Alice Herdan-Zuckmayer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Alice Frank)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Alice Herdan-Zuckmayer, eigentlich Alice Henriette Alberta Herdan-Harris von Valbonne und Belmont (* 4. April 1901 in Wien; † 11. März 1991 in Visp) war eine Schriftstellerin und Carl Zuckmayers zweite Ehefrau.

Leben[Bearbeiten]

Alice von Herdan wurde nach der Scheidung ihrer Eltern geboren. Ihre Mutter war Hofschauspielerin am Wiener Burgtheater.

Alice von Herdan besuchte das Mädchenrealgymnasium der Schulreformerin Eugenie Schwarzwald. 1919 lernte sie durch Schwarzwalds Vermittlung Karl Frank kennen, den sie heiratete. Das Ehepaar siedelte nach Berlin und bald darauf nach München über, wo der Kommunist Frank eine Haftstrafe abzusitzen hatte. Die gemeinsame Tochter Michaela kam dort zur Welt. Bald darauf zog Alice mit dem Kind wieder nach Berlin und gründete mit zwei Schulfreundinnen, Elisabeth Neumann und Helene Weigel, eine Wohngemeinschaft.

Sie arbeitete als Schauspielerin und als Bürokraft. So lernte sie Carl Zuckmayer kennen, der sie zum Abschreiben seiner Stücke engagierte und den sie 1925 heiratete. Im Jahr darauf kam die Tochter Maria Winnetou zur Welt, und Zuckmayer konnte nach seinem ersten großen Erfolg die Wiesmühl bei Henndorf am Wallersee kaufen. Das Ehepaar lebte bis 1933 noch in Berlin, wo Alice, nachdem sie das Abitur nachgeholt hatte, mit einem Medizinstudium begonnen hatte. Nach der Machtübernahme durch die Nazis musste das Ehepaar Zuckmayer Deutschland verlassen. Sie ließen sich in Henndorf nieder.

Nach dem „Anschluss“ musste die Familie Österreich verlassen, lebte ein Jahr am Genfersee und emigrierte dann in die USA. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre verbrachte Alice Herdan-Zuckmayer mit ihrem Mann auf einer Farm in Vermont. 1949 kam ihr erstes Buch heraus, das auf Briefen aus dieser Zeit basierte. Es trug den Titel Die Farm in den grünen Bergen und war ein großer Erfolg. Mit der Zeit des Exils und den Fährnissen der Auswanderung beschäftigte sich auch ihr Werk Das Scheusal, in dem sie dem einzigen Erbstück, das sie in die USA mitnehmen konnte, einem uralten kleinen Hund, ein Denkmal setzte. Das Buch deckt sich inhaltlich und in den Formulierungen z. T. mit Carl Zuckmayers Memoiren Als wär's ein Stück von mir. Alice Herdan-Zuckmayer übersiedelte später mit ihrem Mann nach Saas-Fee in der Schweiz und starb im Alter von 89 Jahren.

Werke[Bearbeiten]

  • Die Farm in den grünen Bergen, 1949
  • Das Kästchen. Die Geheimnisse einer Kindheit, 1962
  • Das Scheusal. Die Geschichte einer sonderbaren Erbschaft, 1972
  • Genies sind im Lehrplan nicht vorgesehen, 1979

Briefwechsel[Bearbeiten]

  • Carl Zuckmayer / Gottfried Bermann Fischer: Briefwechsel 1935-1977. Mit den Briefen von Alice Herdan-Zuckmayer und Brigitte Bermann Fischer. 2 Bde. Hrsg. v. Irene Nawrocka. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-627-X

Literatur[Bearbeiten]

  • Inge Aures: Komm, sieh die Welt mit meinen Augen, Ehe-Paare im Exil. Ein Vergleich der weiblichen mit den männlichen Perspektiven in Exilautobiographien. Univ. Diss. Nashville, Tennessee 1997.

Weblinks[Bearbeiten]