Alleröd-Interstadial
| Serie/ (Glazial) |
Klimastufen | Zeitraum v. Chr. |
|---|---|---|
| Holozän | ||
| Präboreal | 9.610–8.690 | |
| Pleistozän (Weichsel- -Spätglazial) |
||
| Jüngere Dryaszeit | 10.730–9.700 ± 99 | |
| Alleröd-Interstadial | 11.400–10.730 | |
| Ältere Dryaszeit | 11.590–11.400 | |
| Bölling-Interstadial | 11.720–11.590 | |
| Älteste Dryaszeit | 11.850–11.720 | |
| Meiendorf-Interstadial | 12.500–11.850 | |
| (Weichsel- -Hochglazial) |
||
| Mecklenburg-Phase |
Das Alleröd-Interstadial, auch Allerød-Interstadial oder Alleröd-Schwankung, ist die letzte Warmphase (Interstadial) kurz vor dem Ende der letzten Kaltzeit (Quartär). Sie dauerte von 13.350 bis 12.680 Warvenjahren v. h.,[1] das entspricht 11.400 bis 10.730 v. Chr.
Inhaltsverzeichnis |
Namensgebung und Begriffsgeschichte [Bearbeiten]
Der Name wurde von Nikolaj Hartz und Vilhelm Milthers 1901 für spätweichselglaziale, interstadiale Ablagerungen vorgeschlagen.[2] Die interstadialen Bedingungen wurden aufgrund von pflanzlichen Großresten erschlossen. Benannt wurde diese Warmphase nach der Typlokalität Allerød in Sjælland (Dänemark), nordwestlich von Kopenhagen. Johannes Iversen konnte diese wärmere Phase anhand von Pollen erfassen und nannte sie Alleröd-Oszillation bzw. Alleröd period.
Definition [Bearbeiten]
Der Beginn des Alleröd-Interstadial ist durch die Ausbreitung der Birkenwälder definiert. Am Ende des Alleröd-Interstadials (und damit dem Beginn der Jüngeren Dryaszeit) verschwanden sie wieder und wurden durch eine Strauchtundra ersetzt.
Regionale Entsprechungen sind das Windermere-Interstadial in Großbritannien (11900 bis 11150 v. Chr.), das Woodgrange-Interstadial in Irland (11800 - 11000 v. Chr.) und das Two Creeks-Interstadial in Nordamerika (11350 bis 10050 v. Chr.).
Das ursprüngliche Typusprofil bei Allerød (Seeland, Dänemark) existiert heute nicht mehr. Als Parastratotyp gilt deshalb Bølling Sø (Jütland, Dänemark).
Stratigraphie [Bearbeiten]
Das Einsetzen und die Dauer des Alleröd-Interstadials kann regional durchaus etwas abweichen. Voraus ging die Ältere Dryaszeit, während danach die Jüngere Dryaszeit folgte. Mit der Jüngeren Dryaszeit endete das Pleistozän und begann das Holozän.
Gemäß Rasmussen u. a. 2006[3] umfasst das Alleröd-Interstadial die Perioden (von jung nach alt):
- GS-1 Grönland-Stadial - 10946 bis 9753 v. Chr.: Jüngere Dryas
- GI-1a Grönland-Interstadial 1a - 11149 bis 10946 v. Chr. - warm: Aufwärmphase vor Einsetzen der Jüngeren Dryas
- GI-1b Grönland-Interstadial 1b - 11361 bis 11149 v. Chr. - kühl: Gerzensee-Schwankung
- GI-1c Grönland-Interstadial 1c - 12004 bis 11361 v. Chr. - warm: Alleröd-Biozone
Das Grönland-Interstadial 1c kann ferner weiter unterteilt werden (von jung nach alt):
- GI-1c1 - 11572 bis 11324 v. Chr. - warm
- GI-1c2 - 11674 bis 11572 v. Chr. - kalt: Aegelsee-Schwankung bzw. Ältere Dryas
- GI-1c3 - 11958 bis 11674 v. Chr - warm
Das Alleröd-Interstadial folgt gewöhnlich auf die Ältere Dryas mit der Periode GI-1c1. Gelegentlich wird seine Dauer jedoch weiter ausgedehnt; so setzt es beispielsweise in Süddeutschland, in der Schweiz, in Nordamerika und im nordatlantischen Raum unmittelbar nach der Ältesten Dryas mit der Periode GI-1c3 ein.
Für eine ausführliche Stratigraphie siehe van Raden u. a. 2012.[4]
Datierung [Bearbeiten]
Die Datierung ist mit Hilfe der Dendrochronologie und der darin eingehängten Warvenchronologie abgesichert. Nach der Warvenchronologie dauerte das Alleröd-Interstadial von 13.350 bis 12.680 Warvenjahre v.h. Umgerechnet bedeutet dies 11.400 bis 10.730 v. Chr. Das Geozentrum Hannover datiert dieses Intervall auf 13.350 bis 12.700 cal. v.h.[5]
Die Auswertung der Jahreslagen im grönländischen Eis ergaben jedoch für das Alleröd-Interstadial eine wesentlich längere Zeitdauer von 971±31 Jahren für GRIP und 1091 ± 29 Jahren für NGRIP .[6] Der GISP2-Kern läßt sogar auf 1120 ± 56 Jahre schließen. Diese Diskrepanz in der Zeitdauer des Alleröds erklärt sich durch seine oben bereits angeführte Erweiterung bis zur Ältesten Dryas.
In Skandinavien hatten Mangerud u. a. 1974 das Alleröd-Interstadial noch mit der Zeitspanne 11800 bis 11000 Radiokohlenstoffjahren definiert (entsprechend 11757 bis 10973 v. Chr.).[7]
Vulkanausbruch [Bearbeiten]
Der Ausbruch des Laacher Vulkans (Laacher See) ist außerdem ein herausragendes geologisches Ereignis (großflächige Ablagerung von Bimstuff, bis Nordeuropa nachweisbar), das in diesem Zeitintervall stattfand. Er liegt inmitten der Gerzensee-Schwankung (GI-1b). Die vom Wind weit verfrachtete vulkanische Asche erlaubt die Korrelation über weite Entfernung innerhalb von West-, Mittel- und Nordeuropa. Nach der neuesten Datierung erfolgte der Ausbruch 12.880 Warvenjahre v.h. (bezogen auf 1950), d.h. im Jahre 10.930 v. Chr.
Vegetationsgeschichtliche Entwicklung [Bearbeiten]
Im Alleröd, das dem heutigen Klima schon sehr ähnlich war, gab es in Eurasien und in Mitteleuropa die erste flächige Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit (= Weichsel-Hochglazial). Es installierten sich vorwiegend Laub-/Nadel-Mischwälder, wobei in südlichen Regionen Laubwälder vorherrschten. Der erste Abschnitt des Alleröds war durch lichte Birkenwälder geprägt, später gab es zwar eine geschlossene, aber nicht allzu dichte Bewaldung, in der die Kiefer dominierte (Kiefernmaximum um 11000 v. Chr.). Hinzu traten Espe, Fichte, Lärche, Wacholder vermischt mit Eiche, Weide und Hasel. Lichtungen und offenes Gelände wurden von Süßgräsern (Poaceae), Fuchsschwanzgewächsen (Chenopodiaceae) und Artemisia besiedelt. Gegen 11000 v. Chr. ereignete sich in Norditalien der so genannte Kiefernabfall, d. h. die bis dahin dominanten Kiefernwälder lichteten sich zusehends. Davon profitierte die Birke, die wieder die Vorherrschaft übernahm. Der Birkengipfel wurde jedoch erst in der beginnenden Jüngeren Dryas (um 10300 v. Chr.) erreicht.[8]
Umweltparameter [Bearbeiten]
Temperaturen [Bearbeiten]
Gemäß Johnsen u. a. 1995 waren die Temperaturen während des Alleröd-Interstadials in Grönland um 5 bis 12 ° C kälter als heute,[9] für Irland ergeben sich gegen Ende des Alleröds 4 bis 5 °C.
Nach dem Temperaturmaximum im Bölling-Interstadial begann ein genereller, schrittweiser Abkühlungstrend, der sich auch im Alleröd-Interstadial weiter fortsetzte. Lagen beispielsweise die Sommerdurchschnittstemperaturen (Juli) für Irland zu Beginn des Alleröds noch bei 13 °C, so hatten sie sich bis zu Beginn der Jüngeren Dryas auf rund 10 °C abgekühlt.[10]
Die um 11950 v. Chr. beginnende Alleröd-Biozone (GI-1c) war warm, zeigte aber unter mehreren Oszillationen einen leichten Temperaturrückgang. Die Gerzensee-Schwankung (GI-1b), engl. Intra Allerød Cold Period, brachte ab 11300 v. Chr. eine deutliche Abkühlung von bis zu 2 °C. Die ab 11100 v. Chr. beginnende Aufwärmphase vor Beginn der Jüngeren Dryas (GI-1a), engl. pre Younger Dryas Warming, mit ebenfalls 2 °C stellte die gegen Ende der Alleröd-Biozone herrschenden Temperaturverhältnisse wieder her, um dann mit einem bedeutenden Temperatursturz von knapp 3 °C zur Jüngeren Dryas überzuleiten.
Sauerstoffisotopen [Bearbeiten]
Die δ18O-Werte zeigen bis 11000 v. Chr. einen stetigen und bedeutenden Verfall um 5 ‰ (von - 36 ‰ bis - 41 ‰), um dann bis gegen Ende des Alleröd-Interstadials (im GI-1a) wieder auf - 38 ‰ anzusteigen.[11]
Kohlenstoffisotopen [Bearbeiten]
Auch die δ13C-Werte sind während des Alleröds stetig am Zurückgehen, sie weisen eine Abnahme von 2 ‰ auf (von 3,5 auf 1,5 ‰), wobei die Gerzensee-Schwankung dies etwas abbremst.[12]
Kulturgeschichte [Bearbeiten]
An der Typlokalität Allerød in Dänemark, nordwestlich von Kopenhagen (Dänemark) wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals archäologische Überreste aus dieser für die Siedlungsentwicklung Europas in der späten Altsteinzeit (Spätpaläolithikum) bedeutsamen Periode gefunden. Durch die zunehmende Bewaldung Mitteleuropas wurden die großen Herden des Offenlandes als Lebensgrundlage der Jäger des Magdaléniens verdrängt. Infolgedessen wurden Siedlungen und Jagdlager kleiner; archäologische Hinterlassenschaften des Alleröds werden in Norddeutschland nach der typischen Steingerätform als Federmesser-Gruppen bezeichnet. In Süddeutschland besteht eine Kontaktzone zum späten Magdalénien. In etwa gleichzeitig entwickelten sich die Bromme-Kultur in Südskandinavien (11400 bis 10500 v. Chr.) und das Swiderien in Polen und Ungarn (13000 bis 9500 v. Chr.). Die Ahrensburger Kultur begann gegen Ende des Alleröd-Interstadials (10760 bis 9650 v. Chr.). Im südöstlichen Mittelmeerraum hatte das Neolithikum bereits eingesetzt.
Siehe auch [Bearbeiten]
Quellen [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Thomas Litt, Karl-Ernst Behre, Klaus-Dieter Meyer, Hans-Jürgen Stephan und Stefan Wansa: Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. Eiszeitalter und Gegenwart (Quaternary Science Journal), 56(1/2): 7-65, Hannover 2007 ISSN 0424-7116 doi:10.3285/eg.56.1-2.02
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Litt et al. (2007: S.62/3
- ↑ N. Hartz, V. Milthers: Det senglaciale Ler i Allerød Teglværksgrav. Meddelelser fra Dansk geologisk Forening 8, 1901, S. 31-60.
- ↑ Rasmussen, S. O. u. a.: A new Greenland ice core chronology for the last glacial termination. In: Journal of Geophysical Research. 111, 2006.
- ↑ van Raden, U. J. u. a.: High-resolution late-glacial chronology for the Gerzensee lake record (Switzerland): δ18O correlation between a Gerzensee-stack and NGRIP. In: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology. 2012.
- ↑ Das Quartär in Niedersachsen und benachbarten Gebieten (PDF)
- ↑ Kathrine Seierstad: Annual layer counting in the Bølling-Allerød and Younger Dryas sections of the GRIP ice core using deconvoluted isotope data, dust and chemical data. Diplomarbeit, University of Copenhagen. 2005, S. 120.
- ↑ Mangerud J., Andersen, S. T., Berglund, B. E. und Donner, J. J.: Quaternary stratigraphy of Norden, a proposal for terminology and classification. In: Boreas. 3, 1974, S. 109–128.
- ↑ Rösch, Manfred u. a.: Pollenanalysen an drei Bohrkernen aus dem Profundal des Ortasees. In: Astrid Stobbe und Ursula Tegtmeier (Hrsg.): Verzweigungen. Frankfurter Archäologische Schriften 18. S. 225-247.
- ↑ Johnsen, S. J. u. a.: Greenland palaeotemperatures derived from GRIP bore hole temperature and ice core isotope profiles. In: Tellus. 47B, 1995, S. 624–629.
- ↑ Walker, M.J.C. u. a.: The Devensian/Weichselian Late-glacial in northwest Europe (Ireland, Britain, north Belgium, The Netherlands, northwest Germany. In: Journal of Quaternary Science. 9, 1994, S. 109-118.
- ↑ Johnsen, S. J. u.a.: Oxygen isotope and palaeotemperature records from six Greenland ice-core stations: Camp Century, Dye-3, GRIP, GISP2, Renland and NorthGRIP. In: Journal of Quaternary Science. 16(4), 2001, S. 299–307.
- ↑ Duijkers, M.C.H.: Lateglacial climate and timing derived from multiproxy and microtephra analysis at Lurga, western Ireland. Diplomarbeit.. 2009.
Weblinks [Bearbeiten]
"Lagerplatz der Altsteinzeit in NRW entdeckt", Artikel vom 11. Oktober 2008, aufgerufen am 9. August 2012