Alianen

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von Aleviten bewohnte Dörfer in Bulgarien

Die Alianen (bulgarisch Алиани Aliani oder Алевии Alewii) sind eine schiitische Tariqa, ähnlich der der sufistischen Mevlevi, deren Mitglieder in verschiedenen Regionen Bulgariens leben. Da die türkisch-sprachigen Alianen mit den anatolischen und ost-thrakischen Aleviten bekenntnisverwandt sind und mit ihnen rituelle sowie inhaltliche Gemeinsamkeiten aufweisen, werden sie auch als Aleviten bzw. als „Amuca“ (türkisch „Amca“) bezeichnet.

Religion[Bearbeiten]

Die Alianen verehren ʿAlī ibn Abī Tālib, Schwiegersohn und Cousin ersten Grades des Propheten Mohammed, den sie als Emanation Gottes betrachten.

Andere Muslime betrachten Alianen aufgrund ihrer Sichtweise auf Imam Ali als häretisch. Die Gemeinschaft bildet eine sehr geschlossene Gesellschaft und verbirgt ihre Rituale. Die Alianen sind der Mystik zuzuordnen und glauben an eine persönliche Verständigung mit Gott durch einen trancenahen Zustand. Sie praktizieren – im Gegensatz auch zu den meisten anderen Sufi-Gemeinschaften – nicht die traditionellen islamischen Rituale, sondern benutzen unter anderem Kerzen und Wein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die exakte Herkunft der Gemeinschaft ist nicht gesichert, da nur wenige Aufzeichnungen aus der Frühzeit des Ordens erhalten sind, aber gemäß der vorherrschenden Theorie ließen sie sich in Bulgarien nach dem Sieg des osmanischen Sultans Selim I. 1512 über den ersten safawidischen Schah, Ismail I., nieder. Es wird vermutet, dass Alianen Nachkommen der sufischen Meister waren, die während des 15. Jahrhunderts auf den Balkan kamen, um die Moral der osmanischen Soldaten zu erhalten und mitzuhelfen, die unterworfenen Völker ins Reich zu integrieren.

Demir-Baba-Tekke, heiliger Ort der Aleviten

Die Alianen weigerten sich, Medresen im Osmanischen Reich zu besuchen, da hier der sunnitische Islam gelehrt wurde. Folglich erzogen sie ihre Kinder nur innerhalb der Grenzen ihrer Gesellschaft und dies führte zum Rückgang ihres Anteils in der Bevölkerung.

In Bulgarien bewohnen Alianen vornehmlich die Dörfer Jablanowo und Malko Selo in der Provinz Sliwen; Sewar, Ostrowo, Madrewo, Sweschtari, Biserzi und Lawino in der Provinz Rasgrad; Preslawci, Tschernik und Bradwari in Silistrien; sowie Mogilez und Bajatschewo in der Provinz Targowischte.

Die Demir-Baba-Tekke ist seit dem 16. Jahrhundert ein heiliger Ort der Alianen[1][2] und anderer islamischer Richtungen, da Demir Baba, ein berühmter Derwisch, der im 16. Jahrhundert lebte, hier in Nordostbulgarien begraben ist. Die Tekke Otman Babas, die sich im Dorf Teketo in der Region Haskowo befindet, ist ebenfalls eine heilige Stätte der Alianen.[3][4]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Demir Baba’s life and the creation of manuscripts by heterodox Muslims in northeastern Bulgaria. (Originaltitel: Житието на Демир Баба и създаването на ръкописи от мюсюлманите от хетеродоксните течения на исляма в Североизточна България)
  • Демир баба теке е светиня. Abgerufen am 28. Dezember 2012.
  • Националният институт за паметници на културата иска да спре реставрацията на Демир баба теке. Abgerufen am 28. Dezember 2012.: The National institute of cultural monuments want to halt the restоration of Demir baba teke
  •  И. Георгиева: Bulgarian Alians. A collection of ethnographic materials.. Sofia 1997 (Originaltitel: Българските алиани. Сборник етнографски материали.).
  • Vesselin Bosakov: Religious and sociocultural dimensions of the Kazalbashi community in Bulgaria. In: Universität Niš (Hrsg.): Facta Universitatis. 2, Nr. 6, 1999, S. 277–283.
  • Burak Gümüş, “Über Nusayri, Bulgarienalewiten, Shabak, Kakai und Ehl-i Hak”, Sosyal Bilimler Araştırma Dergisi (SBArD), Yıl: 7, Sayı: 14, (2009), S. 153-177
  • Jordanka Telbizova-Sack, “Die Aleviten Bulgariens - Tradition und Neubestimmung im Kontext gesellschaftlichen Wandels”, in Christian Voß und Jordanka Telbizova-Sack, Islam und Muslime in (Südost)Europa im Kontext von Transformation und EU-Erweiterung, Verlag Otto Sagner, München und Berlin, 2010, S. 173-194

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ĭordan Stefanov: Arkheologicheski pametnit͡s͡i i istorii͡a͡ na prouchvanii͡a͡ta v Isperikhskii͡a͡ raĭon: istoriko-arkheologicheski reservat "Sbori͡a͡novo", Verlag "Svi͡a͡t. nauka", 1997, ISBN 9548223368.
  2. Gocha R. Tsetskhladze: Ancient Greeks West and East. S. 445 Online auf books.google.de
  3. Jordanka Telbizova-Sack: Identitätsmuster der Pomaken Bulgariens: ein Beitrag zur Minoritätenforschung. Biblion Verlag, 1999, ISBN 3932331184, S. 137.
  4. Bosakov, S. 282.