Algaita

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Algaita (Pl. algaitu) bei den Hausa, (andere Schreibweisen algeita, alghaita, algayta und algheita), algaitasu bei den Fulbe (Pl. algaitagi) ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt in der nordwestafrikanischen Savanne, besonders im Niger. Die tief tönende algaita wird meist zusammen mit der Röhrentrommel ganga für die traditionelle herrschende Oberschicht gespielt.

Herkunft und Verbreitung[Bearbeiten]

Der Name ist vom Arabischen al-ghaita abgeleitet, ebenso wie das im Maghreb gespielte Doppelrohrblattinstrument ghaita, das als algaita auch bei den Tuareg vorkommt, und einige bis nach Südeuropa verbreitete Sackpfeifen. Die Galicische Gaita gehört zu einer Gruppe von Sackpfeifen auf der Iberischen Halbinsel, während die gaita in Thrakien gespielt wird.

Diese Form einer Kegeloboe entspricht dem asiatischen Typ der surnais, zu dem die türkische zurna, die arabische mizmar (zamr), die indische shehnai, die chinesische suona und die koreanische taepyeongso gehören. Gemeinsame Kennzeichen sind der breite Schalltrichter, die dreiteilige Bauform und der laute schrille Klang, den auch die feiner ausgearbeiteten asiatischen Instrumente besitzen. Große Ähnlichkeit mit der algaita besitzt die im nordostindischen Bundesstaat Meghalaya gespielte tangmuri[1].

Bauform[Bearbeiten]

Die algaita ist etwa 45 Zentimeter lang und besitzt ein konisches Melodierohr aus Holz mit vier bis sechs Grifflöchern an der Vorderseite. Das Rohrende erweitert sich zu einem trichter- bis glockenförmigen Schallstück, bei anderen Instrumenten wurde ein Schalltrichter aus einem anderen Holzstück angepasst. Das Mundstück besteht aus einem Eisen- oder Messingröhrchen, das in das Melodierohr gesteckt wird. An das Mundstückröhrchen ist eine Scheibe aus Metall, Holz oder Kürbis befestigt, die beim Spielen an die Lippen gepresst wird. Dabei wird das kleine, aufgesteckte Doppelrohrblatt aus einer Grasart vom Mundraum umschlossen. Um einen konstanten Blasdruck zu erzeugen, lassen die Musiker ihre Backen häufig ballonartig hervortreten.[2]

Spielweise[Bearbeiten]

In den traditionellen Herrscherhäusern im islamischen Nordafrika haben besonders die nur von Männern gespielten Naturtrompeten eine repräsentative symbolische Bedeutung. In dieser Funktion wird auch die algaita im Hoforchester der Hausa vor dem lokalen Würdenträger zusammen mit der langen Trompete kakaki und der zweifelligen Zylindertrommel ganga (gangua, gangan) gespielt. Zum Hoforchester von Toungo im Osten Nigerias gehörten zwei algeitas, eine lange Trompete (gagashi) und eine ganga.[3] Die kakaki und die algaita wurden vermutlich zuerst im Reich Bornu eingeführt, von wo sie sich in anderen islamischen Reichen ausgebreitet haben.

Es gibt von Hausa-Griots vorgetragene Preislieder auf den Herrscher, bei denen die algaita im Duett mit dem Sänger, der zugleich ganga spielt, in ein musikalisches Wechselspiel eintritt. Die Lieder für den gepriesenen Auftraggeber gewinnen an Bedeutung mit zunehmender Länge, sie sind dafür melodisch einfach und ähneln rhythmisch einem nicht taktgebundenen Stampfen.[4]

Die algaita ist kein reines Männerinstrument, ein Algaita-Spieler ohne einen männlichen Nachkommen darf auch seine Tochter unterrichten.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roger Blench, S. 178
  2. Griots Hausa. Nigeria. CD produziert von Charles Duvelle. Prophet 24, 2001, Titel 2 (und Titelfoto Booklet)
  3. Gerhard Kubik: Africa and the Blues. University Press of Mississippi, Jackson 1999, S. 88
  4. Makada Robo (algaita) und Boussa Baléri (Gesang und gangan) in: Niger. Haoussa: Songhay: Zarma. Als CD bei Prophet, 1999. Aufnahme von 1961, 16.43 min
  5. Beverly B. Mack: Muslim Women Sing: Hausa Popular Song. Indiana University Press, Bloomington 2004, S. 51