Alfred Meyer (NSDAP)

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Alfred Meyer (November 1941), eine Person die „eher klein und zartgliedrig, hinsichtlich der Persönlichkeit eher zurückhaltend war“.[1]
Meyer (rechts) und Alfred Rosenberg (groß in der Bildmitte) in der ukrainischen Stadt Kiew, Juni 1942. Zwischen den beiden ist der Reichskommissar für die Ukraine, Erich Koch, halb im Profil zu sehen.
Gauleiter Meyer an erster Stelle auf der Teilnehmerliste der Wannseekonferenz

Gustav Alfred Julius Meyer (* 5. Oktober 1891 in Göttingen; † 11. April 1945 in Hessisch Oldendorf) war ein nationalsozialistischer Funktionär. Er trat 1928 der NSDAP bei und war von 1930 bis 1945 Gauleiter des Gaus Westfalen-Nord und von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter in Lippe und Schaumburg-Lippe. Nach dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurde er Staatssekretär im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete.

Leben[Bearbeiten]

Meyer wurde in ein evangelisches Elternhaus geboren. Sein Vater war zu der Zeit als preußischer Regierungsbaurat in Göttingen und wurde nach weiteren Stationen schließlich in Soest Kreisbaurat. Nach dem Abitur am Archigymnasium im Jahr 1911 schlug Meyer die Offizierslaufbahn ein, wurde 1912 Fahnenjunker, 1914 Kompanie- und später Bataillonschef. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zweimal verwundet und mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse sowie mit dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet. Im April 1917 geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1920 entlassen wurde, die Reichswehr hatte keine Verwendung für ihn und entließ ihn als Hauptmann.

Im Alter von dreißig Jahren arbeitet Meyer nun als Werkstudent und studierte Rechts- und Staatswissenschaften sowie Nationalökonomie an den Universitäten in Lausanne, Bonn und Würzburg. 1922 promovierte er bei Christian Meurer mit dem Thema „Der belgische Volkskrieg“ zum Doktor der Staatswissenschaften (Dr. rer. pol.). Meyer war von 1923 bis 1930 Zechenbeamter in der juristischen Abteilung auf der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen. Am 1. April 1928 trat er der NSDAP bei und wurde sogleich Ortsgruppenleiter der Partei in Gelsenkirchen.[2] 1929/30 stieg er zum Leiter des Bezirks Emscher-Lippe auf. Im November 1929 wurde er als einziges NSDAP-Mitglied in den Rat der Stadt Gelsenkirchen gewählt.[3]

Im September 1930 zog er als Abgeordneter in den Reichstag für den Wahlkreis Westfalen-Nord ein. Sein am 31. Dezember 1932 niedergelegtes Reichstagsmandat wurde am 1. Januar 1933 von Heinrich August Knickmann fortgeführt.[4] Später im Jahr 1933 kehrte Meyer in den mittlerweile nationalsozialistischen Reichstag zurück und blieb dort bis 1945 Mitglied.[2]

Nachdem der NSDAP-Gau Westfalen geteilt wurde, wurde Meyer 1931 NSDAP-Gauleiter für Westfalen-Nord in Münster, ab dem 16. Mai 1933 Reichsstatthalter von Lippe und Schaumburg-Lippe und 1936 Führer der lippischen Landesregierung. Zwischen 1932 und 1933 war er Mitglied des Preußischen Landtags.[2] 1938 wurde Meyer zum Oberpräsidenten der Provinz Westfalen und SA-Obergruppenführer ernannt.

Als Stellvertreter des Reichsministers Alfred Rosenberg war Meyer vom Sommer 1941 bis November 1942 verantwortlich für die drei Hauptabteilungen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich an der Ausbeutung und Plünderung der besetzten sowjetischen Gebiete, der Unterdrückung und Ermordung ihrer Bewohner, besonders der jüdischen Bevölkerung. Zur Wannsee-Konferenz war Meyer eingeladen, weil im Verwaltungsgebiet seines Ministeriums der Holocaust durch die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD bereits begonnen hatte. Auf der Wannsee-Konferenz forderte Meyer, „gewisse vorbereitende Arbeiten“ jeweils an Ort und Stelle durchzuführen, ohne jedoch die Bevölkerung zu beunruhigen.[5] In einem Schreiben, datiert auf den 16. Juli 1942, schlug er vor, in der Sowjetunion gegen „jüdische Mischlinge“ dieselben Maßnahmen wie gegen Juden zu treffen. Meyer sah den Vorteil seines Vorschlags als die deutsche Herrschaft stabilisierende Maßnahme:

“Damit sind aber Befürchtungen dahin, dass aus diesen Mischlingen infolge ihres artverwandten Blutseinschlages besondere Gefahren gegen die deutsche Herrschaft im Ostraum erwachsen, nicht berechtigt.“[6]

Da Meyer seine Vorschläge an die Parteikanzlei, das Reichsinnenministerium, die Vierjahresplanbehörde, das Auswärtige Amt, das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS sowie den Chef der Sicherheitspolizei und des SD sandte, „ist es letztlich“, so der Historiker und Biograph Meyers, Heinz-Jürgen Priamus, auch diesen „Bemühungen Meyers zuzuschreiben, dass man den Judenbegriff bei den Ausrottungen im Osten außerordentlich weit fasste“.[7]

Im November 1942 wurde Meyer zum Reichsverteidigungskommissar für Westfalen-Nord ernannt.

Am 11. April 1945 beging Meyer am Fuße des Hohenstein bei dem zu Hessisch Oldendorf gehörenden Ortsteil Zersen im Süntel Suizid.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz-Jürgen Priamus: Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet. Dr. Alfred Meyer (1891-1945) Historisches Centrum Hagen
  2. a b c Andreas Zellhuber: „Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu …“ Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941–1945. Vögel, München 2006, S. 73, ISBN 3-89650-213-1.
  3. Schaumburger Nationalsozialisten, Herausgegeben von Frank Werner, 2. Auflage, Bielefeld 2010, Seite 34.
  4. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000140_01347.html
  5. Heinz-Jürgen Priamus: Meyer. Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft. Biographische Konturen eines deutschen Bürgers. Klartext Verlag, Essen 2011, S. 377.
  6. Heinz-Jürgen Priamus: Meyer. Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft. Biographische Konturen eines deutschen Bürgers. Klartext Verlag, Essen 2011, S. 387.
  7. Heinz-Jürgen Priamus: Meyer. Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft. Biographische Konturen eines deutschen Bürgers. Klartext Verlag, Essen 2011, S. 388.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Jürgen Priamus: Meyer. Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft: Biographische Konturen eines deutschen Bürgers. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0592-4.
  • Schaumburger Nationalsozialisten, Täter, Komplizen, Profiteure, Herausgegeben von Frank Werner, 2.Auflage, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-877-8.
  • Ernst Kienast (Hrsg.): Handbuch für den Preußischen Landtag, Ausgabe für die 5. Wahlperiode, Berlin 1933, S. 364.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Meyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien