Alfred Mechtersheimer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alfred Mechtersheimer (* 13. August 1939 in Neustadt an der Weinstraße) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und ehemaliger Bundestagsabgeordneter (als Parteiloser über die Liste der Grünen). Bekannt wurde er durch sein Engagement in der Friedensbewegung. Ab Ende der 1990er Jahre vertrat er nationalistische und rechtsextreme Positionen.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abitur wurde Merchtersheimer 1959 Offizieranwärter bei der Bundeswehr. Er besuchte u.a. die Schule für Psychologische Kampfführung in Alfter. Merchtersheimer studierte gleichzeitig ab 1963 Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

1965 schied er zunächst aus der Bundeswehr aus, um sein Studium dienstunabhängig am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin abzuschließen (Diplom-Politologe, 1970). Er war u.a. Mitglied des Rings Christlich-Demokratischer Studenten und Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung.

1970 war Mechtersheimer Wiedereinsteller bei der Luftwaffe im Dienstgrad eines Hauptmann. Er war als Lehrstabsoffizier für Wehrgeschichte und als Presseoffizier eingesetzt. Während dieser Zeit wurde er Mitglied im Arbeitskreis Militär und Sozialwissenschaften. Ab 1973 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Lehrauftrag in Politikwissenschaft an der Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg. 1977 wurde er bei Kurt Sontheimer mit der Dissertation Rüstung und Politik in der Bundesrepublik, MRCA Tornado. Geschichte und Funktion des grössten westeuropäischen Rüstungsprogramms an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Dr. rer. pol. promoviert. Aufgrund seiner militärkritischen Dissertation geriet er in Konflikt mit seinen Vorgesetzten. Ein Forschungsurlaub wurde ihm nicht bewilligt und er verließ die Bundeswehr vorzeitig im Dienstgrad eines Oberstleutnant.

1979 wurde er als DFG-Stipendiat Mitarbeiter am Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, das zu dieser Zeit von Carl Friedrich von Weizsäcker geleitet wurde. Nach der Schließung des Instituts mitbegründete er 1982 in Starnberg den gemeinnützigen Verein Institut für Friedenspolitik, eine Denkfabrik für Friedenspolitik, die er bis 1990 leitete.

Mechtersheimer war anfangs Mitglied der Jungen Union und ab 1970 der CSU. 1981 wurde er aufgrund seiner Kritik am NATO-Doppelbeschluss, seiner Auftritte bei einer von Kommunisten organisierten Friedensdemonstration in Bonn und seiner Wahlempfehlung für rot-grün im Zuge eines Parteiordnungsverfahrens aus der Partei ausgeschlossen. Er wurde in der Folge ein entschiedener Gegner der NATO, die er als „größte Bedrohung von Frieden und Freiheit in Europa“ sah. In den 1980er Jahren kam es zu mehreren Kontakten mit der DDR. Mechtersheimer war damals Verfechter eines vereinten und neutralen Deutschland.[1] Als Parteiloser kam er 1987 als Repräsentant der Friedensbewegung über die Landesliste Baden-Württemberg in die Bundestagsfraktion der Grünen und gehörte ihr bis 1990 an. Er war Obmann im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO.

Laut der Tageszeitung taz war er auch Kuratoriumsmitglied der Deutschen Gesellschaft.

Mechtersheimer ist Gründer und Sprecher der rechtsextremen Deutschland-Bewegung (DB) und Leiter des Friedenskomitees 2000.

Mechtersheimer ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wirken[Bearbeiten]

Mechtersheimer befasst sich mit Friedensforschung. Sein politisches Auftreten ist mit der Friedensbewegung der 1980er-Jahre und seiner Kritik am NATO-Doppelbeschluss verbunden. Er knüpfte zahlreiche Kontakte zu Vertretern der Friedensbewegung in der DDR.

1985 schrieb er das Vorwort zu einer Neuauflage der friedenspolitischen Denkschrift „Friedensvertrag, Deutsche Konföderation, Europäisches Sicherheitssystem“. Darin forderte er die „Selbstbefreiung der Deutschen von den Siegern des Zweiten Weltkriegs“.

Mechtersheimers Rolle als Friedens- und Verteidigungsexperte der Grünen endete mit einem Eklat, als im März 1989 seine Beteiligung als Mitglied des Stiftungsrat der mit libyschem Kapital mit Sitz in Liechtenstein gegründeten „M.A.G. Stiftung für Frieden und Solidarität“ bekannt wurden. Die Stiftung wurde als Propagandainstrument Muammar al-Gaddafis gesehen, zu dessen Politik Mechtersheimer sich mehrfach lobend äußerte.[2][3]

Nach dem Fall der Mauer gründete Mechtersheimer in Berlin mit Mitstreitern der Friedensbewegung aus Ost und West, darunter die Bürgerrechtler Edelbert Richter (später SPD-MdB) und Stephan Bickhardt, das „Friedenskomitee 2000“. Mit seinen „national-pazifistischen“ Positionen fand er bei der etablierten Linken nur noch geringen Widerhall. Sein programmatisches Buch „Friedensmacht Deutschland“ (Ullstein, 1993) wurde in der Kritik von „taz“ bis „Frankfurter Rundschau“ ungnädig aufgenommen. Fortan suchte er Verbündete vor allem im rechten Lager. Im März 1997 hatte er auf Einladung der Fraktion der Republikaner (REP) einen Auftritt im Landtag von Baden-Württemberg, bei dem er seine „national-pazifistischen“ Thesen propagierte.

Als Autor trat er in Publikationen der „Neuen Rechten“ (z. B. „wir selbst“) hervor. Als Gründer der „Deutschland-Bewegung“ sieht sich Mechtersheimer als Theoretiker und Praktiker der nationalen Erneuerung eines trotz Wiedervereinigung und 2+4-Vertrag „fremdbestimmten“ Deutschlands. Als Sprecher des „Friedenskomitees 2000“ gibt er den Pressespiegel heraus.

1994 war er einer der Autoren des neurechten Sammelbands Die selbstbewusste Nation.

1996 wurde Mechtersheimer im Zwischenbericht der bayerischen Verfassungsschutzbehörde erwähnt. 1997 kam die Behörde zu dem Ergebnis, dass er sich im „Laufe des Jahres 1997 zu einem der wichtigsten Protagonisten rechtsextremistischer Bestrebungen“ entwickelt habe. Zeitweise wurden er und seine „Deutschland-Bewegung“ in den Verfassungsschutzberichten Bayerns erwähnt.[4] Im selben Jahr outete Mechtersheimer den Journalisten Anton Maegerle unter dessen Realnamen und Adresse.[5]

In jüngerer Zeit arbeitet Mechtersheimer über wirtschaftspolitische Themen und veröffentlichte ein Handbuch Deutsche Wirtschaft.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2013 erhielt er die Ulrich-von-Hutten-Medaille der rechtsextremistischen Gesellschaft für freie Publizistik.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Google books:Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989 von Ehrhart Neubert
  2. Robert Leicht: Mechtersheimer – Libyen: Ghaddafi helfen. Die Zeit vom 31. März 1989, abgerufen am 7. April 2014
  3. Mechtersheimers Traum. Der Spiegel vom 3. April 1989, abgerufen am 7. April 2014
  4. so etwa in den Verfassungsschutzberichten des Bayerischen Staatsministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2001, S. 62; Verfassungsschutzbericht 2002, S. 61; Verfassungsschutzbericht 2003, S. 54f, Verfassungsschutzbericht 2004, S. 70; Verfassungsschutzbericht 2005 S. 124f
  5. Sammler und Jäger in der Berliner Zeitung online vom 15. April 2002