Alfred Neumann (Minister)

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Porträtfoto Neumanns 1984

Alfred („Ali“) Neumann (* 15. Dezember 1909 in Schöneberg; † 4. Januar 2001 in Berlin) war Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED und 1965–1968 Minister für Materialwirtschaft der DDR.

Leben[Bearbeiten]

Neumann absolvierte eine Ausbildung als Tischler. 1919 trat er dem Arbeitersportverein „Fichte“ bei, der 1928 Mitglied der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit (KG) wurde. Neumann wurde 1929 Mitglied der KPD und 1930 Mitglied der Landesleitung der KG.

Von 1933 bis 1934 arbeitete er gemeinsam mit Karl Maron illegal für die KG. 1934 emigrierte er über Schweden und Finnland in die UdSSR, wo er als Sportlehrer arbeitete. 1938 wurde er wegen fehlender sowjetischer Staatsbürgerschaft aus der UdSSR ausgewiesen. Es gelang ihm, nach Spanien zu kommen, wo er als Mitglied der Internationalen Brigaden am Spanischen Bürgerkrieg teilnahm. 1939 wurde er in Frankreich verhaftet und interniert, 1941 an die Gestapo ausgeliefert und 1942 vom Volksgerichtshof wegen Hochverrat zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Brandenburg-Görden wurde er im Februar 1945 in das SS-Strafbataillon Dirlewanger überstellt, wo ihm die Flucht gelang. Er kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft und befand sich bis 1947 in verschiedenen Gefangenenlagern.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland trat er der SED bei und war Verwaltungsangestellter sowie SED-Funktionär auf Kreisebene in Berlin. 1949 wurde er Sekretär für Propaganda der SED-Landesleitung Berlin, von 1951 bis 1953 stellvertretender Oberbürgermeister von Berlin und von 1953 bis 1957 als Nachfolger von Hans Jendretzky erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin.

Seit 1949 war Neumann Abgeordneter der Volkskammer, seit 1954 Mitglied des Zentralkomitees und Kandidat, seit Februar 1958 Mitglied des Politbüros des ZK der SED. Von 1957 bis 1961 war er Sekretär des ZK der SED, von 1961 bis 1965 Vorsitzender des Volkswirtschaftsrates und von 1965 bis 1968 Minister für Materialwirtschaft. Seit 1962 war er Mitglied des Präsidiums des Ministerrates, seit 1968 einer der beiden ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates.

Neumann spielte bei der Inangriffnahme und Durchsetzung des Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung (NÖSPL) eine wichtige Rolle. Im Zuge des Sturzes von Walter Ulbricht durch Erich Honecker 1971 weigerte sich Neumann als einziges wichtiges damaliges Politbüromitglied, eine geheime „Bitte“ an die sowjetische Führung um Ablösung Ulbrichts mit zu unterschreiben, da er in inhaltlichen und konzeptionellen Fragen auf Ulbrichts Seite stand. Dies wurde ihm von Erich Honecker nie vergessen. Neumann blieb bis zum Schluss ein unbequemer Gegenspieler Honeckers, trat jedoch niemals in der Öffentlichkeit gegen ihn auf.

1989 trat er mit dem Ministerrat zurück, wurde aus dem Politbüro und 1990 aus der SED-PDS ausgeschlossen. Seit 1992 wurde gegen ihn aufgrund seiner Mitgliedschaft im Nationalen Verteidigungsrat der DDR wegen „Totschlags und Körperverletzung an der innerdeutschen Grenze“ ermittelt, die 23. Strafkammer des Berliner Landgerichtes stellte 1999 das Verfahren ohne Ansetzung einer Hauptverhandlung ein.

Ehrungen[Bearbeiten]

Neumann erhielt 1956 und 1964 den Vaterländischen Verdienstorden in Gold,[1][2] 1959 den Orden Banner der Arbeit[3] und 1984 den Karl-Marx-Orden.[4]

Werke[Bearbeiten]

  • Vertrauen in die Kraft der Arbeiterklasse: ausgewählte Reden. Dietz-Verlag, Berlin 1975
  • Arbeit für den Sozialismus: ausgewählte Reden. Dietz-Verlag, Berlin 1979
  • Die DDR stärken – den Frieden sichern: ausgewählte Reden. Dietz-Verlag, Berlin 1984

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues Deutschland, 7. Oktober 1956, S. 7
  2. Neues Deutschland, 6. Oktober 1964, S. 5
  3. Orden "Banner der Arbeit" für Alfred Neumann, In: Neues Deutschland, 16. Dezember 1959, S. 1
  4. Glückwünsche für Alfred Neumann, In: Neue Zeit, 17. Dezember 1984, S. 1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Neumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien