Alfred Wagenknecht

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Alfred Wagenknecht im Jahr 1905

Alfred Wagenknecht (* 15. August 1881 in Görlitz; † 26. August 1956 in Illinois) (Alternativnamen: Paul Holt, A. B. Mayer, A. B. Martin, U. P. Duffy;[1] Wag[2]) war ein US-amerikanischer marxistischer Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Im Alter von drei Jahren verließ der 1884 in Deutschland geborene Wagenknecht gemeinsam mit seinen Eltern sein Geburtsland und emigrierte in die USA. Sein Vater, ein Schuhmacher, fürchtete die Verfolgung der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie im deutschen Kaiserreich.[3] Er wuchs in Cleveland auf. Wagenknechts politische Betätigung begann 1904, als er sich der Socialist Party of America (SPA) anschloss und für sie als Presseagent in Seattle arbeitete.[2]

Parteikarriere in der SPA[Bearbeiten]

Wagenknecht im Jahr 1918

In der Frühzeit seiner Parteikarriere kandidierte er 1906 und 1912 erfolglos für den Kongress. Für seine Parteilaufbahn war das Jahr 1913 von großer Bedeutung, als er zunächst Redakteur einer Parteizeitung in Everett und später als nationaler Organisator in das Zentralkomitee seiner Partei berufen wurde.[2] 1914 stieg Wagenknecht in das Präsidium auf. Diese relativ hohen Parteiämter brachten ihm auch Probleme ein, sodass er 1917, nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg, wegen seiner antimilitaristischen Einstellung - wie auch Charles Ruthenberg und Charles Baker - zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt wurde. Im April 1919 wurde Wagenknecht, infolge eines Sieges des linken Flügels der SPA, in den Vorstand gewählt.[4] Nach einigen Wirren innerhalb der SPA im Jahr 1919, bei der der linke Flügel, dem Wagenknecht angehörte, einen Gegenparteivorstand zu etablieren versuchte, organisierte er einen Kongress der Linken, der die Gründung der Communist Labor Party of America (CLP) zur Folge hatte.[2]

Parteipolitik innerhalb kommunistischer Parteien[Bearbeiten]

Dieser Gründungsparteitag fand am 31. August 1919 parallel zur Parteiveranstaltung der SPA statt und wurde erst als Gegenveranstaltung aufgebaut, nachdem es dem linken Flügel nicht gelungen war, in größerer Anzahl am offiziellen Parteitag teilzunehmen. Unter anderem hatte Wagenknecht gedroht, sein linker Flügel sei sogar in der Lage, die Veranstaltung zu stürmen.[5] Wagenknecht wurde zum Generalsekretär und internationalem Delegierten gewählt.[6] Sein Engagement in einer offiziell zugelassenen CLP dauerte jedoch lediglich bis zu den ersten Januartagen 1920. Hiernach wurde die CLP zerschlagen und konnte sich nur noch in kleinen Untergrundgruppen versammeln. Während dieser Zeit wählte Alfred Wagenknecht die Decknamen Paul Holt, A.B. Mayer, A.B. Martin und U.P. Duffy.[2] Neben der CLP existierte zu dieser Zeit in den Vereinigten Staaten mit der Communist Party of America (CPA) eine zweite kommunistische Partei, welche ebenso wie die CLP der Komintern angehören wollte. Aus der Sowjetunion gab die Komintern eine Weisung, wonach sich beide Parteien vereinigen sollten; dies geschah für die CLP sowie Teile der CPA um Ruthenberg im Jahr 1920 unter dem Namen United Communist Party (UCP) bei einem geheimen Vereinigungsparteitag. Wagenknecht durfte den Posten des Generalsekretärs in der UCP behalten, da er Ruthenberg das Amt des Chefredakteurs der Parteizeitung The Communist überließ. Die UCP vereinigte sich im Mai 1921 mit den bis dahin unabhängigen Resten der CPA unter deren Namen. Nach der Wiedervereinigung der UCP mit der CPA endete für Wagenknecht die Zeit als Spitzenparteipolitiker.

Politische Betätigung nach dem Zusammenschluss der UCP und der CPA[Bearbeiten]

Wagenknecht wurde nach der Wiedervereinigung der kommunistischen Parteien Redakteur der Parteizeitung The Toiler und Vorstandsmitglied der CPA sowie ihrem legalen Arm, der Workers Party of America (WPA). Ein weiteres Spitzenamt stellte der Generalsekretärsposten der Friends of Soviet Russia (FSR), dem US-amerikanischen Pendant zur Internationalen Arbeiterhilfe, dar. Diese Organisation war ein Zusammenschluss aus 87 Organisationen, welche es sich zum Ziel gesetzt hatten, die humanitäre Situation in der Sowjetunion zu verbessern,[7] die sich infolge des Ersten Weltkrieges und des auf die Oktoberrevolution folgenden Bürgerkriegs stark verschlechtert hatte. Durch dieses Amt konnte er sich als erfolgreichster Spendeneinwerber der WPA etablieren.[8] 1924 trat Wagenknecht als WPA-Director of Special Campaigns[2] (zu deutsch: Direktor für Spezialkampagnen) und Vertreter der Roten Gewerkschafts-Internationalen (RGI), sowie der Trade Union Educational League[9], eine Reise zu den Philippinen an. Dies geschah auf Grund eines Beschlusses der Komintern, dass Parteien aus imperialistischen Ländern ihre Genossen in Kolonien für eine mögliche Revolution unterstützen sollten.[9] Auf den Philippinen sollte Wagenknecht eine philippinische Delegation zusammenstellen, welche an einer Gewerkschaftsversammlung der RGI im chinesischen Guangzhou teilnehmen sollte. Nach der Gründung der International Labor Defense (ILD), dem US-amerikanischen Ableger der Internationalen Roten Hilfe, wurde Wagenknecht auch hier als Generalsekretär in New York tätig.[10]

The Passaic textile strike[Bearbeiten]

Im Jahr 1926 zeichnete Wagenknecht als Produzent für den Film The Passaic textile strike verantwortlich und wirkte auch als Schauspieler mit. Dieser IWA-Film behandelt einen Streik von 16.000 Arbeitern in Passaic, New Jersey, welcher von Wagenknecht und anderen marxistischen Gewerkschaftern angeführt wurde. Er ist sowohl dem Genre der Melodramen, welche die frühen Arbeiterfilme darstellten, als auch dem sozialen Realismus, welcher in den 30er Jahren vorherrschen sollte, zuzuordnen und gilt als einziger noch intakter Arbeiterfilm.[11]

Tod[Bearbeiten]

Wagenknecht liegt im Forest Home Cemetery begraben.[1] Nach seinem Tod wurde ein ganzseitiges Porträt in den Political Affairs, dem monatlichen Parteiorgan der CPUSA, abgedruckt.

Politische Einstellung[Bearbeiten]

Wagenknecht sah sich selbst als einen gut ausgebildeten und erfahrenen Kommunisten. Innerhalb der kommunistischen Strömungen orientierte er sich an der Sowjetunion und den dort regierenden Bolschewiki unter Lenin, sowie an der Komintern.[12]

Mitwirkung an Büchern[Bearbeiten]

  • An Appeal of the German communists : Destroy Hitler! Free Germany!, New York : Workers Library Publishers, 1942.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b stichpunktartige Biografie auf politicalgraveyard.com Abgerufen am 5. Oktober 2009 (englisch)
  2. a b c d e f Biografie Wagenknechts bei marxists.org Abgerufen am 10. Oktober 2009 (englisch)
  3.  Randi Storch: Red Chicago : American communism at its grassroots, 1928-35. University of Illinois Press, Urbana 2007, ISBN 0-252-03206-3, S. 22 (Onlineversion bei Googlebooks).
  4.  Philip S. Foner: History of the Labor Movement in the United States: Postwar Struggles 1918–1920. International Publishers, New York 1988, ISBN 0-7178-0092-X, S. 241 (Onlineversion bei Googlebooks).
  5. Draper: The Roots of American Communism S. 176f.
  6. Draper (S.181)
  7. Eintrag der The Friends of Soviet Russia bei marxisthistory.org Abgerufen am 30. Oktober 2009 (englisch)
  8.  Bryan D. Palmer: James P. Cannon and the origins of the American revolutionary left, 1890–1928. University of Illinois Press, Urbana 2007, ISBN 0-252-03109-1, S. 211 (Onlineversion bei Googlebooks).
  9. a b  William J. Pomeroy: The Philippines : colonialism, collaboration, and resistance. International Publishers, New York 1992, ISBN 0-7178-0692-8, S. 61 (Onlineversion bei Googlebooks).
  10.  Richard H. Frost: The Mooney case. Stanford University Press, Stanford 1968, S. 428 (Onlineversion bei Googlebooks).
  11.  Steven Joseph Ross: Working-class Hollywood : silent film and the shaping of class in America. Princeton University Press, Princeton c1998, ISBN 0-691-03234-3, S. 162 (Onlineversion bei Googlebooks).
  12. Draper (S. 180)