde er Soldat der Wehrmacht und war 1944–1946 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

1946 bis 1950 setzte er das Theologiestudium in Kloster Neuzelle fort und empfing am 2. April 1950 das Sakrament der Priesterweihe durch den Bischof von Berlin Konrad Kardinal Preysing. Bis 1954 war er Kaplan in Berlin. Bis 1956 studierte Bengsch in München und Erfurt und promovierte zum Dr. theol. 1957 bis 1959 war er Dozent für Dogmatik und Homiletik in Neuzelle. 1959 wurde er Regens des Priesterseminars Erfurt.

Am 2. Mai 1959 ernannte ihn Papst Johannes XXIII. zum Titularbischof von Tubia und zum Weihbischof in Berlin mit Sitz in Ost-Berlin. Die Bischofsweihe spendete ihm Julius Kardinal Döpfner am 11. Juni desselben Jahres. Mitkonsekratoren waren Weihbischof Friedrich Maria Rintelen aus Magdeburg und der Bischof von Meißen, Otto Spülbeck. Sein Wahlspruch lautete Adiutores gaudii vestri („Diener eurer Freude“). 1961 wurde Bengsch als Nachfolger von Julius Kardinal Döpfner zum Bischof von Berlin gewählt.

1962 wurde ihm von Johannes XXIII. der Titel eines Erzbischofs verliehen. Von 1962 bis 1965 nahm er am II. Vatikanischen Konzil in Rom teil. Am 26. Juni 1967 nahm ihn Papst Paul VI. als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Filippo Neri in Eurosia in das Kardinalskollegium auf.

Bengsch war ein Verfechter des päpstlichen Primats und des Kurses der politischen Abstinenz der katholischen Kirche in der DDR. 1976 wurde er Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz, die aus der Berliner Ordinarienkonferenz hervorging, der er seit seiner Ernennung zum Bischof von Berlin 1961 vorstand.

Bengsch war Großkreuz-Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Alfred Kardinal Bengsch wurde in der Unterkirche der St. Hedwigs-Kathedrale beigesetzt. Sein Name wurde auf einem Gedenkstein auf dem St. Hedwig-Friedhof in Berlin-Alt-Hohenschönhausen eingemeißelt.[1]

Wirken[Bearbeiten]

Bischof Bengsch unterschied sich in seiner Amtsführung deutlich von seinen Vorgängern. Er war als Stratege vor allem in den politischen und wirtschaftlichen Fragen und Sorgen des Alltags herausgefordert. Seine theologische und pastorale Seite war prägend für den ganzen Katholizismus in der DDR in den 1960er- und 1970er-Jahren, teilweise ist sie das noch heute.

Sein Schwerpunkt lag stets auf dem Primat der Pfarr-Seelsorge und der Sammlung der Gläubigen um die Feier der Sakramente. Er war auch stets um die Priester und Bischöfe bemüht, deren verantwortliche und leitende Funktion er oft heraushob. Weitere Schwerpunkte waren die konkrete Förderung der Ausbildung von Gemeindehelfern und der Jugendarbeit (z. B. Religionsunterricht), aber auch die symbolische Dimension seines Handelns als Bischof.

Sein wichtigstes Ziel war die Einheit – sichtbar im Bistum Berlin. Dies stellte er bei vielen Gelegenheiten dar: Predigten, Gebets- und Gottesdienstordnungen, beim Kirchenbau, in Struktur- und Personalentscheidungen. Es wird auch besonders in der Planung und Durchführungen seiner Dienstreisen nach West-Berlin und den Auslandsreisen deutlich, wo Bengsch stets Zeichen der Einheit seines Bistums und der katholischen Kirche in der DDR setzte. Dabei achtete er immer klar darauf, sich nicht durch den Staat für dessen Ziele instrumentalisieren zu lassen.

Sein Kurs blieb allerdings auch nicht ohne Widerspruch: Besonders infolge der Öffnung von Kirche und der 68er-Bewegung wurde sein Schweigen zu vielen Themen kritisch angegriffen, da die Ziele und Gründe Bengschs nicht nach unten kommuniziert wurden.

Schriften[Bearbeiten]

  • Heilsgeschichte und Heilswissen, Leipzig 1957
  • Unterwegs zum Herrn, 1959
  • Berufung und Bewährung, Leipzig 1960
  • Der Glaube an die Auferstehung, 1962
  • In Erwartung der Wiederkunft, 1966
  • Konzil für dich, 1966
  • Bankrott der Grundsätze?, 1967
  • Glaube und Kritik, 1968
  • A. Bengsch, Michael Schmaus, Elisabeth Gössmann: Haben wir noch Grundsätze?, 1968, ISBN 3-88096-412-2
  • Kirche ohne Kreuz?, 1969
  • Würde des Dienstes, 1969
  • Ein Bischof steht Rede und Antwort, 1970
  • Manipulation und christliches Leben, 1970
  • Mit dem Herzen glauben, 1971
  • Weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges..., 1972, ISBN 3-87554-100-6
  • Wo steht die Predigt heute?, 1974, ISBN 3-87554-118-9
  • Mysterium und Nachfolge“, Berlin 1978
  • Eucharistie. Gedächtnis und Hingabe, 1980, ISBN 3-87554-191-X

Literatur[Bearbeiten]

  • Bischöfl. Ordinariat Berlin (West): Alfred Bengsch – der Kardinal aus Berlin. Berlin:Morus 1980, ISBN 3-87554-190-1
  • Ruth Jung: Eine Politik der Skepsis: Alfred Bengsch, das Bistum Berlin und die katholische Kirche in der DDR (1961–1979). In: KÖSTERS, Christoph (Hg.) und TISCHNER, Wolfgang (Hrsg.): Katholische Kirche in SBZ und DDR. Paderborn: Ferdinand Schöningh 2005, S. 147–191, ISBN 3-506-71347-7
  • Kurzbiografie zu: Bengsch, Alfred. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Bengsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1.  Commons: Zwei symbolische Grabsteine auf dem St. Hedwigsfriedhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Julius Kardinal Döpfner Bischof von Berlin
1961 – 1979
Joachim Kardinal Meisner