Alfred Witte
Alfred Witte (* 2. März 1878 in Hamburg; † 4. August 1941 ebenda) war ein deutscher Vermessungstechniker und Astrologe.
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[Bearbeiten] Leben
Alfred Witte wurde als einziger Sohn eines Zimmermanns in Hamburg geboren, er hatte zwei Schwestern. Der Vater versagte und verließ die Familie. Die Mutter Metta Witte, heiratete nicht wieder und zog allein die Kinder auf. Witte wuchs in Hamburg auf, heiratete 1930 die Witwe Gertrud Jantzen (geb. Schlee). Mit ihr hatte er zwei Töchter, Anne Charlotte (1930) und Marion (1932). [1] [2].
Witte erlernte den Beruf des Vermessungstechnikers, den er für die Stadt Hamburg in der Position eines Technischen Oberinspektors [3] ausüben sollte. Privat beschäftigte sich Witte zunächst mit Astronomie, nahm um 1911 an astrologischen Vorträgen und Kursen von Karl Brandler-Pracht in Hamburg teil [4], und drang mit Hilfe von Albert Kniepf, seinem Lehrer, in die Lehren der Astrologie ein. Er entwickelte schon bald darauf eine eigene und abweichende Auffassung im Verhältnis zur traditionellen Astrologie. Statt die Aspektlehre der antiken klassischen Astrologie anzuwenden, gestaltete er von 1913 bis 1925 die Idee von dem Planetenbild, das aus zwei Halbsummen besteht und wie eine algebraische Gleichung anzusehen ist.[5]
Seine Lehre wurde von ausserhalb Hamburg ansässigen Astrologen als „Hamburger Schule“ bezeichnet.[6] [7]. Den Begriff benutzte auch Friedrich Sieggrün. Durch ihn wurde er zum Eigenname für die Methode [8]; weltweit ist sie auch als "Uranian System of Astrology" [9] - kurz "Uranian Astrology" - bekannt.
1923 meinte Witte, mit seiner mathematisch orientierten Auswertungsmethode weitere Himmelskörper jenseits des Neptuns astrologisch[10] gefunden zu haben und gab Ephemeriden dafür heraus.[11][12] [13] [14] [15] [16] Witte inspirierte Sieggrün zur Berechnung weiterer hypothetischer Planenten. [17] Die insgesamt 8 hypothetischen Planeten wurden allerdings außerhalb der "Hamburger Schule" von den meisten Astrologen abgelehnt.
Reinhold Ebertin übernahm jedoch die Idee von den Halbsummen vollständig, die seine Lehre der Kosmobiologie strukturierte und prägte; in der Formulierung Kocku von Stuckrads: „...und die Ebertin-Schule etablierte sich als ein führender Zweig der Astrologie nach dem Zweiten Weltkrieg(...) Ebertin schrieb mehr als 60 Bücher(...) Entscheidend für die Ebertin-Schule ist neben der Ausblendung der Zwischenhäuser die von Alfred Witte übernommene Deutung der Halbsummen, also jener Orte im Horoskop, die genau in der Mitte zwischen zwei Deutungsfaktoren liegen, unabhängig davon, ob ein klassischer Aspekt vorliegt oder nicht.“[18]
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verursachte Witte mit seinen Ideen, die zugleich als Kritik an der traditionellen Astrologie verstanden wurden, viele Kontroversen unter Fachleuten, welche die weitere Entwicklung der Astrologie im 20. Jahrhundert wesentlich mitgestalteten.[19]
Halbsummen werden in vielen Astrologie-Computerprogrammen angeboten. Zudem werden stets Ephemeriden nach Wittes Berechnung angeboten und herausgegeben, die auch als „midpoints“ bekannt sind.[20]
[Bearbeiten] Werke
- Regelwerk für Planetenbilder. Die Astrologie von morgen. Mit einer Einführung von Ludwig Rudolph. 195 S., 1. Auflage. Witte-Verlag, Hamburg 22, 1928
- 2. Auflage. Mit einer Einführung von Ludwig Rudolph. 407 S., Witte-Verlag, Hamburg 22, 1932
- 3. Auflage 1935. Bearbeitet und herausgegeben von Ludwig Rudolph. 419 S., Witte-Verlag Ludwig Rudolph, Hamburg 22, 1935
- Uranian System of Astrology [Hamburg School by Alfred witte], RULES FOR PLANETARY PICTURES [From "Regelwerk" by A.Witte & L. Rudolph]. Übersetzt von Richard Svehla, Phoenix Bookshop, Cleveland/Ohio, USA 1939
- 4. und 5. Auflage. Bearbeitet und herausgegeben von Ludwig Rudolph. Überarbeitet und ergänzt durch die Aussagen über Pluto und die von Friedrich Sieggrün berechneten Transneptunplaneten Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon von Hermann Lefeldt. 379 S., Ludwig Rudolph (Witte-Verlag), Hamburg 13, 1946 und 1959
- Leitfaden der Astrologie. System Hamburger Schule. Bearbeitet und herausgegeben von Ludwig Rudolph, unter Mitarbeit der Begründers dieser Lehre Alfred Witte. Witte-Verlag, Hamburg 22, 1933
- Immerwährende Ephemeride für Mondknoten, Uranus, Neptun, Cupido, Hades, Zeus und Kronos. Alfred Witte, Witte-Verlag Ludwig Rudolph, Hamburg 1935
- Der Mensch - eine Empfangsstation kosmischer Suggestionen. Nachdruck aller 47 Aufsätze von Alfred Witte sowie der 'Einführung in die astrologischen Arbeitsmethoden der Hamburger Schule' von Wilhelm Hartmann und 'Die Fliegerbombe.' Astrologische Skizze. Von Friedrich Sieggrün. Mit Kommentaren von Hermann Sporner. 357 S., Ludwig Rudolph (Witte-Verlag), Hamburg 1975, ISBN 3-920807-11-1
[Bearbeiten] Literatur
- Carl-Otto Fleischhauer: Alfred Witte: Landmesser und Astrologe – und die Heß-Affäre. Michael Feist (Edition Astrologic), Hamburg 2003, ISBN 3-00-012760-7
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Carl-Otto Fleischhauer: Alfred Witte. Landmesser und Astrologe - und die Hess-Affäre. Michael Feist (Edition Astrologic), Hamburg 2000,2003, ISBN 3-00-012760-7, S. 68
- ↑ Traueranzeige vom 12. August 1941, in "Hamburger Fremdenblatt" vom 12. August 1941, im Besitz von Michael Feist, Hamburg
- ↑ Carl-Otto Fleischhauer: Alfred Witte. Landmesser und Astrologe - und die Hess-Affäre. Michael Feist (Edition Astrologic), Hamburg 2003, ISBN 3-00-012760-7, S. 5
- ↑ Ludwig Rudolph: 2. Halbjahresbericht der Astrologische Studiengesellschaft (Hamburger Schule) e.V., Ludwig Rudolph (Witte-Verlag), 1953, S.69.
- ↑ Ludwig Rudolph im Interview über Alfred Witte, Planetenbilder, und Transneptuner im Bayrischen Rundfunk, gesendet 1. März 1967, vergl. „gehört gelesen – Die interessantesten Sendungen des Bayrischen Rundfunks“, Nr. 5 Mai 1967, S.592-595, B3155E
- ↑ "Astrologische Rundschau", 14. Jahrgang, Heft 1, S. 2, Heft 2, Juli/August 1923, S. 11-15 und 25-29, Theosophisches Verlagshaus Dr. H. Vollrath, Leipzig
- ↑ "Astrologische Blätter", 5. Jahrgang, Heft 5, August 1923, S. 84, Linser Verlag, Berlin
- ↑ Ludwig Rudolph: Gründungsprotokoll Astrologenverein "Hamburger Schule", "Nachrichtenblatt" Jahrgang II, Nr. 9-10, S. 94-95, Beilage der "Astrologischen Rundschau", Jahrgang. XVII, Dez. 1925/26
- ↑ Richard Svehla: "Introduction the URANIAN SYSTEM OF ASTROLOGY [Hamburg School by Alfred Witte]", A.B.C. Publication, USA, Juni 1939
- ↑ Alfred Witte: "Der erste Transneptunplanet Cupido", Astrologische Blätter, 5. Jahrg., Heft 4, S.49, Juli 1923
- ↑ Alfred Witte: "Berechnung der Transneptun-Planeten", Verlag Ludwig Rudolph, 1926
- ↑ Ludwig Rudolph im französischen "Cahiers Astrologiques", Numéro Spécial sur les Planètes Inconnues (Spezialausgabe unbekannte Planeten), Numéro, 74 1958.
- ↑ Prof. Dr. H.H. Kritzinger: "Hypothetische transneptunische Planeten", Hamburger Hefte, 3/1963, S.152
- ↑ Prof. Dr. H.H. Kritzinger: "Weltharmonik und WITTES Lehre“, Hamburger Hefte, 4/1968, S.1
- ↑ James Neely: "The Orbits of the Transneptunians", Journal of Geocosmic Research, Vol.2, No.2, 1978
- ↑ James Neely: "The orbital elements of the TNPs", Vol. VII, Matrix Magazine, 1980
- ↑ Friedrich Sieggrün: “Ephemeride der transneptunischen Planeten Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon“, Witte-Verlag Ludwig Rudolph, 1937
- ↑ Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Beck, München 2003, S. 328
- ↑ Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Beck, München 2003, S. 323–334
- ↑ Midpoint ephemeris files for 200 years
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Alfred Witte im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Witte, Alfred |
| ALTERNATIVNAMEN | Witte-Lefeldt, Alfred |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Astrologe |
| GEBURTSDATUM | 2. März 1878 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 4. August 1941 |
| STERBEORT | Hamburg |