Alfred de Musset

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alfred de Musset

Alfred de Musset (* 11. Dezember 1810 in Paris; † 2. Mai 1857 ebenda) war ein französischer Schriftsteller. Er gilt als einer der Großen unter den französischen Romantikern.

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Musset wuchs in Paris als wohlbehüteter Sohn adeliger Eltern und absolvierte seine Schulzeit mit Glanz im Traditionsgymnasium Henri-IV auf. Hiernach begann er lustlos ein Jura- und dann ein Medizinstudium, betätigte sich aber vor allem als junger Lebemann. Daneben war er ein frühreifer Dichter, der sich ab 1828 im Kreis um Victor Hugo, dem „Cénacle“, bewundern ließ. Schon 1830 erschienen die Contes d'Espagne et d'Italie (dt. „Spanische und italienische Erzählungen“), eine Sammlung äußerst formvollendeter Gedichte im Stil der Romantik, voller Exotik und exaltierter Gefühle.

1832, nach dem Tod seines Vaters in der großen Typhusepidemie dieses Jahres, beschloss er (wohl auch dank der Erbschaft) als Schriftsteller zu leben.

1833 lernte er die sechs Jahre ältere Romanautorin George Sand kennen und begann mit ihr ein romantisch-leidenschaftliches Liebesverhältnis. Dieses endete jedoch schon bald auf einer gemeinsamen Italienreise (Winter 33/34), als er in Venedig erkrankte und sie ihn mit dem Arzt betrog. Die tiefe Krise, die dies bei Musset auslöste, inspirierte ihn zu Gedichten voller Weltschmerz (gesammelt publiziert als Nuits, dt. „Nächte“, 1835 u. 1837), aber auch zu dem autobiografischen Roman Confession d'un enfant du siècle (dt. „Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen", 1836), dessen Protagonist Octave einer jener typisch romantischen, d.h. desillusionierten, sich selbst und ihrer Umwelt problematischen Helden ist.

Schon seit 1830 schrieb Musset auch Theaterstücke, die er nach dem Misserfolg des ersten aufgeführten Stücks (La Nuit vénétienne, dt. „Venezianische Nacht“, 1830) jedoch nur noch zum Lesen bestimmte und in Sammelbänden publizierte. So erschienen 1832 und 34 je ein Band Spectacles dans un fauteuil (dt. „Schauspiele in einem Sessel“) und 1840 ein Band Comédies et Proverbes (dt. „Komödien und Sprichwörter“).

Die bekanntesten und auch heute noch gelegentlich aufgeführten Stücke sind Les caprices de Marianne (dt. „Mariannes Launen“, 1833), Fantasio (1834) und On ne badine pas avec l'amour (dt. „Mit der Liebe spaßt man nicht“, 1834), sowie Lorenzaccio (1833/34). Die Ersteren handeln von enttäuschter Liebe – ein Thema, das den offensichtlich leicht entflammten, aber narzisstischen Musset immer wieder beschäftigte. Lorenzaccio, die Geschichte eines den Täter am Ende nur frustrierenden Tyrannenmords, spiegelt die politische Enttäuschung Mussets und vieler Intellektueller seiner Generation, die anfangs große Hoffnungen in die Juli-Revolution von 1830 gesetzt hatten und sich betrogen fühlten, als das Regime des neuen „Bürgerkönigs“ Louis-Philippe rasch von der Großbourgeoisie vereinnahmt wurde und ab 1832 zunehmend autoritär und repressiv agierte.

Neben seinen zahlreichen Theaterstücken und seiner Lyrik verfasste Musset in den für ihn höchst fruchtbaren 1830er Jahren auch eine Reihe Erzählungen. 1838 erhielt er im Innenministerium einen bescheidenen Bibliothekarsposten, der ihn wenig belastete, aber ihm ein Grundeinkommen sicherte. Ab 1845 wurden einige seiner Schachaufgaben publiziert.

1840 verursachte eine schwere Krankheit einen tiefen Einbruch. Danach litt er an häufigen Depressionen, schrieb nur noch wenig und flüchtete sich in Liebesaffären und Alkoholkonsum, was seinen Zustand weiter verschlechterte. Immerhin erhielt er 1845 das Kreuz der Légion d'honneur und erlebte 1847 die sehr erfolgreiche Aufführung eines seiner Stücke, Un Caprice (dt. „Eine Laune/verrückte Idee“, 1837). 1852 wurde er, nach vergeblichen Anläufen 1848 und 1850, in die Académie française gewählt, wobei sicher hilfreich war, dass er sich dem neuen Regime von Louis-Napoléon Bonaparte angeschlossen hatte.

Als bleibende Leistung Mussets gilt heute sein dramatisches Werk, das er, nach dem Misserfolg gleich zu Beginn, nicht mehr mit Blick auf die gerade herrschende romantische Theaterdoktrin verfasste, sondern nach seinen eigenen, gemäßigt klassizistischen Vorstellungen. Denn diese erwiesen sich letztlich als zukunftsweisender als z.B. die seines zunächst erfolgreicheren Konkurrenten Victor Hugo, dessen Stücke schon seit langem kaum mehr aufgeführt werden.

Im deutschsprachigen Raum wurde Musset kaum bekannt.

Werke[Bearbeiten]

Mussets Grab (Père Lachaise)
  • 1824 A ma mère
  • 1826 A Mademoiselle Zoé la Douairière
  • 1828 Un rêve, L'Anglais mangeur d'opium
  • 1829 Erste Gedichte
  • 1830 Contes d'Espagne et d'Italie, La Quittance du diable
  • 1831 La Coupe et les lèvres, Namouna
  • 1832 Spectacles dans un fauteuil, A quoi rêvent les jeunes filles
  • 1833 Lorenzaccio, Les Caprices de Marianne, Rolla, André del Sarto
  • 1834 Fantasio, On ne badine pas avec l'amour, Une nuit vénitienne, Perdican, Camille et Perdican
  • 1835 La Quenouille de Barberine, La Nuit de mai, La Nuit de décembre, Le Chandelier
  • 1836 Il ne faut jurer de rien, Lettre à M. de Lamartine, Faire sans dire, La nuit d'août, La Confession d'un enfant du siècle
  • 1837 Un Caprice, La Nuit d'octobre, À la Malibran, Emmeline, Les deux maîtresses. Lettres à Dupuis et Cotonet
  • 1838 Le Fils du Titien, Frédéric et Bernerette, L'Espoir en Dieu, Dupont et Durand, Margot
  • 1839 Croisilles
  • 1840 Les deux maîtresses, Tristesse, Une soirée perdue
  • 1841 Souvenir, Nouvelles (enthält Emmeline, Le Fils du Titien, Croisilles und Margot)
  • 1842 Le Voyage où il vous plaira, Sur la paresse, Histoire d'un merle blanc, Après une lecture
  • 1844 Pierre et Camille, Le Secret de Javotte, Les Frères Van Bruck
  • 1845 Il faut qu'une porte soit ouverte ou fermée, Mademoiselle Mimi Pinson
  • 1848 Nouvelles (enthält Pierre et Camille und Le Secret de Javotte)
  • 1849 Louison, L'Habit vert, On ne saurait penser à tout
  • 1850 Poésies nouvelles, Carmosine
  • 1851 Bettine, Faustine
  • 1852 Veröffentlichung der Gedichtbände Premières Poésies (1829–1835) und Poésies Nouvelles (1836–1852)
  • 1853 La mouche
  • 1854 Contes

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Bahner: Alfred de Mussets Werk. Eine Verneinung der bürgerlichen Lebensform seiner Zeit. Verlag Sprache und Literatur, Halle an der Saale 1960, (Wege zur Literatur - Literatur und Gesellschaft).
  • Angelika Fabig: Kunst und Künstler im Werk Alfred de Mussets. Winter, Heidelberg, 1976, ISBN 3-533-02509-8, (Studia Romanica 28), (Zugleich: Frankfurt (Main), Univ., Diss., 1975).
  • Bodo Guthmüller: Die Rezeption Mussets im Second Empire. Athenäum, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-7610-0217-3, (Ars poetica Studien 17), (Zugleich: Marburg, Univ., Habil.-Schr.).
  • Karin Kramer: Alfred de Mussets Stellung zur Romantik. Kümmerle, Göppingen 1973, ISBN 3-87452-198-2, (Göppinger akademische Beiträge 74), (Zugleich: Köln, Univ., Diss., 1973).
  • Jutta Lietz: Studien zu den Novellen Alfred de Mussets „Mimi Pinson“, „Frédéric et Bernerette“, „Margot“, „La Mouche“, „Histoire d'un merle blanc“. Romanistisches Seminar der Universität Hamburg, Hamburg 1971, (Hamburger romanistische Dissertationen 8, ISSN 0440-1727), (Zugleich: Hamburg, Univ., Diss. 1971).
  • Henning Mehnert: Alfred de Mussets "Lorenzaccio" und die psychologische Motivation des Dandy-Dichters In: Romanistisches Jahrbuch 26, 1975, ISSN 0080-3898, S. 122–136.
  • Alfred Noe: Stilometrie und Interpretation. Stilistische Merkmale der Sprache Alfred de Mussets mit besonderer Berücksichtigung der Prosa. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-631-44305-6, (Wiener Beiträge zur Komparatistik und Romanistik 1), (Zugleich: Wien, Univ., Habil.-Schr., 1988).

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred de Musset – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Alfred de Musset – Quellen und Volltexte (französisch)