Alkoholpulver

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Dieser Artikel beschreibt ein Getränkepulver. Für den „Trockenspiritus“ genannten Brennstoff siehe Esbit

Alkoholpulver, auch Trockenalkohol genannt, ist ein Pulver, mit dem sich ein alkoholhaltiges Getränk herstellen lässt, wenn es mit Wasser gemischt wird. Seit der Entwicklung wurden mehrfach Alkoholpulver-Produkte auf den Markt gebracht, ohne jedoch große Verbreitung zu erreichen. Die rechtliche Handhabe von Alkoholpulver ist noch nicht geklärt. In Deutschland wird vor allem kritisiert, dass mit Alkoholpulver die Branntweinsteuer, die Sonderabgabe auf Alcopops und das Getränkepfand umgangen wird und vor allem Jugendliche stark missbrauchsgefährdet seien.[1]

1974 wurde in den USA der General Foods Corporation, erstmals ein Patent auf pulverförmigen Alkohol erteilt.[2][3] 2005 testete Stiftung Warentest das deutsche Produkt Subyou.[4] Im Juni 2007 gaben niederländische Studenten bekannt, ein Alkoholpulver namens Booz2go entwickelt zu haben, das in Wasser aufgelöst ein Getränk mit Limettengeschmack und -farbe und einem Alkoholgehalt von drei Prozent ergibt.[5] Sowohl Jost-Henner Nies, der Hersteller von Subyou, als auch die niederländischen Studenten geben Jugendliche als Zielgruppe an. So sagte Harm van Elderen in einem Interview mit Reuters: „Wir zielen auf Jugendliche ab. Die sind interessierter, weil man es [das Alkoholpulver] mit Bacardi-Mix-Getränken vergleichen kann“.[5] Das amerikanische Unternehmen Lipsmark zielt mit seinem Palcohol genannten Produkt dagegen nach eigenen Angaben vor allem auf Sportler und Reisende, die keine schweren Glasflaschen transportieren möchten.[6][7][8] Es wurde allerdings intensive Werbung an eine jugendliche Zielgruppe gerichtet. Die Zulassung für das Alkoholpulver wurde 2014 vom Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau (TTB) der USA erst erteilt, dann aber wieder zurückgezogen.[9][10]

Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München hat erklärt, Alkohol könne in Cyclodextrine eingeschlossen werden. Diese Cyclodextrine könnten bis zu 60 Prozent ihrer eigenen Masse an Alkohol speichern und es wie ein Pulver handhabbar machen.[11]

Gesetzliche Beschränkungen des Vertriebs oder der Abgabe von alkoholischen Getränken gelten im Allgemeinen nur für Flüssigkeiten. In den meisten Ländern könnte pulverbasierter Alkohol also sogar an Jugendliche verkauft werden und wäre von Alkoholsteuern wie der deutschen Branntweinsteuer nicht betroffen. In den USA wird Alkoholpulver bisher als Geschmacksstoff für Puddings und Eiskrem verwendet.[11] Ein US-Hersteller bereitet jedoch eine Produktreihe von Alkoholgetränkepulver vor, das den üblichen Alkoholgesetzen unterworfen ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statt Alcopops droht Sucht in Tüten, taz, 10. November 2004 (deutsch, abgerufen am 1. August 2010)
  2. Patent US 3795747 A, Alcohol-containing powder, Google Patente
  3. Alkohol als Pulver: Rausch aus dem Tütchen auf www.sueddeutsche.de (20. April 2014)
  4. Neu auf dem Markt: Alcopops als Pulver, Stiftung Warentest, Mai 2005
  5. a b Just add water – students invent alcohol powder Reuters, 6. Juni 2007 (englisch, abgerufen am 22. Juni 2007)
  6. Alkohol-Pulver Palcohol - Aus Wasser mach... Rum auf www.br.de (22. April 2014)
  7. Alkohol als Pulver: Rausch aus dem Tütchen auf www.sueddeutsche.de (20. April 2014)
  8. Palcohol: the powderised alcohol that turns water into rum, The Guardian (englisch, abgerufen am 28. Mai 2014)
  9. Posse um Alkoholpulver für Drinks in den USA: Der Mojito aus dem Beutelchen muss warten NZZ
  10. Palcohol: Der Cocktail in Pulverform golem.de
  11. a b Brausepulver: Alkopops aus der Tüte, Westdeutsche Zeitung vom 28. Oktober 2004 (online abgerufen am 22. Juni 2007, am 4. April 2011 nicht mehr im Netz.)