Alfred Meissner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem tschechoslowakischen Justizminister Alfred Meissner. Zum österreichischen Schriftsteller siehe Alfred Meißner (1822–1885).

Alfred Meissner, tschechisch Alfréd Meissner (* 10. April 1871 in Jungbunzlau; † 29. September 1950 in Prag) war ein tschechoslowakischer sozialdemokratischer Politiker und Justizminister. Meissner war Überlebender des Holocaust.

Leben[Bearbeiten]

Meissner absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und Prag. Die juristischen Staatsprüfungen legte er erfolgreich ab und promovierte zum Dr. jur.. Anschließend war er als Rechtsanwalt in Prag tätig. Als führendes Mitglied der sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei gehörte er von 1918 bis 1939 der Prager Nationalversammlung an. Von Mai 1920 bis September 1929 war er Justizminister der Tschechoslowakei und übernahm dieses Amt erneut von 1929 bis 1934. Anschließend war er Minister für soziale Fürsorge. Meissner wurde 1930 Ehrenpräsident des kriminologischen Kongresses in Prag. Er war Direktor der Glimmer-Fabrik. Meissner war mit Rosa, geborene Sommer (1887) verheiratet, das Paar hatte drei Kinder.[1]

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er gemeinsam mit seiner Ehefrau in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 30. Januar 1942 ankam. Meissner galt in Theresienstadt als so genannter Prominenter und leitete die Verlassenschaftsabteilung am Ghettogericht.[1] Er gehörte dem Ältestenrat unter Benjamin Murmelstein ab 1944 an und war Mitunterzeichner des Aufrufes des Ältestenrates an die theresienstädter Häftlinge vom 6. Mai 1945, in dem die Übernahme des Ghettos durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mitgeteilt wurde.[2] Meissner kehrte im Sommer 1945 nach Prag zurück, wo er 1950 verstarb.[1]

Schriften (tschechisch)[Bearbeiten]

  • Urazove pojisteni delnicke die prava rakouskeho ... sepsali --- a Leo Winter (Die Arbeiterunfallversicherung) (boh.) V Praze 1904 (im Bestand der ÖNB)
  • Jak se voli do obcl v Cechach (mimo Prahu a Liberec.) (Wie in Böhmen in die Gemeinden gewählt wird.) Delnicka knihtiskarna V Praze 1909 (im Bestand der ÖNB)
  • Nakory vdov a sirotku po padlych vojinech. (Ansprüche der Witwen und Waisen der im Kriege gefallenen Soldaten.) Sveceny V Praze 1914 (im Bestand der ÖNB)
  • Hlas ceskeho socialniho demokrata o krajskem zrizeni a narodnostni autonomii. (Die Stimme des tschechischen Sozialdemokraten über die Verordnung der Kreiseinteilung und die Volksautonomie.) (boh.) Sveceny V Praze 1916 (im Bestand der ÖNB)
  • Die Verwaltungsreform in Österreich, um 1917
  • Kommentar zur neuen tschechoslowakischen Gemeindewahlordnung, A. Sveceny, Prag um 1924
  • Die Lage der kleinen Landwirte nach der Bodenreform, A. Sveceny, Prag um 1929

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Axel Feuß: Das Theresienstadt-Konvolut, Hamburg/München 2002, S. 49
  2. Hans Günther Adler: Theresienstadt. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft 1941-1945 Nachwort Jeremy Adler. Wallstein, Göttingen 2005 ISBN 3-89244-694-6 (Reprint der 2. verb. Auflage Mohr-Siebeck, Tübingen 1960. 1. Aufl. ebd. 1955), S. 216, 254