Alischer Burchanowitsch Usmanow

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Alischer Usmanow (2009)

Alischer Burchanowitsch Usmanow (russisch Алишер Бурханович Усманов, wiss. Transliteration Ališer Burchanovič Usmanov; * 9. September 1953 in Tschust, Oblast Namangan, Usbekische SSR) ist ein russischer Oligarch.

Usmanow ist Generaldirektor des Gazprom-Tochterunternehmens Gazprominvestholding, Mitbesitzer der Metalloinvest und Eigentümer des russischen Verlagshauses Kommersant, in dem die einflussreiche Wirtschaftszeitung Kommersant erscheint.[1] Usmanow belegt der Zeitschrift Forbes Magazine zufolge mit einem geschätzten Vermögen von 17,7 Milliarden Dollar auf der Rangliste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 35. [2] Die russische Finanzzeitschrift Finans sieht ihn mit der Summe von 19,9 Milliarden Dollar in Russland auf Platz 3. [3]

Biografie[Bearbeiten]

Usmanow beendete im Jahr 1976 das Moskauer Institut für Internationale Beziehungen, die Kaderschmiede des sowjetischen Außenministeriums, als Spezialist für internationales Recht. Danach arbeitete er in der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, beim Zentralkomitee des Komsomol Usbekistans und wurde schließlich Generaldirektor des Außenhandelskomitees der sowjetischen Propaganda-Organisation Komitee zur Verteidigung des Friedens.[4]

1980 wurde Usmanow, zusammen mit einem Mitarbeiter des KGB (dieser war Sohn des stellvertretenden KGB-Chefs von Usbekistan), von einem Militärgericht in Turkmenistan wegen Erpressung zu acht Jahren verschärften Arbeitslagers und Beschlagnahme des Vermögens verurteilt. Sein Vater, zu der Zeit Staatsanwalt in Taschkent, wurde seines Postens enthoben. 1986 wurde er vorzeitig entlassen. Usmanow selbst erklärte, er sei das Opfer politischer Unterdrückung geworden, im Jahr 2000 rehabilitierte ihn Usbekistans oberstes Gericht.[5]

Der Milliardär ist mit Irina Winer, Trainerin der russischen Nationalmannschaft der Rhythmischen Gymnastik, verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.[6] Usmanow, bereits Präsident des russischen Fechtverbandes, kam in die Schlagzeilen, als er im Juli 2005 zum Präsidenten des Europäischen Fechtverbandes (EFC/CEE) gewählt wurde. Usmanow, der früher selbst einmal Säbelfechter war, gewann gegen den Präsidenten Englands, Keith Smith, nachdem der frühere Präsident, Jenö Kamuti (Ungarn) nicht mehr kandidiert hatte. Im Januar 2009 löste er René Roch als Präsident des Weltfechtverbandes FIE ab.

Usmanow als Unternehmer[Bearbeiten]

Ende der achtziger Jahre begann Usmanow seine Unternehmertätigkeit als Vizepräsident des in Taschkent ansässigen belgisch-usbekischen Joint-Ventures Vita.

1995 bis 1997 war Usmanow stellvertretender Direktor der Mapo-Bank. Vom November 1998 bis Februar 2000 stellvertretender Generaldirektor des Gazprom-Tochterunternehmens Gazprominvestholding; von November 2000 bis Juli 2001 Berater des Gazprom-Vorstandsvorsitzenden. Seit Februar 2001 ist er Generaldirektor der Gazprominvestholding.[4]

Usmanow handelte als zuständiger Direktor im Jahr 2004 den Deal zwischen der in Usbekistan herrschenden Familie Karimow und der Gazprom aus, der zufolge der Großteil des usbekischen Gases an den russischen Konzern Gazprom geht.[7]

Parallel zu seiner Karriere innerhalb des Gazprom-Konzerns baute sich Usmanow ein eigenes Metallimperium auf. Mit dem Kauf der Anteile von der britischen Corus im Jahr 2003 war Usmanow einer der ersten russischen Milliardäre, die sich in großem Rahmen an ausländischen Konzernen beteiligten.

Im September 2006 stieg Usmanow ins russische Mediengeschäft ein. Zunächst erwarb er den Verlag Kommersant mit der Tageszeitung Kommersant, den Wochenzeitschriften Kommersant-Wlast, Dengi und Awtopilot. Ende Dezember kaufte er über von ihm kontrollierte Firmen das Verlagshaus Sekret Firmy, zu dem die meistgelesene Internetzeitung Russlands gaseta.ru gehört.[8]

Im August und September 2007 kaufte Usmanow für über 100 Millionen Dollar Anteile des englischen Fussballclubs FC Arsenal [9] mit dem Plan, einen kontrollierenden Anteil von 25 % zu erreichen.[10] Zusammen mit dem praktisch gleichzeitig erfolgten Erwerb der Rostropowitsch-Sammlung für 100 Millionen Dollar und dem Kauf von 547 sowjetischen Zeichentrickfilmen für rund 10 Millionen Dollar, die Usmanow dem staatlichen russischen Kinderprogramm „Bibigon” schenkte, machte der bisher verschwiegene Oligarch die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam.[8]

Usmanow als Mäzen[Bearbeiten]

Im September 2007 kaufte Usmanow einen Tag vor Auktionsbeginn bei Sotheby’s für rund 100 Millionen Dollar die Kunstsammlung des legendären Cellisten Mstislaw Rostropowitsch und dessen Frau Galina Wischnewskaja. Wie das Auktionshaus erklärte, sei die Rostropowitsch-Kollektion mit ihren 450 auserwählten Kunstwerken „eine der bemerkenswertesten Sammlungen, die bei Sotheby’s je gehandelt wurden, und gleichzeitig eine der wichtigsten Sammlungen russischer Kunst in privater Hand”. Usmanow will die Kollektion dem russischen Staat schenken, welcher sie im Puschkin-Museum ausstellen soll.

Usmanow vs. Murray[Bearbeiten]

Der frühere britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, kritisierte Usmanow als „schändlichen Schurken, Verbrecher, Heroin-Schieber und angeklagten Vergewaltiger”.[11]. Darauf reagierte Usmanow, indem er durch Beziehungen dessen Website vom Internet entfernen ließ. Dies führte zu massiven Protesten zuerst in der Blogosphäre.[12] In der Folge intervenierten britische Politiker[13][14][15], und auch die Medien berichteten[16][17][18]. Am 25. September 2007 wiederholte der EU-Parlamentarier Tom Wise die Anschuldigungen gegenüber Usmanow im Europäischen Parlament.[19]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Elene Perotti: Russia: Kremlin creeps closer to media domination? Auf: Editor´s Weblog (Herausgegeben von der World Association of Newspapers) am 1. September 2006
  2. Alischer Usmanow auf Forbes 2011
  3. Рейтинг российских миллиардеров 2011'' (russisch)
  4. a b Usmanows Biografie auf der Webseite der russischen Wirtschaftszeitschrift Ekspert
  5. Usmanows Lebenslauf auf lenta.ru
  6. http://www.timesonline.co.uk/tol/sport/football/premier_league/arsenal/article2357823.ece Profile auf timesonline.co.uk
  7. Craig Murray Opposition leader tortured with drugs Bericht des ehemaligen britischen Botschafters in Usbekistan
  8. a b Alischer Usmanow kauft Sekret Firmy Auf: Russischsprachiger Dienst der BBC vom 22. Dezember 2006
  9. Usmanov hält nun 21 Prozent von Arsenal. In: Sportal.de, 30. September 2007. 
  10. Usmanov targets crucial 25 % stake in Arsenal. In: Guardian Unlimited. 
  11. Arsenal Tycoon fury at web smears. In: Times Online, 9. September 2007. 
  12. Public Service Announcement. In: Chicken Yoghurt, 20. September 2007. 
  13. Bob Piper: Thanks everyone. In: Bob Piper, 23. September 2007. 
  14. Bob Piper: Iain Dale: In Support of Tim Ireland and Craig Murray. In: Ian Dale, 20. September 2007. 
  15. Tom Watson: Unity is strength. In: Tom Watson MP, 20. September 2007. 
  16. Arsenal Suitor's Lawyers Are Shutting Down Blogs Left and Right. In: AOL Sports, 20. September 2007. 
  17. Boris Johnson becomes a victim of crossfire in internet war. In: Boris Johnson, 22. September 2007. 
  18. Boris website down after legal row. In: The Guardian, 21. September 2007. 
  19. Craig Murray allegations repeated by Tom Wise MEP. In: The Guardian, 25. September 2007.