Alfred Rethel

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Alfred Rethel, Selbstbildnis (1832)

Alfred Rethel (* 15. Mai 1816 bei Aachen; † 1. Dezember 1859 in Düsseldorf) war ein deutscher Historienmaler der Spätromantik.

Leben[Bearbeiten]

Der Sieg Karls des Großen über die Sarazenen bei Córdoba (778), Historiengemälde (Studie) von Alfred Rethel für den Krönungssaal des Aachener Rathauses (1849/50): Neben einer Kreuzesfahne und einer Adlerfahne lässt Rethel über dem siegreichen Frankenheer eine dritte Fahne in den Farben Schwarz-Rot-Gold wehen.[1]
Die Krönung Karls des Großen, Ausführung von Joseph Kehren nach dem Entwurf von Alfred Rethel, um 1860, 1944 zerstört

Nach dem Besuch der von Johann Baptist Joseph Bastiné geleiteten Aachener Zeichenschule besuchte Alfred Rethel wie auch später sein jüngerer Bruder Otto Rethel von 1829 bis 1836 die Kunstakademie Düsseldorf unter Wilhelm von Schadow und malte überwiegend im Stil der Nazarener. Sein eigentliches Interesse jedoch galt der Monumentalmalerei. 1836 übersiedelte er nach Frankfurt am Main an das Städelsche Kunstinstitut und bekam dort seine ersten Freskoaufträge.

1839 gewann er den Wettbewerb um die Ausmalung des Krönungssaales im Aachener Rathaus mit Themen aus dem Leben Karls des Großen. Diese Jahre währende Arbeit, die sein Lebenswerk darstellt, führte ihn immer mehr in geistige Umnachtung. Vollendet hat er nur vier Fresken alleine. Bei den übrigen musste er sich helfen lassen, weil er ab 1853 zunehmend in Depressionen verfiel. Für Rethels Fresken waren die südlichen Fenster des Rathaus-Saales zugemauert worden. Dadurch hatte der Raum sein architektonisches Gleichgewicht verloren. Die Architektur wurde dem Maler dienstbar gemacht. Hier spiegelt sich die Auffassung seiner Zeit, die vielerorts durch Gemälde und Fresken alten Bauten den Charakter einer „Weihestätte“ zu geben suchte, geprägt von einem patriotischen Frömmigkeitsideal, wie es den deutschen Bildungshumanismus damals auszeichnete (Verbindung von nationalem Mittelalter und Christentum). Von den acht Karlsfresken sind im Zweiten Weltkrieg drei zerstört worden. Die verbliebenen fünf wurden transloziert, also sorgfältig von der Wand gelöst, gründlich restauriert und an einer anderen Stelle wieder angebracht.

Rethels Fresken stehen vor dem großen Hintergrund der Geschichtsauffassung des frühen 19. Jahrhunderts. Was darunter zu verstehen ist, dokumentiert eindeutig ein Zitat von Friedrich Theodor Vischer von 1844: „Die Geschichte, die Welt als Schauplatz des Herrn, die naturgemäße Wirklichkeit in scharfen, nicht romantisch schwankenden, festen Umrissen darzustellen, als eine Bewegung, worin sittliche Mächte Gottes Gegenwart verkünden […] das ist das Feld des modernen Künstlers.“ Und weiter: „Ein Maler führte eine große geschichtliche Szene aus, worin eine allwaltende sittliche Macht siegend oder zum Heldentod stärkend ihren Triumph feiert: […] das ist ein Blatt aus dem Buch der Gottheit, ein Act aus der Geschichte der Selbstbewegung Gottes.“

Ausschnitt aus Auch ein Todtentanz von 1848

Große Aufmerksamkeit erzielte Rethel mit seinen Holzschnittfolgen Auch ein Todtentanz / aus dem Jahre 1848 (Titel der Erstausgabe). Die Idee dieser Folge schlummerte bereits länger in seinem Kopf, wie verschiedene Sensemann-Bilder aus dem Jahre 1847 deutlich zeigen. Dieser Zyklus ist nicht vom Dresdner Maiaufstand inspiriert worden, da Alfred Rethel bereits im Winter 1848 mit der Ausarbeitung zu Auch ein Totentanz begonnen hat. Mit der aus sechs Holzschnitten bestehenden Folge knüpft Rethel an die Totentanz-Holzschnitte Hans Holbeins an. Dargestellt wird, wie der Tod zunächst von fünf weiblichen Gestalten Schwert, Waage und andere Utensilien übergeben bekommt, im Folgenden in eine Stadt reitet und dort auf dem Marktplatz die Bürger für die Revolution zu begeistern versucht; im Hintergrund ist ein Plakat mit der Aufschrift „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zu sehen.

In den folgenden Bildern übergibt er den Bürgern ein Schwert mit der Aufschrift „Volks Justiz“ und eine Kampfszene wird dargestellt. Im letzten Bild reitet der Tod mit einem Lorbeerkranz (Zeichen des Siegers) auf dem Haupt über die Gefallenen. Die Moral ist, dass das Volk nun frei und gleich ist (vgl. Todtentanz). Die Bilder werden von Texten von Robert Reinick begleitet.

Die Darstellung in Auch ein Totentanz erreichte eine hohe Resonanz in den Zeitungen und wurde insbesondere von konservativen Kreisen begeistert aufgenommen. Die politische Aussage trat dabei stark in den Vordergrund. Auf Drängen mehrerer Seiten wurde ein billigerer Nachdruck mit einer Auflagenstärke von 10.000 Exemplaren nachgereicht – eine für damalige Verhältnisse außergewöhnlich hohe Zahl.

Politische Einstellung[Bearbeiten]

Alfred Rethels politische Gesinnung war, anders als diese Darstellung zunächst vermuten lässt, nicht der reaktionären Partei zugeneigt. Nach der Niederschlagung des Dresdner Aufstandes schrieb er seiner Mutter: „Vor ein paar Stunden hat sich die entsetzliche Katastrophe in hiesiger Stadt zu Gunsten des Militärs entschieden – ein herrliches Werk zu Ehren Deutschlands ist unter der kaltblütig berechnenden Militärgewalt unter den Stiefel gesunken! Ich sah die Entstehung der Republik, Communismus mit allen seinen Konsequenzen. – Allein es war wahrhaftige allgemeine Volksbegeisterung im edelsten Sinne zur Herstellung eines großen edlen Deutschlands, eine Mission, die ihnen Gott in die Brust gelegt und nicht durch das radikale Geschwätz schlechter Zeitungen und Volksreden hervorgerufen worden.“[2]

Wolfgang Müller von Königswinter konstatierte in einer zwei Jahre nach Rethels Tod veröffentlichten Monographie, dass dieser ein entschiedener Feind überstürzter Bewegung war und stattdessen eine Position des gemäßigten Fortschrittes vertrat. Das Ideal der Einheit Deutschlands sah Rethel durch die radikalen Parteien in weite Ferne gerückt. Er selbst war der konstitutionellen Partei zugeneigt.

Alfred Rethel starb am 1. Dezember 1859 im Alter von nur 43 Jahren in Düsseldorf an den Folgen eines Gehirnleidens. In seinen letzten, bereits von einer Demenz geprägten Lebensjahren kümmerte sich sein ebenfalls in Düsseldorf tätiger Bruder Otto fürsorglich sowohl um ihn wie auch um seine junge Frau Maria geb. Grahl, und deren gemeinsame Tochter Else (* 1853), die später den Maler Karl Rudolf Sohn heiratete. Alfred Rethels Grab befindet sich auf dem alten Golzheimer Friedhof. Zu seinen Nachfahren gehören Alfred Sohn-Rethel, Otto Sohn-Rethel, Karli Sohn-Rethel, Mira Heuser der Gattin von Werner Heuser, Walter Rethel und dessen Enkelin Simone.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Rethel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ingrid Jederko-Sichelschmidt: Die profane Historienmalerei 1826–1860. In: Wend von Kalnein (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 108
  2. Alfred Rethel: Briefe. In Auswahl herausgegeben von Josef Ponten (Berlin, 1912) S. 119