Alkylantien
Alkylantien oder Alkylanzien (alkylierende Verbindungen) gehören zu den Zytostatika, sie werden hauptsächlich als Medikament bei der Chemotherapie zur Behandlung von Krebs eingesetzt. Sie können Alkylgruppen in die DNA mit Erbinformationen einbauen und damit grundlegend umschreiben. Danach teilt sich die betroffene Zelle meist nicht mehr.
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Geschichte [Bearbeiten]
Während des Ersten Weltkriegs stellten Ärzte fest, dass das Kampfgas Schwefel-Lost (Senfgas) antiproliferative (wachstumshemmende) Wirkung hat. Nach dem Krieg wurde der weniger giftige Stickstoff-Lost (= Mechlorethamin) entwickelt und um 1942 als erstes Zytostatikum in der Medizin eingesetzt. Bis heute ist Stickstoff-Lost in den USA zugelassen; seine Derivate sind in zahlreichen modernen Behandlungsschemata enthalten.
Funktion [Bearbeiten]
Da die Alkylantien mit zwei oder mehr funktionellen Gruppen versehen sind, können sie zwei DNA-Stränge vernetzen und dadurch verhindern, dass diese während der Zellteilung korrekt verdoppelt werden. Alkylantien können aber auch die DNA-Stränge aufbrechen und dadurch ebenfalls unbrauchbar machen. Die medikamentöse Wirkung beruht also auf einer Hemmung der DNA-Replikation. Alkylantien sind mutagen und karzinogen. Sie werden bei Lymphomen, Leukämie, Brust- und Lungenkrebs sowie bei Sarkomen noch oft eingesetzt. Besondere Bedeutung haben sie gegen bösartige Hirntumore.
Nebenwirkungen [Bearbeiten]
Das Problem bei der Bekämpfung von Krebszellen besteht darin, diese pharmakologisch von anderen Körperzellen zu unterscheiden, um sie gezielt bekämpfen zu können. Eine Eigenschaft, die Krebszellen von den meisten, aber eben nicht von allen anderen Körperzellen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie schnell wachsen und sich häufig teilen. Krebszellen weisen eine hohe Zellteilungsrate auf. Da setzen Zytostatika an. Die Wirkweise der Alkylantien sorgt dafür, dass sämtliche Körperzellen die sich gerade in der Zellteilungsphase befinden und in die das Pharmakon eingedrungen ist, zerstört werden.
Die destruktive Wirkung auf die DNA beeinträchtigt also sämtliche Zellen der Körpers, aber am meisten sich häufig teilende Zellen, wie z.B. Zellen der Schleimhäute, Haarwurzeln, Keimdrüsen und des Knochenmarks. Während der Chemotherapie werden also neben dem Krebszellgewebe, dem Tumor bzw. den Metastasen, diese Gewebe besonders stark in Mitleidenschaft gezogen.
Ihre Hauptnebenwirkungen lassen sich auf die Beeinträchtigung dieser Gewebe zurückführen und sind Übelkeit, Blutarmut, Immunschwächung, trockene Schleimhäute, Haarausfall, etc. Aufgrund der Tatsache dass Alkylantien auch mutagen sind, kann es vorkommen, dass die Haare, die nach Absetzen der Chemotherapie nachwachsen, eine andere Haarfarbe haben.
Wirkstoff-Familien [Bearbeiten]
- - Mechlorethamin
- - Cyclophosphamid
- - Ifosfamid
- - Mafosfamid
- - Trofosfamid
- - Melphalan
- - Chlorambucil
- - Bendamustin
- - Busulfan
- - Treosulfan
Literatur [Bearbeiten]
- Ulrich Meyer: Die Geschichte der Alkylanzien. Pharmazie in unserer Zeit 35(2), S. 104–109 (2006), ISSN 0048-3664.
Weblinks [Bearbeiten]
- www.brustkrebs-info.de - Alkylantien
- www.onkologie2007.de - Zytostatika
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