Alfred Reingoldowitsch Koch

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Alfred Reingoldowitsch Koch (russisch Альфред Рейнгольдович Кох, engl. Transkription Alfred Rejngol'dovich Kokh, wiss. Transliteration Al'fred Reingoldovič Koch); * 28. Februar 1961 in Syrjanowsk, Kasachstan; ist ein russischer Ökonom, Politiker, Schriftsteller und Unternehmer deutscher Abstammung. Alfred Koch diente als stellvertretender Ministerpräsident unter Präsident Jelzin und war als Verbündeter der Wirtschafts-Reformer Anatoli Tschubais' einer der Chef-Architekten der Privatisierung in Russland.

Leben[Bearbeiten]

Koch begann 1978 ein Studium an einer Hochschule in Togliatti und beendete dieses 1983 am Leningrader Finanz- und Wirtschafts-Institut mit einem Abschluss in Wirtschafts-Kybernetik. Koch promovierte 1987 auf dem Gebiet der Wirtschaftskybernetik und erhielt von Anatoli Tschubais eine positive Rezension, danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leningrader Forschungsinstitutes „Prometeus“. Von 1988 bis 1990 war er am Leningrader Polytechnischen Institut in der Fakultät für Wirtschaft und Verwaltung Dozent für Funkelektronik.

1990 wurde Koch zum Bürgermeister des Petersburger Stadtbezirks Sestrorezk gewählt.

Ab 1991 arbeitete er in leitenden Funktionen von Privatisierungsbehörden (svglw. Treuhandanstalt), wurde 1993 stellvertretender Vorsitzender und schließlich am 12. September 1996 zum Vorsitzenden des Staatlichen Privatisierungskomitees der Russischen Föderation berufen. In den Jahren als zweiter Mann hinter Anatoli Tschubais erhielt er den Spitznamen „privatiser-2“. Am 17. März 1997 wurde er außerdem einer der Vize-Ministerpräsidenten in der Regierung von Viktor Tschernomyrdin. In dieser Zeit erhielt Koch ein Honorar in Höhe von 100.000 Dollar für ein noch nicht geschriebenes Buch über die Geschichte der Privatisierung in Russland. Nachdem öffentlich unterstellt wurde, dass dies verdeckte Schmiergeldzahlungen an Koch und seine Co-Autoren (darunter Anatoli Tschubais) seien, trat Koch am 13. August 1997 von allen Ämtern zurück.

Am 1. September 1997 wurde er Vorsitzender der Montes Auri AG, einer Investmentgesellschaft, die privates russisches und ausländisches Kapital in russische Unternehmen investiert. Im Juni 2000 wechselte Alfred Koch in die Leitung von Gasprom-Media, einer Tochtergesellschaft des Energiekonzerns Gazprom, und leitete die umstrittene Übernahme des unabhängigen Fernsehsenders NTW durch die Gasprom-Media. Er übergab das Amt im Oktober 2001 an Boris Jordan und wechselte zurück auf den Chefposten der Montes Auri.

Im Februar 2002 wurde Koch vom Parlament des Gebietes Leningrad als Abgeordneter für die Duma nominiert. Nach großem Widerstand gegen seine Person musste er die Kandidatur zurückziehen. Koch war auch Leiter der Wahlkampagne 2003 für die liberale Partei Union der Rechten Kräfte. Nach der Wahlniederlage dieser Partei zog er sich aus der Politik zurück.

2006 schrieb Koch den russischen Bestseller Eine Kiste Wodka (Ящик водки), einen Dialog mit dem Journalisten Igor Swinarenko über den Zeitraum von zwanzig Jahren, von der letzten sowjetischen und der ersten wirklich freien russischen Generation, beginnend 1982, mit dem Tod von Leonid Breschnew bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001, als die Twin Towers, die Wahrzeichen der freien Marktwirtschaft, einstürzten. Die englische Übersetzung erschien im Frühjahr 2009.

Im Jahr 2008 finanzierte er eine wissenschaftliche Punkt-für-Punkt-Widerlegung der Leugnung des Holocaust unter dem Titel „Denial of Denial“ (Отрицание отрицания), mit Pawel Poljan. Es war überhaupt das erste Buch zu diesem Thema in Russland. Koch ist ein häufiger Kommentator in „Medwed“, einem russischen Hochglanz-Magazin für Männer, schreibt dort über die Geschichte und Reisen.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]